Polizeileitstelle überwacht auch Autobahn: Wache über der Stadt

Polizeileitstelle überwacht auch Autobahn : Wache über der Stadt

Unterm Dach des Polizeipräsidiums am Jürgensplatz laufen alle Fäden in Sachen Sicherheit zusammen. Die Leitstelle der Polizei dirigiert alle Einsätze in der Stadt. Ende des Monats wird von hier auch die Autobahn überwacht.

Die Stadt ist lärmempfindlich. Kurz nach 22 Uhr laufen beim Notruf der Polizei Düsseldorf die Meldungen über Ruhestörungen im Fünf-Minutentakt auf. "Das liegt auch daran, dass wir vorher gar keine annehmen", sagt Dienstgruppenleiter Winfried Lenzen. Vor 22 Uhr besteht für die Polizei keine Rechtsgrundlage zum Einsatz gegen Lärm.

Der kommt - ungewöhnlich für einen Samstagabend - nicht so sehr aus Kneipen und Veranstaltungssälen. Private Partys in allen Teilen der Stadt werden mit dröhnenen Lautsprechern gefeiert. Und der Gang zum Nachbarn, die freundliche Bitte, doch mal ein wenig leiser zu drehen, scheint aus der Mode. Stattdessen wählt man 110.

Für die sechs Beamten, die mit Lenzen am Wochenende den Nachtdienst bestreiten, ist das Einsatzstichwort "Ruhestörung" nachrangig. "Die meisten anderen Einsätze sind wichtiger", sagt der Lenzen. Als freilich die Patienten eines Krankenhauses sich über Lärm beschweren, der von einem Mitarbeiterfest im Innenhof kommt, schickt er eine Streife vorbei. Die hatte vorher denVerkehr kontrolliert.

Die Leitstelle ist der Herz der Düsseldorfer Polizei - und die Arbeit dort fordert alle Sinne. Funk und Telefon laufen parallel über verschiedene Lautsprecher, auch die Ansagen der Landesleitstelle dürfen nicht überhört werden, während der Blick ständig die drei Bildschirme kontrolliert. Einer bildet das aktuelle Einsatzgeschehen in der Stadt ab, der zweite bietet den Überblick über freie Einsatzmittel in den fünf Inspektionen, zeigt Emails aus Nachbarbehörden, die um Mitfahndung bitten; auch der Zugriff auf polizeiliche Informationssysteme läuft über diesen Rechner. Der dritte steuert Funk und Telefon.

Neben Augen und Ohren braucht es in der Leitstelle vor allem Fingerspitzengefühl . Denn die Polizisten dort müssen während eines Telefonats viele verantwortungsvolle Entscheidungen treffen. Ist der Betrunkene, der aus einer Telefonzelle im Süden anruft und kaum verständlich von einem Überfall erzählt, wirklich in ernsten Schwierigkeiten? Ist der Einbrecher, den eine Hausbewohnerin gegenüber gesehen haben will, wirklich noch vor Ort? Die richtige Einschätzung ist Erfahrungssache. "Die meisten Anrufer sind ernst zu nehmen."

Der Betrunkene aus dem Süden ruft in dieser Nacht noch ein paar Mal an, später landet er, weil er in der Nachbarschaft randaliert hat, im Polizeigewahrsam. Überfallen worden ist er nicht. Der vermeintliche Einbrecher dagegen wird gestellt - es ist der Wohnungseigentümer selbst, der sich an seinem Fenster zu schaffen gemacht hat.

Die Liste der laufenden Einsätze, die von den Beamten ständig aktualisiert wird, ist wie ein Stimmungsbarometer der Stadt. Je später der Abend, desto deutlicher ist auch unterm Dach des Präsidiums zu merken, wie draußen der Alkoholpegel steigt: Die Anrufer werden undeutlicher in der Sprache, ungenauer in ihren Angaben. Und ungeduldiger werden sie auch. Immer öfter muss Stefan Elster, nachdem er sich professionell mit "Notruf der Polizei in Düsseldorf" gemeldet hat, noch einmal schlichter formulieren: "Hallo, hier ist die Polizei." Und immer öfter wird mit dem Streifenwagen auch der Rettungsdienst geschickt: Das Aggressionspotenzial wächst.

Die Einsatzkräfte sind ständig unterwegs. Selten, dass mal einer Zeit für einen Kaffee auf der Wache hat. Trotzdem, konstatiert Winfried Lenzen gegen 4 Uhr früh, ist die Nacht "für einen Samstag am Monatsanfang ungewöhnlich ruhig". Auch in der Altstadt, in der die Beamten hin und wieder Streitereien schlichten und einmal bei einer Schlägerei eingreifen, ist es friedlich. "Das neue Konzept für die Altstadt und den Burgplatz hat Erfolg."

(RP)
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