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Volkshochschule Düsseldorf: Jugendliche lernen, wie sie Babysitter werden

Volkshochschule Düsseldorf : Jugendliche lernen, wie sie Babysitter werden

An der Volkshochschule Düsseldorf können junge Menschen ab 14 Jahren üben, wie man richtig mit einem Baby umgeht. Die Kurse sind auch für Erwachsene geeignet.

Ganz vorsichtig schiebt Sarah (16) ihre Hände unter die Babypuppe, stabilisiert den Kopf und hebt sie sanft hoch. Die Schülerin nimmt zusammen mit einer Gruppe 14- bis 17-jähriger Mädchen an einem Babysitterkurs an der Volkshochschule teil, an dessen Ende sie ein Zertifikat erhält.

Obwohl sie noch nie ein Baby hochgenommen hat, scheint sie sich gut auszukennen und macht alles richtig. Das liegt wohl auch daran, dass Sarah in den Ferien schon öfter ein freiwilliges Praktikum im Kindergarten gemacht hat. „Dort durfte ich mich immer um die jüngeren Kinder kümmern, das gefällt mir sehr, weil die eine richtige Herausforderung sind“, erzählt sie.

Um ihr Wissen zu erweitern, hat sie sich entschlossen, an dem Kurs der VHS teilzunehmen. „Es gibt einfach Situationen, in denen ich noch nicht weiß, was ich machen soll, wie zum Beispiel bei einem Trotzanfall“, so die 16-Jährige.

Ratschläge für solche Situationen gibt Sozialpädagogin und Kursleiterin Melanie Stumpf, die selber vier Kinder hat. „Die Kleinen wissen selber gar nicht, wieso sie sich in dieser Situation so verhalten. Das ist einfach ein Gefühl. Ihr kennt das bestimmt selber, wenn ihr schlechte Laune habt und nicht wisst warum“, sagt die 42-Jährige. „Reden hilft da nicht. Lasst den Anfall nach Möglichkeit vorbeigehen und zeigt Verständnis.“

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Im theoretischen Teil des Kurses dreht sich alles um die Entwicklung der Kinder. Was können sie in welchem Alter, wie verhalten sie sich und was kann man mit ihnen spielen? Im praktischen Teil lernen die Teilnehmer dann, wie man richtig füttert oder auch die Windeln wechselt. Ein besonders wichtiges Thema ist das Erkennen und Vermeiden von Gefahrensituationen. Dazu gehören auch Anweisungen zur Ersten Hilfe.

Überhaupt wirken die Teilnehmerinnen schon sehr erwachsen. Für die meisten geht es gar nicht darum, sich für einen Babysitter-Job fit zu machen. Sie denken schon an die Zukunft. Sarah möchte beispielsweise die Erzieher-Ausbildung machen und sammelt dafür schon mal möglichst viele Erfahrungen.

Das hört Stumpf sicherlich gerne, denn sie sieht ihren Kurs auch als einen Schritt ins Erwachsenenleben. „Die Kinder lernen hier einen Perspektivwechsel. Sie sollen sich nicht mehr auf der Ebene des Kindes bewegen, sondern aus der Position des Erwachsenen handeln. Dabei machen sie einen Schritt von der Kindheit in die Verantwortung.“

Trotz allem, weiß Stumpf genau, dass sie es hier mit Jugendlichen zu tun hat, und erklärt ihnen auch Dinge, die ihrer eigenen Sicherheit dienen sollen. So rät sie den Schülerinnen, nicht auf Internetplattformen für sich zu werben, sondern lieber Zettel in Kindergärten, Sportvereinen oder Arztpraxen aufzuhängen. Zur ersten persönlichen Kontaktaufnahme mit einer Familie sollten sie lieber jemanden mitnehmen. Hilfreich ist es, den Eltern immer zu sagen, wann man wo arbeitet und sich zwischendurch mal zu melden.

Die Vorteile für Eltern, zertifizierte Babysitter zu engagieren, liegen auf der Hand. Diese wissen, wie sie die Kinder altersgerecht behandeln und beschäftigen. Die Eltern müssen ihnen nicht erst zeigen, wie sie die Kinder wickeln oder füttern müssen. Die Babysitter können Gefahren häufig schon im Voraus erkennen und vermeiden und können im Notfall sicher handeln.

Aber wie können Eltern erkennen, ob sie einen verantwortungsbewussten Babysitter gefunden haben? Ein Zertifikat ist schon mal ein guter Anhaltspunkt. Wichtiger sei aber ein Gespräch mit dem zukünftigen Babysitter, findet Stumpf. Zeigt der Kandidat Interesse am Kind? Stellt er wichtige Fragen wie: Hat das Kind Allergien? Was darf ich und was darf das Kind? Wo befinden sich wichtige Dinge wie das Telefon, Pflaster oder Wechselwäsche?

Auch wenn Eltern häufig im Stress sind, sollten sie sich doch die Zeit für ein gutes Kennenlernen nehmen, dann geht es am Ende auch allen Beteiligten gut.