Düsseldorf: Viel zu schade für die Tonne

Düsseldorf: Viel zu schade für die Tonne

In Flingern gibt es das erste Düsseldorfer Geschäft für "Upcycling"-Produkte mit Handtaschen aus Feuerwehrschläuchen und Innenfutter aus Fallschirmseide oder Sonnenbrillen aus Skateboards.

Reif für den Müll: kaputte Fußbälle, zerschrammte Skateboards, ausgediente Feuerwehrschläuche und vor allem die Metall-Laschen von Getränkedosen. Ausgetrunken, ausgemustert, überflüssig. Tatsächlich? Oder genau richtig, um einen neuen Trend mit Leben zu füllen? Wer in Flingern "Plup" betritt, erlebt ein Geschäft mit einzigartigem Sortiment: Denn in den Regalen liegen lauter Verwandlungskünstler. Alles Abfall, der durch pfiffige Ideen und geschickte Hände in neue Produkte verwandelt wurde.

"Für Individualisten und Weltretter" empfiehlt sich "Plup" als neue Adresse. Vor allem aber für Menschen, die angesichts von Überfluss und Verschwendung wachsendes Unbehagen empfinden. "Warum wird eigentlich vieles so schnell weggeworfen? Warum kaufen wir nicht Dinge, die schön und beständig sind?" Die Antworten lenkten Annekathrin und Frank Metzler auf einen neuen Berufsweg: Die Modedesignerin und der Grafikdesigner gründeten vor zwei Jahren das erste "Upcycling"-Geschäft Düsseldorfs.

Aus Alt mach Neu, die Idee ist von Recycling-Produkten bekannt. Allerdings werden dabei die alten Sachen häufig geschreddert oder geschmolzen, oft mit erheblichem Energie-Aufwand. "Beim 'Upcycling'-Prozess aber bleibt das ursprüngliche Material ohne Veränderung erhalten und wird durch eine neue Form aufgewertet", erläutert Frank Metzler. Und so bekommen englische Feuerwehrschläuche, teils noch mit Aufdruck und allemal mit Gebrauchsspuren, eine Zukunft als Handtaschen mit einem Innenfutter aus alter Fallschirmseide. Und ein kaputtes Skateboard hat sich in eine originelle Garderobe verwandelt. Oder in feine Sonnenbrillen-Gestelle - jedes Stück ein Unikat.

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Viele junge Designer liefern "Plup" ihre Produkte, weil sie sich eigene Läden nicht leisten können. Ein Künstler aus Flingern ist leeren Fünf-Liter-Bierfässchen mit dem Schweißbrenner nahe gerückt: Nun sind die Tönnchen Windlichter oder Lampenschirme - Kunstwerke aus Schrott. Alte Fahrradschläuche verwandelten sich in filigranen Schmuck. Die Deckel von Ölfässern wurden, teils mit der abgeplatzten Farbe, zu dekorativen Schalen, ausrangierte Rettungswesten zu Einkaufsbeuteln. Und aus den Porzellanscherben von Omas Sammeltassen wurden zarte Ohrstecker, auf denen sich Reste der alten Muster noch erkennen lassen.

Die "Plup"-Inhaber bieten auch Kleidung mit speziellem Innenleben: Jeans aus Bio-Baumwolle, die die Kunden irgendwann zurückgeben können, dann wird das Material noch mal zu Pullovern verarbeitet. Oder Herrenhemden, die aus Stoffmustern in einer Berliner Behindertenwerkstatt genäht wurden. Die Kragen, die immer als erstes verschleißen, sind austauschbar. Annekathrin Metzler hat sich außerdem darauf spezialisiert, aus alten Herrenhemden neue Kinderkleider zu nähen. Ihr Markenzeichen: Die Knopfleiste bleibt dabei unverändert. "Manchmal bringen mir junge Frauen das Brautkleid ihrer Mutter, und ich mache daraus ein neues Hochzeitskleid für sie." Während sie davon berichtet, greift sie instinktiv an ihre Halskette, ihr Lieblingsstück aus dem Sortiment: Eine brasilianische Frauenkooperative hat dieses Schmuckstück, aber auch silbern schimmernde Abendtaschen, geschaffen - aus den Metall-Laschen von Getränkedosen: Mode aus Müll.

(RP)