Dennis Klusmeier: "Viele Taxifahrer am Existenzminimum"

Dennis Klusmeier : "Viele Taxifahrer am Existenzminimum"

Der Vorsitzende der Taxi-Genossenschaft kennt die Umstände, unter denen viele seiner Kollegen arbeiten und weiß auch, dass es in Düsseldorf viel zu viele Droschken gibt. Am liebsten würde er die Zahl um 400 reduzieren.

Herr Klusmeier, am Donnerstag stehen im Stadtrat höhere Taxipreise zum Beschluss an. So wird der gefahrene Kilometer zehn Cent teurer. Dennoch wird auch jetzt wieder darüber diskutiert, dass das Geld vorne und hinten nicht reicht.

Klusmeier Natürlich gibt es Unternehmen, denen es besser, und solche, denen es schlechter geht. Tatsache ist aber, dass viele Betriebe am Rande des Existenzminimums arbeiten. Wir sind froh, dass die Stadt das erkannt hat und mit uns dafür sorgen will, dass die Zahl der Taxi-Lizenzen verringert wird.

Das hat sie ja seit zehn Jahren vor, bislang ohne Erfolg. Jetzt soll dies über die Prüfung der Steuerehrlichkeit laufen. Wer seine Steuern und Abgaben nicht korrekt abführt, wird aussortiert. Das schlägt ein Gutachten des Büros Linne + Krause vor, das im Verkehrsausschuss vorgestellt wurde und den Anteil der fragwürdigen Lizenzinhaber auf 26 Prozent beziffert. Ein nicht eben appetitlicher Vorschlag.

Klusmeier Wie sollte man es sonst schaffen? Mir fällt nichts Besseres ein und wir begrüßen es, dass Verkehrsdezernent Keller eine Umsetzung prüft. Der Gutachter - übrigens ein renommierter Mann, ich habe an der Untersuchung nichts auszusetzen - hat ausgeführt, dass in Hamburg auf diese Weise die Zahl der Taxen um 900 reduziert wurde. In Düsseldorf haben wir 1311 Fahrzeuge, der Gutachter schlägt eine Verringerung um 240 Taxis vor.

Er spricht aber auch davon, dass 900 bis 1000 Taxen in einer Stadt wie Düsseldorf ausreichen müssten. Also müsste man um bis zu 400 Fahrzeuge reduzieren.

Klusmeier Da haben Sie Recht. Wir sind jedoch froh, wenn wir zunächst einmal die 240 schaffen.

Wieso gibt es eigentlich zu viele Taxilizenzen?

Klusmeier Bis 2001 sind mehrfach Dutzende neue Lizenzen ausgegeben worden. Man hatte wohl juristische Bedenken, den Bewerbern pauschal abzusagen. Dies hatte schließlich ein Überangebot zur Folge. Heute sind wir nur an 60 Tagen im Jahr, vor allem zu Karneval und bei Spitzenmessen, wirklich ausgelastet. Das führt dazu, dass Taxifahrer oft nur fünf bis sechs Euro in der Stunde verdienen und auf ein Trinkgeld wirklich angewiesen sind.

Wir haben nicht umsonst eine Diskussion um den Mindestlohn. Viele Unternehmer schaffen es nicht, sich eine Altersversorgung aufzubauen. Rund ein Drittel zahlt nichts ein, ein weiteres Drittel nur bis zu 300 Euro. Es kann nicht sein, dass eine Dienstleistung wie Taxifahren zur Selbstausbeutung und direkt in die Armutsfalle führt. Die Leute sterben auf dem Taxi.

Es stehen jedoch nicht alle schlecht da.

Klusmeier Wer über die Runden kommen will, muss bis zu 80 Stunden wöchentlich fahren. Am besten freitags und samstags von 18 bis sechs Uhr fahren und an den übrigen Tagen morgens und nachmittags bis abends - für Sozialkontakte ist das bei konsequenter Anwendung eine Gefährdung. Aber selbst wenn man dies tut, reicht der Kuchen in Düsseldorf nicht für alle 4000 Fahrer. Parallel baut die Rheinbahn ihr Angebot aus, beispielsweise mit dem Nachtexpress. Das war sonst unser Geschäft. Sobald die geplante U 81 Messe und Flughafen verbindet, dürfte sich die Situation für uns noch mehr zuspitzen.

Andererseits: Wenn Sie die Zahl der Taxis drastisch reduzieren, gibt es bei Großmessen Engpässe. Daran kann die Dienstleistungsstadt Düsseldorf kein Interesse haben.

Klusmeier Das mag sein. In solchen Situationen muss man sich dann leider einmal auf Wartezeiten einstellen.

Messe-Chef Werner Dornscheidt hat jüngst Ihre Zunft erneut kritisiert. Unter anderem nannte er einen Fall, bei dem ein Kunde ins Hilton wollte und in Hilden landete.

Klusmeier Mit mir hat er über diesen Fall leider nicht gesprochen. Ich kenne ihn nämlich gut, weil ich die Beschwerde mit bearbeitet habe. Wir konnten den Fahrer nicht bestrafen, denn der Grund für die Verwechslung war nachvollziehbar: Der Kunde war Sachse und hat den Namen Hilton so ausgesprochen, dass es sich anhörte wie Hilden. Hätte er das Wort Hotel benutzt oder noch besser Georg-Glock-Straße, wäre er gleich bei der richtigen Adresse gelandet.

Wollen Sie den Mann nicht auch in Schutz nehmen?

Klusmeier Darum geht es nicht. Wir bekommen — und dies bei mehreren Millionen Fahrten — im Jahr 1000 schriftliche Beschwerden und gehen hart gegen Verstöße wie das Fahren von Umwegen oder grobe Unhöflichkeit vor. Unser Bußgeldkatalog reicht bis 1000 Euro. Wir ziehen im Jahr 15 bis 20 Gestattungsausweise ein, dann dürfen die Betreffenden die Einrichtungen der Taxi-Zentrale wie Funk und Funksäule nicht mehr nutzen. Allerdings können wir nicht verhindern, dass sie noch einen Taxistand anfahren.

Der Gutachter bemängelt auch die alte Flotte, die Autos seien anderswo im Schnitt drei bis vier Jahre unterwegs, in Düsseldorf 5,2 Jahre. Er spricht sogar von einer Gefährdung der Funktionsfähigkeit.

Klusmeier Das halte ich für übertrieben. Es kommt immer drauf an, wie ein Fahrzeug gepflegt wird. Dass ein Mercedes-Diesel mit 100 000 Kilometer Fahrleistung erworben wird und eine halbe Million Kilometer fährt, kommt immer wieder vor - diese Fälle gehen quer durch die Kollegenschaft. Ich halte unter dem Strich den Zustand von 50 bis 80 Taxis für problematisch.

Leiden bei so viel Druck nicht Qualität und Service?

Klusmeier Das Gegenteil ist der Fall. Wir wollen Taxifahrer mit einem guten Umgangston und einem sauberen Auto, das in Schuss gehalten wird. Daran arbeiten wir. Sie können sich ohne Aufpreis bei uns ein Servicetaxi bestellen, wo Ihnen der Koffer an der Tür abgenommen wird. Wir lassen auch nicht alle Betriebe an den Flughafen, die Standards haben wir mit dem Flughafen vor zwei Jahren festgelegt.

UWE-JENS RUHNAU STELLTE DIE FRAGEN

(RP)
Mehr von RP ONLINE