Eltern verurteilt: Vier Wochen altes Baby starb nach Schlägen

Eltern verurteilt : Vier Wochen altes Baby starb nach Schlägen

Düsseldorf (dto). Das Düsseldorfer Landgericht hat ein Elternpaar zu Haftstrafen von 28 und 32 Monaten verurteilt, weil es seine vier Wochen alte Tochter misshandelt und dann tatenlos über fünf Tage hinweg seinem Sterben zugesehen hatte. Die beiden 20 und 22 Jahre alten Angeklagten hätten sich der Misshandlung von Schutzbefohlenen schuldig gemacht, sagte der Vorsitzende Richter Werner Arendes bei der Urteilsverkündung am Dienstag.

Vom Vorwurf der Körperverletzung mit Todesfolge sprach das Gericht die beiden dagegen frei, da nicht mit Sicherheit festgestellt werden konnte, wer von ihnen dem Kind den Schädel zertrümmerte. Mutter und Vater hatten sich vor Gericht gegenseitig beschuldigt. "Dieses Urteil wird der Sache nicht gerecht. Wir wissen, einer von beiden hat seine Tochter geschlagen und gewürgt und ihr die todbringenden Verletzungen beigebracht. Aber wir wissen nicht wer", sagte Richter Arendes in seiner mehrstündigen Urteilsbegründung.

Während sich die junge Frau noch vor der Polizei, dem Haftrichter und den Gutachtern selbst als Täterin bezeichnet hatte, hatte sie zum Auftakt des Prozesses Ende Oktober ihr Geständnis widerrufen. Im Gerichtssaal hatte sie den mitangeklagten Vater des Kindes beschuldigt, die kleine Jill am 21. Februar in der gemeinsamen Wohnung in Neuss geschlagen und gewürgt zu haben. Der junge Mann, mehrfach wegen Schlägereien und Sachbeschädigungen vorbestraft, hatte eine Beteiligung an der Tat jedoch bestritten.

"Ich glaube mein Kind ist tot"

Fest steht nach acht Verhandlungstagen nur, dass das kleine Mädchen unsägliche Qualen erleiden musste. Auslöser für die laut Gericht "ganz schlimmen tätlichen Übergriffe" war vermutlich ein Streit darüber, wer die Wohnung putzen sollte. Als Jill dann geschrien habe, sei das Kind entweder von der Mutter oder dem Vater brutal auf den Kopf, die Augen, die Nase und die Schultern geschlagen und auch noch gewürgt worden.

Danach blutete das Baby, schielte zeitweilig und wurde von Krämpfen geschüttelt. Der kleine Körper sei kalt und schließlich blau geworden, führte der Vorsitzende Richter aus. All das hätten die beiden Angeklagten fünf Tage lang mit angesehen, ohne einen Arzt zu holen. Als der Angeklagte schließlich doch noch den Notarzt rief, habe die Mutter diesen mit den Worten empfangen: "Ich glaube, mein Kind ist tot."

Die kleine Jill konnte im Krankenhaus zwar noch reanimiert werden, erlag aber am 3. März ihren Verletzungen. Die Ärzte hatten unter anderem einen Schlüsselbeinbruch und einen mehrere Zentimeter langen Schädelbruch festgestellt. "Es spricht alles dafür, dass das Kind auch gestorben wäre, wenn früher ein Arzt angerufen worden wäre. Ihm wären dann aber die schrecklichen Leiden über fünf Tage hinweg erspart geblieben", erklärte Arendes.

Beide Angeklagten stammen selber aus problematischen Elternhäusern. Gutachter bescheinigten ihnen, schnell die Kontrolle über ihr Handeln zu verlieren. Die junge Frau bezeichnete sich im Verlauf des Prozesses selbst als "Schlägerweib". Der junge Mann, von dem sie im April 2002 im Alter von 16 Jahren einen Sohn bekam, neigt nach Ansicht des Gerichts zu Gewalthandlungen.

Der gemeinsame Sohn wurde nach der Tat im Februar in eine Pflegefamilie gegeben. Die niedrigere Strafe für die Mutter ist darauf zurück zu führen, dass die junge Frau noch nach dem Jugendstrafrecht verurteilt wurde.

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