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Interview: Serie Unser Rhein: Urlaubsgefühle am Stadtstrand

Interview: Serie Unser Rhein : Urlaubsgefühle am Stadtstrand

Sonne tanken ist an verschiedenen Stellen am Rhein möglich - wenn sie denn scheint. Vom Sprung ins Wasser ist abzuraten.

Es gibt sie, die kleinen Paradiese, die Oasen der Ruhe, an denen Düsseldorfer im Sommer womöglich vergessen, dass es in diesem Jahr finanziell nicht zum Spanien-Urlaub gereicht hat. Oder die gezielt angesteuert werden, um sich genau darauf vorzubereiten und die Vorfreude zu steigern. Jedenfalls hat der Rhein an seinen Ufern zahlreiche Sandstrände, die echtes "Beach-Feeling" vermitteln.

 Am Hammer Sandstrand kann man theoretisch auch ins Wasser gehen - die DLRG rät aber dringend davon ab, zu gefährlich ist die Strömung.
Am Hammer Sandstrand kann man theoretisch auch ins Wasser gehen - die DLRG rät aber dringend davon ab, zu gefährlich ist die Strömung. Foto: gABRIEL

Und da schon von paradiesischen Zuständen die Rede ist: Der kleine Paradiesstrand am Medienhafen zählt zu den beliebtesten Ausflugszielen für Sonnenhungrige. Dabei ist er für weniger Ortskundige gar nicht so leicht zu finden. Zu Fuß oder mit dem Rad erreicht man ihn am besten über die kleine Fußgängerbrücke zwischen Rheinturm und Landtag. Wer den Weg unbedingt mit dem Auto zurücklegen will, muss sich durch den kompletten Medienhafen bis fast zum Ende der Bremer Straße vorkämpfen. Wer an einer alten Lagerhalle vor dem rostigen Schild "Privatgelände - Vorsicht freilaufende Hunde!" zum Stehen kommt, ist aber bereits zu weit.

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Einmal angekommen, entschädigt allein schon das Panorama für die Mühen: Rechter Hand reckt sich der Rheinturm in den Himmel, die Silhouette der Altstadt spiegelt die Schönheit der Stadt wider, etwas versetzt ist das Dreischeibenhaus erkennbar, im Hintergrund sind es die Prachtbauten der Versicherungen, die sich abheben.

Es sind vor allem junge Leute, die bei schönem Wetter hierherkommen - wie Ute Jäger, die mit ihrer Clique einen netten Nachmittag am Paradiesstrand verbringt. Während die Jungs am Ufer herumalbern, brutzeln die Mädchen gedankenverloren in der - in diesem Sommer recht spärlichen - Sonne. "Das ist hier so schön abgeschieden. Angesichts der tollen Aussicht auf der anderen Rheinseite weiß ich aber dennoch jederzeit, dass ich in einer Großstadt lebe", begründet die 17-Jährige ihr regelmäßiges Kommen, sobald die Temperaturen es zulassen.

Wunderbar Sonne tanken kann man auch am Hammer Sandstrand, wo an der Uferstraße an heißen Tagen stets ein Eiswagen auf Kunden wartet. "Hier ist es doch so schön, das ist genauso wie Urlaub", sagt Heidi Simon, die mit ihrem Mann auch bei schlechterem Wetter gerne im Sand sitzt und die Seele baumeln lässt. "Das kennen wir von Sylt", sagt die Rentnerin.

Ein ganz anderes Bild bietet der Strandbereich im 316 Hektar großen Naturschutzgebiet Urdenbacher Kämpe, dem größten in Düsseldorf. Die Kämpen verkörpern ein typisches Stück alter niederrheinischer Kulturlandschaft, in der Kopfweiden, Obstbäume und wertvolle Feuchtwiesen das Bild bestimmen. Am so genanten Ausleger setzt auch die Fähre nach Zons über, noch weiter im Süden, schon auf Monheimer Gebiet, liegt zudem ein lauschiger Campingplatz.

Viel weiter im Norden und auf der anderen Rheinseite gibt es natürlich auch jede Menge kleine Sandstrände und Buchten. In Oberkassel hat man eine tolle Sicht auf die Düsseldorfer Skyline, in Lörick finden sich rund um den Segelhafen ausreichend Stellen, wo es lohnt, im Sand die Picknickdecke auszupacken und zu entspannen.

Für all diese schönen Plätze gilt jedoch eines: Ins Wasser zu gehen, das sollte man auch bei tropischer Hitze unterlassen. Bereits sieben Menschen wurden in diesem Jahr tot aus dem Rhein geborgen.

"Das Baden im Rhein ist nicht verboten, leider. Dabei würden ich meinen Kindern allein schon wegen der nicht ausreichenden Wasserqualität davon abraten", sagt Roland Scheidemann von der DLRG. Davon abgesehen, sei jedenfalls Fakt: "Der Rhein ist ein internationales Gewässer, der Schiffsverkehr mit 130 Meter langen Kähnen der Alltag." Die Gefahr, die davon ausgehen würde, sei vor allem in der Nähe von Brückenpfeilern und den so genannten, senkrecht ins Wasser ragenden Kribben oder Buhnen, die eigens dafür gebaut wurden, den Schiffsverkehr zu beschleunigen, enorm hoch. "Dort entstehen Verwirbelungen und Unterströmungen, die man schnell unterschätzt, und die insbesondere für Kinder lebensgefährlich werden können", betont Scheidemann, der Erwachsenen auch im normalen Uferbereich davon abrät, bis zu den Knien ins Wasser zu gehen.

"Die Leute machen es trotzdem, und zwar nicht nur zum Abkühlen, sondern auch zum Schwimmen, das ist die Realität. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als weiter die Gefahren zu wiederholen und Warnungen auszusprechen - und notfalls so schnell wie möglich zur Stelle zu sein."

Bleibt noch eine Frage zu klären: Warum ist der Sand an den Rheinstränden meist so fein? Die Gründe seien vielschichtig, erklärt Nicole Gerres, Geologin bei der Bundesanstalt für Gewässerkunde. "Zum einen befindet man sich am Niederrhein vergleichsweise nah an der Mündung, das Wasser des Stroms hat also bereits einen langen Transportweg hinter sich. Die Sedimente im Wasser haben einen größeren Abrieb erfahren und es bleibt immer feineres Material übrig, das angespült wird." Zudem nehme der Rhein "staureguliertes" Wasser aus Nebenflüssen auf, gröbere Bestandteile seien also bereits vorher in den Schleusen hängen geblieben. Dass die 0,6 bis zwei Millimeter großen Sandkörner so hell erscheinen, liege im Wesentlichen daran, dass sie am Niederrhein bis zu 60 Prozent aus zerkleinertem Quarzgestein bestehen, einem farblosen Mineral, das für uns jene reine weiße oder bei entsprechender Sonneneinstrahlung sogar goldgelbe Farbe annimmt.

(RP)