Sorge vor Protesten in Düsseldorf: Vodafone sagt Campus-Eröffnung ab

Sorge vor Protesten in Düsseldorf : Vodafone sagt Campus-Eröffnung ab

500 Jobs sollen abwandern – der Streit eskaliert. Ministerpräsidentin Kraft hatte schon vorher abgesagt, als Festrednerin zu sprechen.

500 Jobs sollen abwandern — der Streit eskaliert. Ministerpräsidentin Kraft hatte schon vorher abgesagt, als Festrednerin zu sprechen.

Deutschlands zweitgrößter Telefonkonzern, Vodafone Deutschland, kriegt den Streit um den Abbau von 500 Stellen sowie die Gründung einer "Servicegesellschaft" mit niedrigeren Löhnen nicht in den Griff. Die Geschäftsführung sagte am Donnerstag die Feier zur Eröffnung der neuen Konzernzentrale am nächsten Freitag ab, weil sie Demonstrationen am Rande der Veranstaltung und eines gleichzeitigen Mitarbeiterfestes befürchtete.

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) kann nun auf seine Anreise verzichten — in der Einladung war noch betont worden, dass er auch "Vizekanzler" ist. NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) hatte eine Einladung als Rednerin schon vor Wochen abgelehnt.

Sie hatte nach Informationen unserer Zeitung zwar anfangs Interesse signalisiert, zur Eröffnung der riesigen neuen Firmenzentrale mit immerhin rund 5000 Arbeitsplätzen zu kommen. Bereits vor zwei Jahren hatte sie bei einer Veranstaltung des Konzerns gesprochen. Doch angesichts des eskalierenden Streits war für sie die Nicht-Teilnahme wohl die intelligenteste Strategie. "Schweigen zum Jobabbau hätte sie als Sozialdemokratin im Bundestagswahljahr nicht gekonnt", heißt es aus informierten Kreisen, "aber Vodafone offen auf der eigenen Feier zu attackieren, wäre auch schwierig gewesen. Da war die zugesagte Vertretung des Landes durch Bauminister Michael Groschek doch die eleganteste Option."

Dabei hatte sich schon angekündigt, dass es zur Eröffnung des Campus als einem der modernsten neuen Bürogebäude Europas Ärger geben würde. Schon als am 7. Mai der "Vodafone-Innovationspreis" verliehen wurde, hatten einige Dutzend Mitarbeiter am Rande protestiert. Sie wehren sich dagegen, dass rund 500 Techniker-Stellen nach Rumänien verlagert werden, und dass rund 3000 Mitarbeiter in eine neue Service-Firma wechseln sollen. Neue Beschäftigte sollen da als Einstiegsgehalt nur rund 1500 Euro statt der bisherigen 2500 Euro erhalten.

Die große Frage ist nun, ob es zu Streiks kommen wird. Um dagegen zu halten, lädt Jens Schulte-Bockum, der seit September amtierende neue Vorsitzende der Geschäftsführung, an allen Standorten zu Mitarbeitertreffen ein — am Donnerstag beispielsweise in Düsseldorf.

Wie verfahren die Lage ist, zeigen interne Mails. Danach hatte die Geschäftsführung den Betriebsrat der Düsseldorfer Zentrale aufgefordert zu klären, ob er eine "plangemäße und ungestörte Durchführung" des Festes unterstützt — also Proteste ablehnt. Das ging schief. Der Konzernbetriebsrat droht in einer Rund-Mail nun indirekt mit Arbeitskampf: "Wie uns die IG Metall berichtet, sind die Mitgliederzahlen mittlerweile auf einem Niveau, bei dem wir auch härtere Auseinandersetzungen nicht fürchten müssen."

(RP/anch/das/top)
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