Verein Spektrum 76 für Düsseldorfer Kunstfreunde

Kunstfreunde : Aus Liebe zum Malen und zur Geselligkeit

Mehr als 100 Mitglieder hat der Verein Spektrum 76.Die Kunstliebhaber treffen sich in einem Atelierraum des Werstener Bürgerhauses. Die einen malen mehr, die anderen genießen vor allem den Austausch.

Vor dem Fenster stehen mehrere Staffeleien. Männer und Frauen beugen sich konzentriert an Tischen über ihre Bilder. Auf Regalen stehen selbstgemalte Werke und überall findet man Malutensilien. Im Atelier des Spektrum 76 in Wersten treffen sich Kunstliebhaber, um gemeinsam künstlerisch tätig zu sein und sich gegenseitig zu fördern.

Alles begann vor 42 Jahren. Wilhelm Abels suchte per Zeitungsanzeigen nach Menschen, die Spaß an künstlerischer Aktivität in ihrer Freizeit hatten. Zwanzig Interessierte gründeten am 22. Januar 1976 die Vereinigung Spektrum 76 und trafen sich zum Arbeiten im Leibnitz-Gymnasium. „Zu dieser Zeit nannte man sie noch die Hobbykünstler“, berichtet Brigitte Burmester, Vorsitzende des Vereins. So richtig losgegangen mit dem Spektrum 76 sei es aber erst mit dem Umzug ins Bürgerhaus von Wersten. In der alten Schule hat der Verein 1982 den Atelierraum bezogen, in dem seither unzählige Kunstwerke entstanden.

„Im Laufe der Jahre kamen immer mehr Mitglieder dazu. Die Qualität der Arbeiten wurde immer besser und wir konnten akademische Künstler für Workshops gewinnen“, erzählt die Vorsitzende. Mit dem wachsenden Anspruch passte die Bezeichnung Hobbykünstler nicht mehr und der Verein benannte sich in Künstlerkreis um. Mittlerweile hat das Spektrum 76 mehr als 100 Mitglieder. Zu viele, um sie alle gemeinsam im Atelier unterzubringen. Daher haben sie sich zu mehreren festen Kleingruppen zusammengetan, die sich regelmäßig treffen. Jede Gruppe ist in ihrem Arbeitseifer anders.

„Es gibt hier eine reine Männergruppe. Die kommt eigentlich nur wegen der Geselligkeit hierher“, lacht Peter Scholz, Kassierer des Vereins. Wenn man wirklich malen wolle, sei man bei den Frauen schon besser aufgehoben. Die seien strebsamer. Aber auch bei den Frauen gebe es reine Kaffeetrinker-Gruppen, gibt Burmester zu. Einen Vorwurf macht den Teilnehmern dafür aber keiner. Viele der Mitglieder sind gerade wegen der Geselligkeit zum Verein gestoßen.

„Wir haben viele Rentner, die eine Beschäftigung gesucht haben oder auch alleinstehend sind und Kontakt wünschen“, sagt Burmester. So wie Margit Schlitt. „Der Hauptgrund für mich, hier einzutreten, war, unter Menschen zu kommen. Gemalt habe ich vorher noch nie.“ Überhaupt geht es bei dem Künstlerkreis sehr locker zu. Pflichten gibt es keine, Möglichkeiten aber viele. Die Mitglieder können sich in den Gruppen zum Malen treffen. „Da kann jeder malen, was er will. Kritik und Tipps sind dabei natürlich gang und gäbe. Wir alle sind nicht perfekt und wollen dazulernen“, erzählt Dorothea Növer.

Sein Arbeitsmaterial muss jeder selber mitbringen. Manchmal gibt es aber auch Menschen, die Material spenden, freut sich Burmester. Der Verein bietet Museumsbesuche und Exkursionen an. Es gibt Workshops, an denen auch Außenstehende teilnehmen können. Auf Ausstellungen, Messen und auch auf der Homepage können die Künstler ihre Werke präsentieren und mit etwas Glück auch veräußern. „Ich habe zwei Werke verkauft. Aber das ist für uns nicht das Hauptziel“, sagt Növer. Schön für das Ego ist es trotzdem und bei Platzproblemen hilft es auch. „Hier entsteht so viel. Die ganzen Bilder werden zu Hause gehortet. Und da steht wirklich in jedem Zimmer was rum“, lacht Növer.

Zur Geselligkeit macht der Verein einmal im Monat ein Klöncafé. Am „Tag des offenen Ateliers“ präsentiert er sich der Öffentlichkeit und wirbt für den Künstlerkreis. „Um einer Überalterung zu entkommen brauchen wir dringend jüngere Mitglieder“, so Burmester. Wer sich für den Verein interessiert, kann auch gerne mal die einzelnen Gruppen besuchen und schauen, ob etwas Passendes dabei ist, berichtet Agnieszka Lorenz.

Die Gründe zu malen sind so vielfältig wie die Mitglieder. Für Lorenz ist es ein inneres Bedürfnis und ein Mittel, die Gedanken zu sammeln. Für Angelina Nebel ist das Malen, schon als sie ein Kind war, ein Ersatz für das Tagebuchschreiben. Auch heute noch dient es der Psyche. „Seit ich hier bin, bin ich wieder aufgeblüht. Ich freue mich auf jeden Montag und packe schon sonntags meine Tasche“, sagt sie glücklich.

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