Düsseldorf: "Vor dem Tod fürchten wir uns nicht mehr"

Düsseldorf: "Vor dem Tod fürchten wir uns nicht mehr"

Um unheilbar erkrankten Menschen ein selbstbestimmtes Lebensende in gewohnter Umgebung ermöglichen zu können, gibt es in Düsseldorf mittlerweile mehrere ambulante Hospizdienste.

Wenn ein Mensch so schwer erkrankt, dass kurative Behandlungsmethoden keine Chance auf Heilung mehr ermöglichen können, äußern viele Betroffene den Wunsch, ihre letzte Lebensphase statt im Krankenhaus lieber Zuhause begehen zu dürfen.

Nicht selten stellt dies auch die Angehörigen des Patienten vor eine große emotionale und psychische Belastungsprobe. Sei es, weil der Betroffene Pflege benötigt, oder die seelische Fürsorge für den Angehörigen mit dem beruflichen Alltag kaum vereinbar ist. In manchen Fällen steht der oder die Betroffene sogar ohne helfende Angehörige oder Freunde im Umfeld da - die letzten Lebenstage fernab von Krankenhaus oder Hospiz zu meistern, ist dann ohne fremde Hilfe gar nicht möglich.

Um den unheilbar erkrankten Menschen dennoch ein selbstbestimmtes Lebensende in gewohnter Umgebung ermöglichen zu können, gibt es in ganz Düsseldorf mittlerweile mehrere ambulante Hospizdienste. Im Falle der Ökumenischen Hospizgruppe Gerresheim sind das engagierte Ehrenamtliche wie Christiane Gehrmann und Anne Arning. "Zunächst einmal wollen wir den Angehörigen den Rücken bei der Betreuung ein bisschen freihalten. Wir bieten den Betroffenen aber auch eine Möglichkeit, sich mit jemanden außerhalb der Familie über emotional schwierige Themen zu unterhalten Etwa über die Frage, was wohl nach dem Tod kommt. Sterben ist für viele Menschen immer noch ein Tabu-Thema, dabei ist es Bestandteil des Lebens", sagt Gehrmann.

Die ehrenamtlichen Vereinsmitglieder stehen dazu bereit, ein Gesprächspartner für Erkrankte und Angehörige zu sein oder mit den Betroffenen Arzttermine und Behördengänge wahrzunehmen. Manchmal geht es einfach darum, sich miteinander zu unterhalten und kleinere Aktivitäten zusammen zu unternehmen - eben die verbliebene Zeit so angenehm wie möglich zu gestalten. "Für uns bedeutet die Arbeit Lebensbegleitung, keine Sterbebegleitung", sagt Arning.

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Beide verband schon lange der Wunsch, sich flexibel und ehrenamtlich betätigen zu können. Per Zufall stießen sie auf die Arbeit der Ökumenischen Hospizgruppe. Dass es dann eine Tätigkeit mit so einer sensiblen Thematik wie Hospizbegleitung wird, ließ beide aber zunächst zweifeln, ob sie für die Arbeit wirklich geeignet wären. Um diese Zweifel zu zerstreuen durchläuft auch jeder angehende Mitarbeiter des Vereins zuerst einen Qualifizierungskurs, der auf die Arbeit vorbereitet und denjenigen auf seine Eignung testet. "Wir sprechen vorher mit jedem ausführlich darüber, ob die Arbeit auch wirklich was für den- oder diejenigen ist", sagt Hospiz-Koordinatorin Elisabeth Siemer. Im anschließenden Kurs stehen dann Themen wie Nähe und Distanz, Selbstreflexion oder einfach das Zuhören zu lernen als Schwerpunkte an. Danach wird bei einer Anfrage mit dem Angehörigen oder dem Betroffenen individuell geschaut, wie die ambulante Begleitung ablaufen kann. Das richtet sich sowohl nach den Bedürfnissen der Patienten, als auch dem Zeitkontingent der Ehrenamtler. "Es wäre allerdings gut, wenn man ein- bis zweimal die Woche Zeit aufbringen kann", sagt Siemer.

Dass die Tätigkeit die Helfer selbst manchmal emotional mitnehmen kann, zählt zu den Erfahrungen, die Gehrmann und Arning schon einige Male machen mussten. "Die Dankbarkeit der Betroffenen und Angehörigen hilft dabei aber. Wichtig ist auch, dass man selber ein solides Lebensumfeld hat, das einen auffängt", erklärt Arning.

Im Falle von Christiane Gerhmann, die eine Person seit über einem Jahr begleitet, ist das nicht immer einfach. "Nach einer gewissen Zeit wächst man mit der Person und den Angehörigen zusammen. Das kann sehr schön und traurig zugleich sein." Die Konfrontation mit dem Tod hat bei Arning aber auch den Umgang mit dem Lebensende verändert. "Vor dem Tod fürchte ich mich jetzt jedenfalls nicht mehr."

(RP)