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Zahl der Betten steigt: Viele Hotels, wenige Wohnungen

Zahl der Betten steigt : Viele Hotels, wenige Wohnungen

Noch ist die Lage nicht dramatisch – aber Düsseldorf droht ein Engpass bei Wohnungen. Vor allem preiswerte Unterkünfte fehlen. Es wird zu wenig gebaut. Ganz anders bei den Hotels: Die Zahl der Betten hat sich seit 2000 von 15 000 auf 23 000 erhöht.

Noch ist die Lage nicht dramatisch — aber Düsseldorf droht ein Engpass bei Wohnungen. Vor allem preiswerte Unterkünfte fehlen. Es wird zu wenig gebaut. Ganz anders bei den Hotels: Die Zahl der Betten hat sich seit 2000 von 15 000 auf 23 000 erhöht.

Man kann die Lage bald als paradox bezeichnen und verkürzt so beschreiben: Düsseldorf hat so viele Hotelzimmer wie noch nie, aber viele Hundert Familien "an der unteren Einkommensgrenze" (Behörden-Jargon) werden keine Bleibe finden, die sie bezahlen können. Es ist auch keine Frage mehr, ob es so weit kommt, sondern nur, wann diese Situation problematisch wird. Eingetreten ist sie längst.

Den Verantwortlichen im Rathaus ist diese Lage seit langem bekannt. Und man denkt auch über verschiedene Möglichkeiten nach, wie man gegensteuern könnte. Dazu gehören nicht nur die forcierte Fertigstellung bereits geplanter oder im Bau befindlicher Wohnsiedlungen. Die meisten dieser zur Zeit wachsenden Siedlungen (egal, ob citynah auf dem Gelände des früheren Derendorfer Bahnhofs, der Reitzensteinkaserne oder in Himmelgeist) sind wegen der hohen Grundstückspreise in einer oberen Preisklasse angesiedelt. Inzwischen blicken die Fachleute der Stadt auch auf potenziell zu nutzende Hinterhöfe und Innen-Carrées, Hunderte leerstehende Büroobjekte werden auf ihre Tauglichkeit geprüft, in Wohnraum umgewandelt zu werden.

Die Zahlen sprechen für sich und mahnen zur Eile: 2009 beispielsweise wurden gerade mal 650 Wohneinheiten gebaut, für 2010 sind immerhin rund 1000 genehmigt worden. Aber allein das Amt für Wohnungswesen registriert in Düsseldorf ca. 5000 Wohnungssuchende — und knapp 90 Prozent von denen haben ein so geringes Einkommen, dass sie auf Sozialwohnungen mit Hilfe aus der öffentlichen Kasse angewiesen sind. Deren Zahl aber ist seit Jahren rückläufig 23 000 sind es derzeit (vor zehn Jahren war es 12 500 mehr), und die Zahl sinkt weiter. Innerhalb der nächsten zehn Jahre werden 5800 dieser Einheiten aus der Mietpreis- und Belegungsbindungen fallen — das heißt: teurer werden.

Folgerichtig verkündete der Ring Deutscher Makler daher in dieser Woche: Düsseldorf braucht dringend mehr Wohnungsbau, die Mieten steigen drastisch an. Aber erst langsam entdecken Investoren das Thema Wohnungsbau für sich.

Anders bei den Hotels: Die Zahl der Betten geht sprunghaft hoch, und noch ist das Ende der Fahnenstange nicht erreicht, einige Häuser sind noch im Bau oder werden geplant. Bereits hier arbeitende Hoteliers warnen natürlich vor einem Überangebot, aber externe Fachleute halten den Markt nach wie vor für interessant. Jedenfalls wird weiter gebaut.

Hotelfachmann Christian Schollen hält den Standort Düsseldorf daher auch für nach wie vor sehr attraktiv, wie er jetzt in einer Analyse in der Immobilienzeitung schrieb. Immerhin sind die Übernachtungszahlen von 2,42 in 2000 auf 3,22 in 2009 angestiegen. Eine Steigerung um 33 Prozent, während der bundesweite Durchschnitt bei gerade mal sechs Prozent liegt. 40 Prozent der Gäste sind aus dem Ausland, ein Wert, den sonst nur noch Frankfurt und München erreichen.

Für die nächsten Jahre hält der Fachmann die Aussichten für unverändert gut: Es stehen starke Messejahre im Kalender, vor allem 2012 und ganz besonders 2016 werden allein zu den großen Messen mehrere Hunderttausend Besucher kommen.

Und auch ein Lob fürs Rathaus kommt aus der Branche. Anders als Köln hat Düsseldorf sich gegen eine Bettensteuer entschieden. Das werde den hiesigen Betrieben klare Vorteile verschaffen, heißt es. Düsseldorf konnte leicht nein sagen: Eine Bettensteuer hat die finanziell gesunde Stadt nicht nötig.

(RP)