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Flughafen: Verspätet in den Urlaub

Flughafen : Verspätet in den Urlaub

In den ersten fünf Monaten des Jahres verbuchte der Düsseldorfer Flughafen im Schnitt sechs Minuten Verspätung pro Flug – mehr als jeder andere Airport in Deutschland. Die Deutsche Flugsicherung warnt, dass dies auch in den Sommerferien so bleiben kann.

In den ersten fünf Monaten des Jahres verbuchte der Düsseldorfer Flughafen im Schnitt sechs Minuten Verspätung pro Flug — mehr als jeder andere Airport in Deutschland. Die Deutsche Flugsicherung warnt, dass dies auch in den Sommerferien so bleiben kann.

Die Probleme des Düsseldorfer Flughafens beginnen 200 Kilometer Luftlinie davon entfernt. In Langen bei Frankfurt sitzt die Radarzentrale der Deutschen Flugsicherung (DFS), die für Nordrhein-Westfalen zuständig ist. Dort herrschen derzeit insbesondere in der für Düsseldorf zuständigen Gruppe von Fluglotsen derartige Personalprobleme, dass die NRW-Landeshauptstadt den Spitzenplatz bei den Verspätungen belegt.

Zwischen Januar und Mai landeten die Flugzeuge im Schnitt sechs Minuten zu spät. Auf den anderen deutschen Airports liegen die Werte bei zwei bis drei Minuten pro Flug. Die Verspätungen erhöhen auch die Zahl der Nachtlandungen und damit die Belastung für die Bürger in den Einflugschneisen, etwa in Meerbusch, Ratingen und Essen.

Dieter Kaden, Vorsitzender der DFS-Geschäftsführung, übernahm gestern ausdrücklich einen Großteil der Verantwortung. "Für 50 Prozent der Verspätung sind wir die Ursache", sagte er. Mit Blick auf die nahenden Sommerferien ergänzte er: "Es muss nicht sein, aber es könnte passieren, dass der eine oder andere Urlauber verspätet sein Urlaubsziel erreicht." Auch Umleitungen von Flügen nach Köln konnten die Flugsicherungs-Experten nicht ausschließen.

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In Langen sollen sich rund 50 Lotsen um den Düsseldorfer Flughafen kümmern, jeweils 20 von ihnen bestreiten eine Schicht. Niederlassungsleiter Dirk Mahns erklärte gestern, dass er derzeit zehn Prozent mehr Personal bräuchte, um diese Werte zu erreichen. Nach Angaben der DFS wird es bis zum Frühjahr 2011 dauern, bis die Stellen entsprechend besetzt sind. Dies hat eine Reihe von Ursachen:

Nachwuchs Nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 haben DFS und Fluggesellschaften die Entwicklung des Luftverkehrs falsch eingeschätzt und aus Kostengründen zu lange zu wenig Auszubildende eingestellt.

Ausbildungszeit Bis zum Erwerb einer Lotsen-Lizenz vergehen in der Regel vier Jahre. In NRW dauert es sogar noch länger, weil der Luftraum mit den vielen Flughäfen und den benachbarten Groß-Airports (Frankfurt, Amsterdam, Brüssel) der komplexeste in Europa ist.

Lizenzen Da ein Lotse für jeden Luftraum eine Lizenz erwerben muss (ähnlich wie Piloten eine Lizenz für einen Flugzeug-Typ besitzen), kann Personal nicht einfach von einer Kontrollzentrale in eine andere versetzt werden.

Ausfälle In jüngster Zeit haben einige Lotsen ihre flugmedizinische Tauglichkeit verloren. Zudem fielen und fallen einige Fluglotsinnen wegen Schwangerschaft aus.

Luftraum NRW Nirgendwo in Deutschland gibt es so viele Luftsportler (Fallschirmspringer, Segelflieger etc.) wie hier, deshalb wird bei den NRW-Lotsen auch am Wochenende viel Personal benötigt.

Tarifvertrag Durch den neuen Tarifvertrag sind die Arbeitszeiten verkürzt und die Regenerationspausen verlängert worden. Dies entspricht nach Angaben der DFS dem Wegfall von 100 Lotsen.

Die Flugsicherung will die Probleme auf verschiedenen Wegen lösen: Sie stellt derzeit bis zu 170 Auszubildende pro Jahr ein, wirbt fertig ausgebildete Lotsen aus Nachbarländern an, die nur noch örtliche Lizenzen erwerben müssen, und hat mit der Gewerkschaft flexiblere Arbeitszeiten ausgehandelt. Außerdem hofft sie, den Angerland-Vergleich, der die Nutzung der zweiten Start- und Landebahn in Düsseldorf regelt, neu zu verhandeln.

(RP)