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Generalkonsul in Düsseldorf: US-Diplomat mit Herz für Heine

Generalkonsul in Düsseldorf : US-Diplomat mit Herz für Heine

Stephen A. Hubler ist neuer amerikanischer Generalkonsul in Düsseldorf. Deutschland spielte in seinem Leben stets eine Hauptrolle: Sein Großvater ist deutschstämmig, er lebte als Kind in Bonn und ist mit einer Deutschen verheiratet. Sein Ziel ist, vor allem die Wirtschaftsbeziehungen zu stärken.

Sein Lieblingsgedicht des in Düsseldorf geborenen Dichters Heinrich Heine kann Stephen A. Hubler aus dem Stand rezitieren. Auf Deutsch, versteht sich. Es heißt "Wo?" und steht auf dem Grabstein von Heine in Paris: "Wo wird einst des Wandermüden/ Letzte Ruhestätte sein?/ Unter Palmen in dem Süden? Unter Linden an dem Rhein?" An den Rhein führt den amerikanischen Diplomaten seine aktuelle Station. Seit Anfang August ist Hubler neuer Generalkonsul der USA in Düsseldorf. Für ihn ist es eine Wiederkehr ins Rheinland. Denn als Sohn eines Diplomaten hat er als Grundschüler drei Jahre in Bonn verbracht. "Fahrrad fahren am Rhein, Besuch von Burg Drachenfels, die Loreley" — er hat viele schöne Erinnerungen an diesen Teil seiner Kindheit. "Einmal am Rhein, und dann zu zwei'n alleine sein", zitiert Hubler ein Schunkellied und lächelt.

Er wurde in Ecuador geboren, wuchs in Japan, Nepal, Bolivien und Österreich auf. "Österreich war wirklich exotisch", sagt der 51-Jährige, "die Sprache habe ich kaum verstanden." Die Kindheitsjahre in Deutschland aber haben seinen späteren Lebensweg geprägt. Wie auch seine familiären Wurzeln — väterlicherseits waren die Großeltern Deutsche aus Ungarn, die in den 20er Jahren nach Amerika auswanderten, nach Pennsylvania. Hubler studierte Deutsch, deutsche Literatur mit Schwerpunkt Romantik und Klassik. Als Soldat war er in Deutschland stationiert, im hessischen Fulda. Dort lernte er auch seine Frau, Ute Reith, kennen. Seine erste Stelle als Diplomat im Dienste der Vereinigten Staaten trat Hubler in Deutschland an: im Frankfurter Generalkonsulat mit Österreich, Deutschland und Schweiz als Schwerpunkt. Es folgte Costa Rica, anschließend war Hubler im US-Außenministerium an der Planung der Friedensmission für das Kosovo beteiligt. Vier Jahre lang lebte er später im ehemaligen Jugoslawien, in Mazedonien. Dort bereitete der Familienvater den geplanten Beitritt des Landes in Nato und EU vor.

Seine spannendste Station war jedoch in Äthiopien, wo Hubler von der Hauptstadt Addis Abeba aus US-Hilfsprogramme für eine Million Flüchtlinge in Äthiopien, Eritrea, Somalia, Sudan, Dschibuti und Kenia koordinierte. "Wir hatten jährlich 30 Millionen Dollar zur Verfügung." Die USA hatten Partner an der Seite. Das Technische Hilfswerk aus Deutschland und verschiedene Organisationen der Vereinten Nationen waren mit dabei. Er sei bei der Arbeit dort zwar an die Grenzen des Machbaren gestoßen, aber "die Gelder waren sehr hilfreich, um Wasser und Essen zu besorgen, sanitäre Anlagen und Schulen zu errichten".

In den drei Jahren, die er vermutlich in Düsseldorf bleiben wird (das ist der reguläre Turnus bei Diplomaten), will er vor allem die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Nordrhein-Westfalen und den USA weiter vertiefen. "Deutschland ist immerhin unser fünftgrößter Handelspartner, und NRW ist wichtiger Teil Deutschlands." Auch die Schüleraustausche will Hubler ausbauen sowie politisch und wirtschaftlich viele Kontakte knüpfen.

Ein besonders wichtiger Tag ist auch in seinem Kalender der 6. November, der Tag der Präsidentschaftswahl in den USA. Er geht davon aus, dass um Mitternacht mitteleuropäischer Zeit ein Ergebnis vorliegt. "Das werde ich analysieren und für das ,Election Breakfast' vorbereiten." Die Veranstaltung im Foyer der Landesanstalt für Medien am frühen Morgen des 7. November wird von der Rheinischen Post mitveranstaltet. Nach einer Prognose gefragt, wer die Wahl gewinnt, wird Hubler diplomatisch: "Derjenige, der 270 oder mehr Stimmen der Wahlmänner bekommt." Ihm ist klar, dass es zwischen Obama und Romney eng wird.

Dafür hat er eine klare Antwort, was im an Düsseldorf besonders gefällt: "Die wunderschönen Grünflächen und das gut ausgebaute Netz bei Bussen und Bahnen."

(RP)