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Düsseldorf: Verblüffende Tricks statt Hokuspokus

Düsseldorf : Verblüffende Tricks statt Hokuspokus

Die Mitglieder des Magischen Zirkels Düsseldorf überraschen die Zuschauer mit Sinnestäuschungen. Bei zwei Vorstellungen im Theateratelier Takelgarn stellten die "Zauberer von OZ" jetzt ihr Talent unter Beweis.

Es sind nur ganz kurze Wahrnehmungslücken, die sie nutzen, um uns zu täuschen. In diesen Sekunden ist alles möglich: Da lassen die "Zauberer vom OZ" (OZ steht für Ortszirkel Düsseldorf) Dinge erscheinen und verschwinden, lesen Gedanken und kreieren Déjà-vus. Die Mitglieder des Magischen Zirkels sind ihren Zuschauern immer einen Schritt voraus. Statt mit Hokuspokus arbeiten sie mit Schnelligkeit, optischen Effekten und Psychologie. Ihr Rezept: professionelle Sinnestäuschung.

Ob Mental- oder Comedyzauberei, Kartenzauberkunst, A-cappella-Zauberei oder Parodien: In allen Sparten geht es darum, den Zuschauer zu überraschen. Magische Momente entstehen schließlich, wenn man staunen darf wie ein Kind. Wenn die eigene Weltvorstellung umgekrempelt wird und sich ein großes Rätsel auftut, das man unbedingt lösen will, ohne imstande dazu zu sein. Dafür gibt es Profis.

Die Rätselexperten treffen sich regelmäßig im "Magischen Zirkel" und tauschen sich über die Kunst der Zauberei aus. 44 Mitglieder hat der Düsseldorfer Verein, darunter Rechtsanwälte, Schreiner, Schüler, Studenten und Berufszauberer. Um Zauberer zu werden, muss man zunächst eine Aufnahmeprüfung bestehen, erklären Thorsten Happel und Sven F. Heubes vom Magischen Zirkel. Ähnlich wie bei der Führerscheinprüfung gibt es hier eine theoretische und eine praktische Prüfung. In der Theorie geht es zum Beispiel um Fachbegriffe der Zauberei, in der Praxis zeigt der Prüfling dann 15 Minuten lang sein Können.

Begeistert erzählen die beiden Magier in diesem Zusammenhang von Yannik Abt. Der Zwölfjährige hat sie kürzlich mit phänomenalen Kartentricks verblüfft und wird bald seine Prüfung ablegen. Sven F. Heubes ist sein Mentor; er selbst hat mit dem Zaubern angefangen, als er 13 Jahre alt war. "Die neue Generation der Zauberer lernt Tricks im Internet", sagt Happel. Einmal im Jahr finden zudem Jugendworkshops mit teilweise international bekannten Künstlern statt. Was man fürs Zaubern braucht? "Zaubern besteht nicht nur aus dem Erlernen bestimmter Techniken, sondern auch aus der Fähigkeit, ein Publikum zu unterhalten", erklärt Heubes.

Bei der Vorstellung der Zauberer vom OZ im Theateratelier Takelgarn wird klar: Diese Magier erzählen Geschichten, sie binden ihr Publikum ein und lassen es teilhaben an dem, was passiert - ohne Überraschungen zu zerstören. Dadurch wirken sie souverän und unnahbar, gleichzeitig aber sehr präsent. Die Kommunikation mit den Zuschauern ist das A und O. Man muss schon Glück haben mit dem Publikum, schließlich hängen viele Tricks davon ab, ob ein Freiwilliger mitmacht. Abgesprochen wird vorher nichts. "Jeder, der zu mir auf die Bühne kommt, ist mein Gast", sagt Thorsten Happel. Bloßstellen ist absolut tabu.

Was aber passiert, wenn ein Trick mal nicht so glückt? Für solche Fälle gibt es ein sogenanntes "Out" (Alternativausgang), welches Profis von Anfängern unterscheidet. Profis überlegen sich nämlich schon vorher Alternativen - die Qualität hängt von der Komplexität des Themas ab. Manchmal reicht ein Gag, um die Situation zu überspielen. In anderen Momenten müsse schon ein Plan B her. "Zauberei ist sehr vielschichtig", sagt Detlev Drenker, Vorsitzender des Ortszirkels Düsseldorf. Seit 50 Jahren zaubert er bereits, Lampenfieber gehört aber immer noch dazu: "Das ist wichtig, um Spannung aufzubauen." Und von der Spannung lebt die Zauberei schließlich.

(RP)