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Vom Düsseldorfer Kaufmann zum Peschmerga-Oberst im Irak

Düsseldorf : Vom Düsseldorfer Kaufmann zum Peschmerga-Oberst im Irak

Drei Monate ist es her, da war Karwan Baban noch Import-Export-Kaufmann in Düsseldorf. Dann setzte er sich in sein Auto und fuhr los in Richtung der Kurdengebiete im Nordirak. In seiner Heimat angekommen, zog er die Uniform der kurdischen Peschmerga-Einheiten an. Und aus "Herrn Baban", dem Import-Export-Manager aus Düsseldorf, wurde "Oberst Baban" mit der Waffe in der Hand.

"Ich habe Deutschland vor drei Monaten verlassen, mein Haus, meine Familie", erzählt Baban und zeigt seinen deutschen Personalausweis. "Ich bin in mein Auto gestiegen und hierher gefahren, um gegen den IS zu kämpfen." Damit ist der seit zehn Jahren in Düsseldorf lebende Kurde kein Einzelfall. Offiziellen EU-Schätzungen zufolge schlossen sich bislang rund 3.000 Europäer den IS-Kämpfern an, die Anfang Juni eine Offensive im Irak starteten und inzwischen mehrere Regionen in dem Land und in Syrien kontrollieren.

Gleichzeitig aber strömten auch dutzende in Europa lebende Kurden in das Gebiet, um sich dem IS entgegenzustellen und ihre "Heimat" zu verteidigen. Für Baban ist es nicht das erste Mal, dass er sich den Peschmerga anschließt - er kämpfte bereits gegen die Truppen des ehemaligen Diktators Saddam Hussein. Nun hat der 49-Jährige erneut zu den Waffen gegriffen, er begreift dies als Selbstverständlichkeit. "In Düsseldorf gibt es viele Kurden - und sie sind alle bereit, hierher zu kommen."

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Baban befehligt im Kampfgebiet 1.500 Peschmerga. Rund 20 von ihnen sind erst kürzlich aus Europa gekommen, sie tauschten ihr modernes Leben in Großstädten wie Berlin oder Rom mit der Front im Nordirak. Einer von ihnen ist der 32-jährige Harem, er kam kurz nach Beginn der IS-Offensive aus Amsterdam. Bei den Kämpfen mit den Dschihadisten ist er bereits verletzt worden, eine tiefe Narbe verläuft über seine Wange.

Auch Harems Bruder Asa lebte bis vor kurzem in den Niederlanden. Er wollte Erzieher werden und war mitten im Studium, als die IS-Offensive im Irak begann. Anfang August traf der 24-Jährige in den Kurdengebieten ein, bis dahin hatte er noch nie eine Waffe in der Hand. Er bekam ein Gewehr und zwei Tage Training, dann ging es an die Front. Und inzwischen ist Asa überzeugt: "Ich werde hier bleiben - und für immer ein Peschmerga bleiben."

Dabei ist sich der 24-Jährige bewusst, dass er vielleicht gegen frühere Freunde kämpfen muss, mit denen er in den Niederlanden Fußball gespielt hat. Er habe erlebt, wie sich einige seiner Kumpels radikalisiert hätten und immer mehr den Ideen des IS verfallen seien, berichtet Asa und spricht von einer regelrechten "Gehirnwäsche".

Inzwischen kämpften die früheren Freunde für den IS - ebenso unerfahren wie er selbst. "Weil ich weiß, was für Leute dort kämpfen, habe ich keine Angst vor ihnen", sagt der 24-Jährige. "Ich bin eigentlich wie sie, nur stehe ich auf der anderen Seite."

(AFP)