Vivienne Westwood im NRW Forum: Von der Punk-Rebellin zur Mode-Queen

Vivienne Westwood im NRW Forum: Von der Punk-Rebellin zur Mode-Queen

Düsseldorf (dto). "Das Motiv des Heldenmuts ist das Bindeglied zwischen all meinen Kleidungsstücken", lautet das Credo von Vivienne Westwood. Die Mode des Designer-Paradiesvogels war stets schrill, gewagt und zeigte Mut zur Hässlichkeit. Den Weg von der Punk-Designerin zur gesellschaftlich akzeptierten Modeschöpferin zeichnet die Ausstellung "Vivienne Westwood - Die Retrospektive" nach, die ab Sonntag im NRW-Forum Kultur und Wirtschaft zu sehen ist. Anlässlich der Eröffnung erschien die Mode-Queen persönlich zum Fototermin, hüllte sich aber ansonsten in Schweigen.

"Wir sind sehr glücklich, die Ausstellung nach Düsseldorf geholt zu haben", betonte Museumschef Werner Lippert vor der Presse. In Asien hat sich die Schau längst als Blockbuster erwiesen. Von Tokio sind die Exponate in zwei Frachtlfugzeugen nach Düsseldorf geflogen worden. Nach der Station in Düsseldorf wandern die rund 150 Exponate nach Bangkok, dann nach Amerika. Erst im Jahr 2008/2009 ist die Ausstellung wieder in Europa, nämlich im britischen Sheffield, zu sehen.

Die 64-jährige Britin, die bis vor wenigen Monaten an der Universität der Künste in Berlin als Professorin den modischen Nachwuchs inspirierte, wollte nach eigenen Worten nie, "dass meine Frauen wie Kunstobjekte aussehen". Genau das aber taten sie, und deshalb sind sie vielen auch als exzentrisch und Aufsehen erregend in Erinnerung geblieben.

Im Mittelpunkt der üppig-bunten Schau stehen Kreationen aus drei Jahrzehnten. Westwoods Kollektionen orientierten sich an der Mode- und Kostümgeschichte vom Rokoko bis zum Piraten- oder Harlekin-Look. Viele der Kostüme - mal romantisch, mal aristokratisch, mal zerrissen wie beim Rock "Rubbish" - sind in Düsseldorf ausgestellt. Lurex-Stoffe, Taft, Seide, Latex, Leder, Spitze, Filz, Fell und Baumwolle - kein Material, mit dem Westwood nicht gearbeitet hätte.

Nackte Brüste und Hühnerknochen

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Zuerst kam der Punk. Vivienne Westwood erfand den Bondage-Anzug mit Schnallen und Gurten um den Körper. Sie bedruckte T-Shirts mit Anti-Phrasen (“Only Anarchists are Pretty„), mit nackten Brüsten, mit kombinierten Haken- und Christuskreuzen. Sie garnierte die Hemdchen mit aufgenähten Hühnerknochen. Sie schnitt Minikrawatten aus Leder, die mit Reißverschluß zu öffnen waren, so daß ein Pin-up-girl herauslugt.

Später kreierte sie dann gigantische Ballkleider, Korsetts, ein Mini-Kilt von 2002 mit dem Titel "Wild Beauty" und Abend-Roben, die unter der Bezeichnung der Vier-Jahreszeiten durchs Museum zu schweben scheinen. Daneben gibt es Reifröcke, Schafslederjacken in Schlammfarben aus den 80er Jahren und über und über mit Glasperlen bestickte Jacken, in denen schon Top-Model Linda Evangelista oder Schauspielerin Demi Moore glänzten.

Was auch immer sie schuf: "Langeweile war nie das Programm. Miniröcke, Bustiers oder Korsagen brachen die Tradition auf unerhörte und manchmal auch auf hässliche Weise", sagte Museum-Chef Werner Lippert beim Rundgang durch die Schau. Die wurde übrigens vom Victoria & Albert Museum in London konzipiert und ist bis zum 14. Mai in Düsseldorf zu sehen.

Vivienne Westwood — Die Retrospektive
NRW-Forum Kultur und Wirtschaft, Ehrenhof 2, 40479 Düsseldorf
Dienstag bis Sonntag von 11 — 20 Uhr, Freitag bis 24 Uhr
Eintritt: 5,50 Euro (und Ermäßigungen)
Katalog Euro 34,90

(ap)
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