Verkehrswende in Düsseldorf Ein kleiner Hauptbahnhof in Bilk

Serie | Düsseldorf · Rund 20.000 Menschen nutzen täglich den neuen Regionalhalt in Düsseldorf-Bilk. Um aber ein „zweiter Hauptbahnhof“ in Düsseldorf zu werden, ist es noch weit.

 Der Ausbau des Bahnhofs Bilk hat mehr als zwei Jahre gedauert. Seit März ist er ein Regionalhalt.

Der Ausbau des Bahnhofs Bilk hat mehr als zwei Jahre gedauert. Seit März ist er ein Regionalhalt.

Foto: Bretz, Andreas (abr)

Vor fast einem halben Jahr ist der Bahnhof Bilk zum Regionalhalt geworden. Es wird ein Geheimnis der Stadt und Deutschen Bahn bleiben, warum es Mitte März nach rund 25 Monaten Ausbauzeit keine offizielle Eröffnung des neuen Gleises gab.

Das überrascht, denn von allen Seiten war und ist nur zu hören, welch große Bedeutung der Bahnhof für Düsseldorf und für die Verkehrswende hat. In einem Positionspapier der Industrie- und Handelskammer (IHK) für die Stadt der Zukunft ist beim Bahnhof Bilk sogar von einem zweiten Hauptbahnhof die Rede.

Laut VRR nutzten rund 10.700 Passagiere die Haltestelle vor dem Ausbau für Fahrten mit den S-Bahn-Linien S8, S11 und S28. Nun wird mit mehr als 20.000 Reisenden täglich gerechnet, seitdem auch der RE4, RE6 (RRX), RE10, RE13 und die RB39 in Bilk halten. Über den Bahnhof laufen somit alle schienengebundenen Verkehre von Westen nach Düsseldorf und umgekehrt, vor allem für Pendler vom linken Niederrhein verkürzt sich dank des Regionalhalts die Fahrtzeit.

Aus Sicht des VRR könnten jetzt Autofahrer, die aus beruflichen Gründen in die „Pendlerstadt“ Düsseldorf müssen, deutlich leichter auf den ÖPNV umsteigen. Ein Stadtsprecher unterstreicht dies und sagt: „Als ,Westbahnhof‘ ist Bilk mit Wehrhahnlinie, Metrobus- und Stadtbuslinien hervorragend an das städtische Bus- und Bahn-Netz angebunden, sodass Menschen, die Ziele im südlichen Stadtgebiet wie Universität und Kliniken und das Stadtzentrum anstreben, ohne den Umweg über den Hauptbahnhof wesentlich schneller dorthin kommen.“

So groß die Freude über den Regionalhalt auch ist und dass laut einem Bahnsprecher in einem ersten Fazit nach dem Ausbau die Zufriedenheit der Kunden hoch ist, dürfen nicht die Schwachstellen im Umfeld des Bahnhofs übersehen werden. „Ich erwarte, dass der geplante Fahrradturm endlich fertig beziehungsweise erst einmal weitergebaut wird“, sagt Bezirksbürgermeister Dietmar Wolf (Grüne).

Er wird sich gedulden müssen, denn wann es mit dem Bau der vollautomatisierten Fahrradabstellanlage mit 120 Stellplätzen weitergeht, bleibt nach Angaben des Stadtsprechers ungewiss. Der Bahnhof Bilk wird von der Stadt auch für eine Mobilitätsstation als geeignet gesehen, doch aktuell gibt es dazu keine abgeschlossenen Planungen.

Positiv ist derweil, dass nachdem die Wände und Säulen der ehemals düsteren Unterführung künstlerisch gestaltet worden sind, noch im September die Beleuchtung erneuert werden soll, damit ein „Angstraum“ am Bahnhof endgültig verschwindet. „Weiterhin ist geplant, die Decke der Unterführung neu weiß zu streichen“, sagt der Stadtsprecher ohne ein Datum zu nennen. Außerdem sollen als Information für die Reisenden im Eingangsbereich noch eine „Zugzielbeschilderung“ oder ein Abfahrts-/Ankunftsmonitor installiert werden sowie die Wandgestaltung komplettiert werden.

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Foto: Wolfgang Harste

Der „neue“ Bahnhof Bilk ist somit noch längst nicht fertig. Trotzdem legte die IHK Anfang Mai ein Positionspapier für eine Stadt der Zukunft vor, in dem der Bahnhof eine tragende Rolle spielt. Er solle ein zweiter Hauptbahnhof werden, „um für Pendler aus dem Linksrheinischen das Tor zur Stadt zu sein“.

Die Haltestelle der Wehrhahn-Linie könne man unterirdisch in den Bahnhof verlegen, um den Umstieg zu optimieren. „Darüber hinaus sollten neue Verbindungen nach Düsseldorf und speziell nach Bilk die Anbindung der Landeshauptstadt an das Umland verbessern“, heißt es im Positionspapier.

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