Konzert in Düsseldorf: Viele Eltern hoffen vergeblich auf Tickets für Tonhallen-Konzerte

Konzert in Düsseldorf : Viele Eltern hoffen vergeblich auf Tickets für Tonhallen-Konzerte

Die Kinderkonzerte sind stets nach wenigen Stunden ausverkauft. Der Tonhallen-Intendant weiß das, sieht aber derzeit keinen Weg, wie das Konzerthaus noch mehr anbieten kann.

Ende des Monats gehört die Tonhalle wieder für eine Woche den Kindern: Die Null- und Einjährigen erleben „Zappelmänner“ im Hentrich-Saal, für die Zwei- und Dreijährigen gibt es Musikgeschichten von „Mücke und Elefant“, ebenfalls in dem kleinen Saal mit Blick zum Rhein. Die Vier- und Fünfjährigen sehen und hören Musik und Tanz unter dem Titel „Vier gewinnt“ in der Rotunde im Eingangsbereich.

Es ist die letzte von drei Familienwochen in diesem Jahr – und sie hat etwas gemein mit den anderen der letzten Jahre: Die Eintrittskarten sind weg. Ende August hatte der Vorverkauf gestartet. Wenige Stunden später waren wie üblich alle Tickets vergriffen.

Um die Karten für die Vorschulkinder-Konzerte gibt es einen harten Wettbewerb unter Eltern: Vor dem Verkaufsstart um 10 Uhr bilden sich lange Schlangen an der Tonhalle, die noch länger werden, weil viele Interessenten mit Kinderwagen gekommen sind. Um Punkt 12 Uhr, wenn der Vorverkauf im Internet startet, schlagen die Besucher von zu Hause zu – viele hatten sich den Tag schon lange rot im Kalender markiert.

Tonhallen-Intendant Michael Becker weiß das, und er kennt auch die Enttäuschung von jenen, die keine Karten mehr bekommen haben – auch Nachbarn haben ihn schon angesprochen. „Ich wüsste aber leider nicht, wie wir noch mehr Kinderkonzerte anbieten könnten“, sagt Becker. „Wenn wir jetzt noch mehr Kinderprogramm machen wollen, müssten wir die Ausrichtung des Hauses ändern und andere Programme streichen.“ Mehr sei mit den vorhandenen Ressourcen nicht zu stemmen, sagt Becker. Dazu müsse das Programm eine Balance mit den Angeboten für Erwachsene finden.

Becker hat die Kinder-Reihen erfunden. Der erzählt, dass er 2007 mit zwei seiner vier Kinder eines der Familienkonzerte besuchte, die damals das Jugendangebot des Konzerthauses waren – und sich über die Unruhe im Publikum wunderte. Viele Kinder konnten oder wollten dem Geschehen nicht folgen. Mit Konzertpädagogin Ariane Stern entstand die Überlegung, nicht nur einfach „Kinderkonzerte“ anzubieten – sondern sie genau auf dem Entwicklungsstand von Kindern anzupassen. So entstanden die Reihen für verschiedene Altersstufen – vom Schwangeren-Konzert mit dem Titel „Ultraschall“ – bis zu den Jugendkonzerten unter dem Titel „Ignition“.

Die Konzerte für Kleinkinder finden bewusst in einem kleineren Rahmen statt, da das den Bedürfnissen der Kinder entspricht. Auch deshalb ist die Nachfrage höher als das Angebot. Aus praktischen Gründen werden die Konzerte auf die drei Familienwochen gelegt, das erspart Umbauten. Dass das Konzept funktioniert, zeigt der Andrang: Auch ganz kleine Zuhörer lauschen fasziniert der Musik, wenn die Musiker wissen, wie Kinder in der Altersstufe wahrnehmen.

Becker widerspricht dem Eindruck mancher Eltern, dass die Tonhalle zu wenig Kinderkonzerte anbiete. Das Haus lege im Gegenteil einen Schwerpunkt auf Jugendarbeit. „Andere Konzerthäuser bieten nicht annähernd ein so großes Kinderprogramm“, sagt der Intendant. In den drei Familienwochen gibt es 84 Konzerte, daneben 16 weitere Jugendkonzerte über das Jahr. Dazu kommt das Jugendsymphonieorchester.

30.000 Kinder besuchen laut Becker pro Jahr die Tonhalle, eine halbe Million Euro investiert das Haus in das Jugendprogramm. Nicht alle Konzerte sind so chronisch ausverkauft: Für die Familienkonzerte im großen Saal etwa gibt es in der Regel ausreichend Karten.

Die Kinder dürfen wie bei diesem „Himmelblau“-Konzert manchmal auch die Instrumente ausprobieren. Foto: Susanne Diesner, Tonhalle/Susanne Diesner - Photography fo

Wie kommt man denn nun an Tickets für die begehrten Familienwochen? Becker zufolge gibt es keine Tricks und doppelte Böden: Wer zuerst kommt, kann zuschlagen. Ein guter Tipp: Die Tonhalle bietet einen Newsletter für Jugendkonzerte. Dort werden die Termine für den Vorverkaufsstart veröffentlicht.

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