Düsseldorf: Verwenden statt Verschwenden

Düsseldorf : Verwenden statt Verschwenden

Mehr als 400 Foodsaver sind in der Düsseldorfer Food-Sharing Initiative aktiv. So konnten im letzten Jahr 160 Tonnen Lebensmittel gerettet werden.

Was macht eine Bäckerei mit 1000 übrig gebliebenen Baguettes? Ab in die Mülltonne? Für Justin Knigge und die Düsseldorfer Foodsharing-Initiative ist das keine Option. Mit sogenannten Food-Fair-Teilern an sechs verschiedenen Standorten, über 40 Kooperationsbetrieben und einem ausgeklüngelten System sorgen Knigge und seine Mitstreiter dafür, dass täglich hunderte Kilo Lebensmittel vor dem Weg in die Tonne bewahrt werden. Im Dezember wurde der Initiative für dieses Engagement der städtische Umweltpreis verliehen.

Die Idee Entstanden ist die deutschlandweite Food-Sharing-Initiative 2012 durch ein Crowdfunding-Projekt während der Dreharbeiten für den Dokumentarfilm "Taste the Waste". In Düsseldorf gibt es seit 2014 eine Ortsgruppe, in der über 400 Freiwillige helfen, Lebensmittel zu retten.

"Wir sind keine Tafel, die Bedürftigen hilft, sondern wir wollen Lebensmittel vor der Tonne retten", stellt Knigge klar. Das Ziel - Verwenden statt Verschwenden - gelte vom Bedürftigen bis zum Millionär, daher könne auch jeder Teil der Initiative werden. "Es geht uns um den verantwortungsbewussten Umgang mit den Lebensmitteln." Insgesamt konnte die Initiative im vergangenen Jahr allein in Düsseldorf rund 160 Tonnen Lebensmittel retten, die andernfalls weggeworfen wären. Um selbst Teil der Initiative zu werden, sind weder eine kostenpflichtige Mitgliedschaft noch feste Verpflichtungen nötig.

Die Fair-Teiler Die einfachste Möglichkeit, Lebensmittelretter zu werden, sind die sogenannten Food-Fair-Teiler. An sechs Standorten im ganzen Stadtgebiet gibt es die Fair-Teiler, die meist aus einem Kühlschrank und mehreren Kisten bestehen. "Dort können Düsseldorfer Lebensmittel abholen, aber auch ihre eigenen hinbringen", sagt Knigge. Fair-Teiler seien als öffentliche Orte von Bürgern für Bürger gedacht und würden daher nicht von den Ehrenamtlichen beliefert, sondern lediglich instandgehalten. Dabei kann man sich engagieren,

Die Foodsharer Eine zweite Option, selbst aktiv zu werden, ist die kostenfreie Anmeldung als Foodsharer auf der Website der Initiative. Foodsharer kann jeder werden, der Lebensmittel abzugeben hat - zum Beispiel, wenn man vor einer langen Reise einen noch vollen Kühlschrank hat. "Auf der Website erstellt man dann einen virtuellen Essenskorb mit Foto und Beschreibung", erklärt Knigge das Prinzip des Foodsharings. Für alle anderen Foodsharer gibt es dann eine digitale Stadtkarte, auf der eingesehen werden kann, wo und welche Essenskörbe angeboten werden.

Die Foodsaver "Wir retten nichts, was vergammelt ist, sondern Lebensmittel, die optische Makel haben oder knapp über dem Mindesthaltbarkeitsdatum sind", so Knigge. Über 40 Betriebe im gesamten Stadtgebiet sind Kooperationspartner der Initiative. "Unsere Partner reichen von Döner-Imbissen über Bäckereien und Restaurant bis zu Firmen mit großer Mensa", erklärt Knigge.

Nach der Abholung bei den Betrieben verteilen die sogenannten Foodsaver die Lebensmittel untereinander oder geben sie an soziale Einrichtungen weiter. Oftmals erhalten die Lebensmittelretter auch Notrufe aus Betrieben, die zu viel produziert haben. "Wenn dann ein Notruf vom Bäcker kommt, dass 1000 Baguettes oder 200 Liter Milch übrig sind, ist das schon eine große Herausforderung", sagt Knigge lachend.

(RP)
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