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Urteil aus dem 18. Jahrhundert: Viele fordern: Hexen rehabilitieren

Urteil aus dem 18. Jahrhundert : Viele fordern: Hexen rehabilitieren

Der Druck auf Rathaus und Teile der Politik wächst: Der Stadtrat soll ein klares Bekenntnis formulieren, dass zwei im 18. Jahrhundert zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilten Frauen großes Leid und Unrecht zugefügt worden sind. Eine formaljuristische Debatte werde den Opfern nicht gerecht.

Die Diskussion um die mögliche Rehabilitierung zweier im 18. Jahrhundert als Hexen verbrannter Frauen schlägt hohe Wellen. SPD, FDP und Privatleute werfen der Stadtverwaltung mangelndes Fingerspitzengefühl im Umgang mit dieser Frage vor. Sie erwarten ein klares Bekenntnis des Stadtrates, dass den beiden Opfern großes Leid und nach heutiger Sicht, Unrecht zugefügt wurde. Das sei aus moralisch-ethischer Sicht zwingend erforderlich, sagt Ursula Holtmann-Schnieder (SPD). Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) sagt, eine ausschließlich juristische Sicht auf die Rehabilitierungs-Frage werde dem Schicksal der beiden Frauen nicht gerecht. Im Zentrum der Kritik: Die CDU — sie sieht laut bisheriger Stellungnahmen weder Notwendigkeit noch Möglichkeit, die verurteilten Frauen zu rehabilitieren. Sie stützt sich unter anderem auf Kulturdezernent Hans-Georg Lohe (CDU). Nach Rücksprache mit den Stadtarchivaren rät er den Politikern davon ab, die beiden Frauen zu rehabilitieren. Dies würde bedeuten, ein Urteil aufzuheben, das "nach langer Beweisaufnahme vom damaligen landesherrlichen bergischen Schöffengericht" gefällt worden war. Dies geht aus einer Stellungnahme hervor, die dem Anregungs- und Beschwerdeausschuss in seiner Sitzung in der kommenden Woche vorliegt.

Das Gremium muss über das Thema beraten, weil der historisch interessierte Andreas Vogt einen Bürgerantrag gestellt hat: Er hält die zum Tode auf dem Scheiterhaufen "zu Unrecht" verurteilten Frauen aus Gerresheim für unschuldig und hält eine entsprechende Erklärung des Rats für angemessen. "Natürlich können die Politiker ein Urteil aus früherer Zeit nicht aufheben. Es geht auch nicht um ein Schuldanerkenntnis."

Unterstützung erhält Vogt aus einer Ecke, aus der er sie nicht ohne Weiteres erwartet hätte: Karnevalswagen-Bauer Jacques Tilly sagte, es wäre ein Skandal, wenn der Rat die Frauen nicht rehabilitieren würde. Dadurch würde ein Justizmord nachträglich noch legitimiert. Der emeritierte Literaturprofessor Wilhelm Gössmann fordert, dass die Gerresheimer Hexenprozesse aufgearbeitet werden müssten. Die ganze Abscheulichkeit dieser Hexjagden auf Andersartige habe er schon vor 20 Jahren in seinem Roman "Umbau — Land und Leute" beschrieben.

Es zeuge von mangelndem Verantwortungs- und Geschichtsbewusstsein, wie Rathaus und Teile der Politik mit dem Bürgerantrag umgingen. Für unwürdig hält es Bürgermeisterin Marie-Agnes Strack-Zimmermann, wenn der Stadtrat sich nicht über eine gemeinsame Formel verständigen würde. Es wäre schlimm, wenn es dazu käme, dass ein zweites Mal über die Frauen geurteilt werden würde. Die FDP-Politikerin erinnerte im Gespräch mit der RP daran, dass sich die Bezirkspolitiker in Gerresheim bereits dafür ausgesprochen hätten, zwei Straßen nach Helena Curtens und Agnes Olmans zu benennen. Ein geeigneter Ort werde gesucht. "Eine Beschäftigung durch den Rat hat natürlich ein anderes Gewicht", sagte sie.