Düsseldorf: Verein soll Heimat für Migranten werden

Düsseldorf: Verein soll Heimat für Migranten werden

Mit Kultur- und Sportangeboten will "Königinnen und Helden" eine vertrauensvolle Adresse für Migranten in Oberbilk werden.

Andrea Abbing weiß, mit welchen Problemen und Sorgen sich viele Menschen mit ausländischen Wurzeln in Oberbilk beschäftigen. Seit vielen Jahren lebt sie dort, ist mit einem Mann aus Gambia zusammen, mit dem sie einen Sohn hat. Und in ihrer 15-jährigen Sozial- und Jugendhilfearbeit hat sie viele Jugendliche und deren Familien aus unterschiedlichen Ländern kennengelernt. "Vor allem ausländische Mütter haben es schwer", sagt Abbing. Viele wüssten nicht, wie sie Briefe aufsetzen, ihre Ansprüche bei Behörden geltend machen oder an wen sie sich wenden können, wenn ihr Kind Nachhilfe braucht. "Bei unserem Verein ,Königinnen und Helden' wollen wir den Müttern und deren Familien eine Heimat geben, einen Ort, an dem sie Hilfe bei allen Fragen bekommen können", sagt Abbing.

Vor mehr als anderthalb Jahren gründete die Oberbilkerin den Verein. Für den Namen entschied man sich, weil jeder Mensch - unabhängig von Religion, Herkunft oder Hautfarbe - Held oder Königin werden könnte. "Und wir wollten damit zeigen, dass es bei uns keine Chefs gibt. Jeder macht freiwillig mit und entscheidet selber, was er macht und was nicht", sagt Abbing. Seit der Gründung des Vereins hat sie sieben Projekte mit ehrenamtlichen Helfern umgesetzt, darunter "Fack ju Haine". "Viele Menschen kennen den Film ,Fack ju Göhte', und wir wollten ein Projekt machen, in dem sich die Schüler auch mit dem Thema Schule beschäftigen, mit typischen Fragen wie Erwartungen von Lehrern und Leistungsdruck." Und da der Verein einen Düsseldorf-Bezug haben wollte, habe man sich dann für "Fack ju Haine" entschieden.

Viele Schüler dachten anfangs, dass sie Szenen aus dem Film nachspielen würden. Tatsächlich durften sie vor Ort aber mehr: Sie schrieben unter Anleitung eines Dozenten kleine Szenen, probierten verschiedene Rollen aus und drehten sogar einen Film über ihre Arbeit. "Die Kinder hatten viel Spaß, können aber viele Erfahrungen auch in der Schule einbringen. Zum Beispiel haben sie gelernt, frei vor anderen zu sprechen. Auch ihre Deutsch-Kenntnisse können sie verbessern." Die Teamarbeit quer durch die Kulturen klappe gut: Deutsche, aber auch Afghanen, Senegalesen und viele andere würden sich kennenlernen und gegenseitig unterstützen. Das sei wichtig, sagt Abbing, denn in Oberbilk würden die Kulturen noch immer "nebeneinander leben", aber eben nicht miteinander.

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Auch Mehrgenerationen-Projekte (zum Beispiel gemeinsames Kochen im Seniorenwohnpark Lessingplatz) und Sport-Angebote bietet der Verein an. Einigen Jugendlichen habe man auch schon Praktika und Lehrstellen verschaffen können, sagt Abbing.

Zurzeit richtet der Verein an der Siemensstraße sein Atelier mit großer Gemeinschaftsküche ein - und sucht dafür ehrenamtliche Helfer, die beim Renovieren mitmachen oder Materialien stellen. Auch in anderen Bereichen hofft man auf Unterstützung. Abbing: "Wir würden uns zum Beispiel sehr freuen, wenn Künstler mit Ateliers in der Nähe mit den Kindern zusammenarbeiten. Auch Handwerker sind eingeladen."

(RP)
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