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VRR-Tarif in Düsseldorf: Gladbacher als Schwarzfahrer aufgeschrieben

Fahrschein-Verwirrung : Falle im VRR-Tarif - wenn man trotz Ticket zum Schwarzfahrer wird

Ein Ehepaar aus Mönchengladbach erlebt auf dem Weg zum Flughafen eine böse Überraschung: Trotz gültigen Tickets fahren die beiden angeblich schwarz. Grund ist der Tarifdschungel beim Verkehrsverbund VRR.

Als der Kontrolleur die U-Bahn der Linie 73 in Düsseldorf betritt und die Fahrgäste nach den Tickets fragt, hat der Mönchengladbacher Wolfgang Reichow keinen Grund zur Nervosität. Er zückt das für sich und seine Frau Sabine gekaufte und entwertete Ticket. Und doch sagt der Kontrolleur dem Paar, das auf den Weg in den Urlaub ist, sie seien Schwarzfahrer. Er schreibt ihnen eine Rechnung über 60 Euro.

Passiert ist das am 27. Mai, und damit begann eine wochenlange Hängepartie mit der Rheinbahn. Der Grund: Das Ehepaar Reichow trat in eine Falle, die der Tarif-Dschungel des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR) bietet.

Die beiden Gladbacher hatten ihr Vierer-Ticket der Preisstufe A2 an ihrem Wohnort in Mönchengladbach zum Preis von 10,20 Euro gekauft. Mit dem Auto fuhren sie von dort nach Düsseldorf, wo Wolfgang Reichow als Chirurg am evangelischen Krankenhaus einen eigenen Parkplatz hat. Dort stellten sie den Wagen ab und fuhren mit der U-Bahn vom Kirchplatz bis zum Wehrhahn und von dort mit der S-Bahn weiter zum Flughafen – mit dem entwerteten Ticket.

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Für Fahrten in Düsseldorf aber gilt anders als für Fahrten in Mönchengladbach nicht die Preisstufe A2, sondern A3. „Das hat der Kontrolleur uns so erklärt: Wir waren angeblich mit einem unterbezahlten Fahrschein unterwegs“, sagt Wolfgang Reichow, „weshalb sie nun erstmal als Schwarzfahrer galten.

Nach der Rückkehr aus dem Urlaub schaute Sabine Reichow nach und fand Erstaunliches: Das Paar hatte sogar den richtigen Preis bezahlt. Denn lediglich beim Einzelfahrschein ist das Ticket für die Fahrt in Düsseldorf zehn Cent teurer (2,80 Euro) als in Mönchengladbach. Der Preis für das Vierer-Ticket aber, das das Paar Reichow benutzte, ist in beiden Preisstufen identisch, es kostet in A2 und A3 jeweils 10,20 Euro. „Dann kann doch nicht von einem unterbezahlten Fahrschein die Rede sein“, sagt der Mediziner und wandte sich mit einem Schreiben erneut an die Rheinbahn. „Wir bitten Sie herzlich, auf die Erhebung eines erhöhten Beförderungsentgeldes zu verzichten.“

Doch darauf ließ sich die Rheinbahn erstmal nicht ein. Mitte Juni erreichte die beiden Gladbacher ein Schreiben mit dem Angebot, die Rheinbahn wäre „ausnahmsweise mit Zahlung eines Betrages von EUR 10,00“ einverstanden, dann wäre die Sache erledigt. Von einer einmaligen Ausnahme, Entgegenkommen und von einem Kulanzangebot war die Rede.

Doch mittlerweile ging es Wolfgang und Sabine Reichow nicht mehr um 60 Euro oder 10 Euro Strafe, sondern ums Prinzip. Reichow zahlte erst einmal, und versuchte am Montag noch einmal sein Glück am Telefon. Nach langer Wartezeit und viel Geduld fand er tatsächlich eine Ansprechpartnerin, die ihm recht gab – und die 10 Euro sollen nun zurückgezahlt werden.

Rheinbahn-Sprecher Eckhard Lander bestätigt den Vorfall - und räumt ein: „Das ist schon eine kleine Falle für Besucher von Außerhalb.“ Der Hintergrund ist, dass fünf Städte in NRW, darunter Düsseldorf, seit Januar 2015 höhere Preise einfordern und dafür die neue Tarifstufe A3 eingeführt haben. Dies wird mit dem besonders großen ÖPNV-Angebot begründet, betrifft aber bislang nur den Preis für Einzelfahren und Zeitkarten.

Lander nimmt aber den Kontrolleur in Schutz: Die Mitarbeiter seien aufgefordert, nicht selbst über eine mögliche Kulanz zu entscheiden, um emotionale Debatten in den Zügen zu vermeiden, in die sich oft auch andere Fahrgäste einmischen. Dies sollen später die Sachbearbeiter entscheiden. „Die Kollegen lassen oft Kulanz walten“, sagt Lander.