Wandergesellschaft Düsseldorf ist seit über 100 Jahren auf Achse.

Verein : Seit über 100 Jahren auf Wanderschaft

Mehr als 6300 Ausflüge haben die Wanderfreunde seit der Gründung ihrer Gemeinschaft unternommen.

Wenn sich jemand in Düsseldorf und Umland auskennt, ist das die Wandergesellschaft 1909 (WGD). Seit mehr als 100 Jahren werfen sich die Mitglieder wöchentlich in ihre Wanderkluft und genießen die Natur und anregende Gespräche.

Die WGD entstand wahrscheinlich im Zuge der Wandervogelbewegung, vermutet Wanderbaas Dieter Scheller. 1909 lud Kaufmann Carl Denzel zur Gründung einer kleinen, aber feinen Wandergesellschaft ein. Ziel sollte ein lebendiger Meinungsaustausch in freier Natur sein. Seit 1910 wandert die reine Männergesellschaft, einige Gründungsmitglieder kamen aus dem Künstlerkreis des Malkastens, jeden Samstag in Düsseldorf und der Region. Ende des Jahres wird die WGD mehr als 6300 Wanderungen auf dem Buckel haben. Zurzeit hat die Gesellschaft 18 Mitglieder zwischen 50 Jahren und Mitte 90. „Wir sind recht bunte Vögel, mit viel Individualismus und Eigenwilligkeit, und manchmal auch etwas chaotisch. Oft geht es sehr lustig zu“, berichtet Scheller über die Wanderbrüder.

Jedes Mitglied ist dazu angehalten, Wanderungen zu organisieren. Wo soll es hingehen? Welche Strecke wird gelaufen? Was gibt es zu sehen? Und wo kann man einkehren? All diese Dinge gilt es vorzubereiten. Da stecke oft einige Recherchearbeit dahinter, erzählt Scheller. „Manchmal geht man die Strecke auch vorher mal alleine ab. Dabei kann man selber noch viel lernen.“ Was nicht heißt, dass es nicht manchmal trotzdem Überraschungen gibt. „Es kommt schon mal vor, dass Wege plötzlich gesperrt sind und wir improvisieren müssen“, so der Wanderbaas. Außerdem müssen alle Teilnehmer gesprächsbereit sein, denn der Dialog ist einer der Grundsteine der Gesellschaft. Die Themen sind dabei weit gefächert. „Wir kennen uns so gut, dass wir auch über Dinge reden können, über die wir sonst mit keinem sprechen. Da ist viel Grundvertrauen vorhanden“ so Scheller. Bei den intensiven Gesprächen komme es auch schon mal vor, dass die Männer ihre Umgebung vergessen und sich verlaufen.

Jeden Samstag zieht es die Wanderbrüder nach draußen, egal bei welchem Wetter. Vier bis fünf Stunden sind sie dann unterwegs, inklusive einer Einkehr. Dort können Teilnehmer, die sich gerade nicht so fit fühlen, auch die Tour abbrechen. Zusätzlich gibt es noch Mehrtagestouren, die an entferntere Ziele führen, etwa schon an Wien oder Brüssel. Bei den längeren Touren bleiben die Herren auch nicht mehr unter sich. Da schnüren auch die Partnerinnen die Wanderschuhe.

Mit Wandern und lebendigen Gesprächen allein ist es bei der WGD nicht getan. Die Mitglieder engagieren sich in unterschiedlichen Bereichen. 2010 übernahmen sie die Patenschaft für das Robert-Schumann-Denkmal im Hofgarten. „Wir besuchen das Denkmal ab und zu und kontrollieren, wie es aussieht. Das ist etwas, was wir sehr gerne machen“, so Scheller. Dieses Jahr im September tauschten die Wandervögel ihre Wanderschuhe gegen Kochlöffel, veranstalteten im „grenzenlos“ das Sonntagskochen und spendeten die Lebensmittel.

Über neue Mitglieder würden sich die Wanderfreunde sehr freuen. „Den Verein gibt es schon so lange, da wäre es schön, wenn er noch länger existieren würde“, so Scheller. Immerhin werde die Geschichte der Gemeinschaft sogar im Stadtarchiv aufbewahrt.

Wer Interesse hat, darf an einer der Touren teilnehmen und testen, ob die Gruppe etwas für ihn ist. „Voraussetzung ist Freude an der Bewegung in der Natur und ein Interesse, sich über wichtige Themen zu unterhalten. Was wir nicht mögen, sind Zotenreißer und Menschen, die Witze auf Kosten anderer machen“ sagt Scheller.

Nicole Esch

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