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Vox-Doku begletet Obdachlose in Düsseldorf

Vox-Doku : Obdachlose statt Auswanderer im Fernsehen

Vox begleitet jetzt Wohnungslose in Düsseldorf. Nicht schlecht für das Wohnprojekt von Fiftyfifty, findet RP-Redakteurin Stefani Geilhausen.

Wer Gutes tut, tut heutzutage gut daran, darüber auch zu reden. Nun kann man zwar der Obdachlosenhilfsorganisation Fiftyfifty und insbesondere ihren streitbaren Sotzialarbeitern Julia von Lindern und Oliver Ongaro nicht gerade vorwerfen, sie übten sich in stiller Bescheidenheit. Doch ein Dreiteiler zur besten Sendezeit bei Vox könnte sich schon als Gottesgeschenk für das Projekt „Housing first“ erweisen, das Fiftyfifty über Spenden finanziert.

Wenn ein Sender der RTL-Familie sechs Obdachlose durch Düsseldorf begleitet, darf man getrost das Schlimmste fürchten. Und tatsächlich, da werden Kinderfotos abgefilmt, private Videos gezeigt und auch die strafbaren Aspekte im Alltag eines Heroin-Junkies sind für die Kameras nicht tabu. Zum Glück ist Helmut, der 62-jährige Süchtige, pfiffig genug, um dem Kameramann auch mal die Stirn zu bieten: „Gewisse Dinge kann ich dir einfach nicht sagen.“

Helmut verkauft die Obdachlosen-Zeitung Fiftyfifty an der Bahnstraße. Foto: VOX/Vox

Die sagt dann Oliver Ongaro und erklärt die Idee von „Housing First“: Die eigene Wohnung ist der erste und der wichtigste Schritt in ein normales Leben. Ruhe, Gesundheit, Arbeit – all das kann später folgen. Weil Vermieter nicht gerade begeistert auf suchtkranke Interessenten ohne Arbeit, dafür oft mit Hund, reagieren, kauft Fiftyfifty die nötigen Wohnungen selbst.

An drei Dienstagen darf der Vox-Zuschauer miterleben, wie Helmut auf Methadon umsteigt, seine Frisur ändert und in seinem Apartment zum „Frauentyp“ wird, wie das alkoholkranke Liebespaar Ela und Heiko am großen Glück der eigenen vier Wände zu scheitern droht und wie Nici und ihre Kumpels vom NRW-Forum in zwei alte Häuser an der Völklinger Straße ziehen. Dass die vor einem Jahr in asozialen Medienforen darüber geführte Neiddebatte völlig unbegründet war, kann hier besichtigt werden.

Auf dem Sendeplatz begleitet Vox seit Jahren Menschen beim Umzug ins Ausland, nun also den „Einzug in ein neues Leben“. Am Ende aber hat die Reihe mit den üblichen Reality-Formaten doch weniger gemeinsam, sondern überrascht positiv. Ungeschönt, aber nicht schonungslos, gewährt sie Einblick in den Alltag der Wohnungslosen, ihren Kampf um ein „Leben, nicht nur ein Dasein“, wie Helmut es nennt. Wie er sind die Protagonisten übrigens alle deutsch. Nur einmal taucht ein wohnungsloser Migrant in der Doku auf – als Ela ihn übel rassistisch beschimpft. Das sei nicht so gemeint, bleibt Sozialarbeiterin von Lindern hier ungewohnt nachsichtig. Mal schauen, ob die nächsten Folgen da realistischer sind.