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Verdacht des sexuellen Missbrauchs: Verfahren gegen Kaplan eingestellt

Verdacht des sexuellen Missbrauchs : Verfahren gegen Kaplan eingestellt

Nach 18 Monate dauernden Ermittlungen hat die Staatsanwaltschaft entschieden, es zu keinem Gerichtsverfahren kommen zu lassen. Gegen dieses Vorgehen hat ein Anwalt der Opfer Beschwerde eingelegt. Über diese entscheidet der Generalstaatsanwalt.

Das Ermittlungsverfahren gegen einen ehemaligen Priester in der katholischen Pfarre St. Margareta wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs Schutzbefohlener ist nach 18 Monaten von der Staatsanwaltschaft Düsseldorf eingestellt worden. Zu dieser Entscheidung kam die Ermittlungsbehörde nach der Beurteilung der Aussagen der jungen männlichen Opfer durch einen psychologischen Gutachter: "Es ist nicht sicher, dass die Aussagen so belastbar sind, dass sie in einem Prozess zu einer Verurteilung führen", sagte Staatsanwaltschaft Ralf Herrenbrück unserer Zeitung. Die Analyse des erfahrenen Gutachters habe ergeben, dass eigenes Erleben und Äußerungen anderer teilweise vermengt seien. Daraus dürfe aber keinesfalls geschlossen werden, dass die Jugendlichen falsche Aussagen zu den Vorfällen gemacht hätten, so Herrenbrück.

Die Jugendlichen hatten sich nach einer Ferienfahrt Erwachsenen über die Vorfälle anvertraut. Im Dezember 2010 hatte dann die Erzdiözese Köln die Ermittlungsbehörden eingeschaltet, weil der Verdacht einer sexuellen Grenzverletzung oder eines sexuellen Missbrauchs bestehe. Der Priester, der zu diesem Zeitpunkt schon turnusgemäß an eine andere Pfarre versetzt worden war, war später auch wegen Krankheit beurlaubt worden. Das bedeute keine Vorverurteilung, hatte die Erzdiözese betont.

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Die Staatsanwaltschaft hatte in den folgenden Monaten sowohl die Opfer als auch den Priester vernommen, der die Vorwürfe abstritt. Die Ermittler schalteten dann den Gutachter ein "auch zum Schutz der Jugendlichen", so Herrenbrück. Sie sollen in einem Gerichtsverfahren nicht in die Enge getrieben werden und dadurch Schaden nehmen.

Allerdings ist das Verfahren noch nicht abgeschlossen. Denn der Anwalt eines der Opfer hat Beschwerde gegen diese Entscheidung eingelegt. Über diese Beschwerde muss der Generalstaatsanwalt entscheiden. Die Akten dorthin seien noch unterwegs.

Wegen des schwebenden Verfahrens kann und will sich die Erzdiözese Köln nicht zu dem Stand des Verfahrens äußern, zumal sie auch keine Akteneinsicht hatte. Allerdings ist es den Verantwortlichen in der Erzdiözese bewusst, "dass die langen und komplizierten Ermittlungen für alle Betroffenen unbefriedigend sind", sagte Bistumssprecher Christoph Heckeley. Die Erzdiözese sei nicht Herr des Verfahrens. Sie habe aber Kontakt zu allen Betroffenen und biete Beratung und Hilfe an, so Heckeley.

In der Gerresheimer Gemeinde St. Margareta wird damit gerechnet, dass die Entscheidung in den kommenden Wochen von den Gemeindemitgliedern unterschiedlich kommentiert wird. "Wie schon beim Bekanntwerden des Verdachts werden einige davon sprechen, dass der Priester zu Unrecht verdächtigt wird, andere werden auf Seiten der Opfer stehen", sagt Pfarrer Karl-Heinz Sülzenfuß. Er hat als Ortspfarrer aber keinen Einblick in das Verfahren, um das sich für die Kirche die Erzdiözese kümmert. Der Seelsorger geht aber davon aus, dass die Gemeinde wegen der unterschiedlichen Beurteilung nicht zerrieben wird.

(RP/top)