Düsseldorf: Viele Barrieren bei neuen Zügen der S8 für Senioren und Behinderte

Düsseldorf: Viele Barrieren bei neuen Zügen der S8 für Senioren und Behinderte

Mit Tamtam wurden die 28 Züge vorgestellt, die seit Sonntag auf der S-Bahn-Linie 8 verkehren: neue Antriebstechnik, Toiletten als Novum und ausfahrbare Schiebetritte. Doch nicht einfacher, sondern schwieriger wird das Ein- und Aussteigen für viele.

Denn während die Düsseldorfer Bahnsteige 96 Zentimeter hoch sind, liegt die Einstiegshöhe der neuen Züge bei 76 Zentimetern. 20 Zentimeter, die viel ausmachen: "Das ist eine echte Barriere. Mit einem Rollator oder Rollstuhl ist sie nicht zu überwinden", sagt Hans-Werner Meier vom Düsseldorfer Seniorenbeirat.

Wer die Stufe nicht alleine überwinden kann, dem bleibt nur eines: In der Mitte des Zuges befindet sich neben einer der Türen ein Knopf mit Rollstuhl-Symbol. Damit wird der Fahrer gerufen, der eine Rampe bedient, mit der die Höhenunterschiede ausgeglichen werden. "Das ist nicht praktikabel", sagte Christiane Andrée vom Verein behinderter und chronisch kranker Menschen. Eine Rampe pro Zug reiche nicht aus, denn es sei schwierig, die richtige Tür auf die Schnelle zu finden. Außerdem habe die Erfahrung gezeigt, dass das Hantieren mit der Rampe den Betriebsablauf störe.

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Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) hält die Rampe für ausreichend. "Für alle Personen ist es möglich, barrierefrei einzusteigen", sagt eine Sprecherin. Die Umstellung auf die niedrigere Einstiegshöhe erklärt sie mit dem vielfach geäußerten Wunsch, die neuen Züge mit Toiletten auszustatten. Sanitäranlagen würden aber nur in niederflurigen Modellen mit 76 Zentimeter Fußbodenhöhe angeboten. Diese Höhe habe sich als Norm im Nahverkehr durchgesetzt.

Die 38 Haltestellen der S 8 sind uneinheitlich: Über die Hälfte hat 76 Zentimeter hohe Bahnsteige - dort ist das Ein- und Aussteigen leichter geworden -, die übrigen, darunter alle Stationen von Neuss Am Kaiser bis nach Gruiten, 96 Zentimeter. Daher sei das langfristige Ziel, alle Bahngleise auf die gleiche Höhe zu bringen. Der VRR verhandele mit Bahn AG, Land und Kommunen. Allerdings werde der Rückbau mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Seniorenbeirat Meier fordert, bis dahin die Lage der Rampen auf dem Bahnsteig zu markieren.

(RP)
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