Düsseldorf: Uni-Rektorin wegen Lucke-Ausladung in der Kritik

Düsseldorf: Uni-Rektorin wegen Lucke-Ausladung in der Kritik

Zu der abgesagten Diskussionsrunde mit dem ehemaligen AfD-Parteichef Bernd Lucke an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf will sich die Uni-Leitung nicht mehr äußern. Kritiker nennen die Absage "eine Blamage".

Worum geht es? Lucke, aus der AfD ausgetreten und heute Chef der Allianz für Fortschritt und Aufbruch (Alfa), wurde in seiner Eigenschaft als Wirtschaftsprofessor zur Podiumsdiskussion eingeladen, bei der es am Dienstag um das Freihandelsabkommen TTIP gehen sollte. Die Studentenvertretung (AStA) hatte sie organisiert.

Autarke Entscheidung

Als aus linksgerichteten Studentenkreisen mit Störungen gedroht wurde, sagten Uni-Leitung und ASta die Diskussion ab. Dabei bezogen sie sich auf die Polizei, die Entscheidung sei "in Abstimmung" mit ihr gefallen. Das stimmt offenbar nicht, denn unserer Redaktion gegenüber erklärte der Leiter der Polizei-Pressestelle, dies sei nicht der Fall gewesen. Die Uni sei in ihrer Entscheidung autark gewesen.

Kalthoff kritisiert, die Hochschule lasse sich ihre Agenda von Krawallmachern vorschreiben. "Noch vor wenigen Monaten wurde beim 50-Jährigen der Hochschule der freie Geist Heinrich Heines beschworen. Nun, da eine Bewährungsprobe ansteht, stellen sich die Bekenntnisse zu Heine als leere Phrasen heraus." Es handele sich um einen "schwarzen Tag für freie Meinung, freies Wort und freie Wissenschaft".

  • Kommentar : Tiefpunkt für die Universität
  • Düsseldorf : Kritik an Absage von Lucke-Diskussion

Ehemaliger Uni-Rektor findet Absage "überzogen"

Dem ehemaligen Uni-Rektor und heutigen Ehrenpräsident der Freunde, Gert Kaiser, erscheint die Absage ebenfalls "überzogen". Er gehe davon aus, dass Steinbeck noch Informationen vorlagen, die unbekannt seien. FDP-Ratsherr Rainer Matheisen, der selbst AStA-Vorsitzender war, hat auch nicht den Eindruck, "dass man die Veranstaltung absagen musste". Die Leitung hätte sich anders verhalten können und sollte sich der Diskussion stellen.

Auf den Schaden folgt der Spott. Luckes Alfa wies gestern genüsslich darauf hin, dass Heine "für den Kampf gegen Zensur und für Meinungsfreiheit" stehe. Es entbehre nicht der Ironie, dass eine Universität, deren Namenspatron für freie Meinungsäußerung stehe wie kaum ein anderer, ebendiese einschränke und vor linksradikalen Drohungen einknicke. Die Uni solle erwägen, als Alternative den "Schirmherr der Meinungsfreiheit" zu ehren und sich in "Recep-Erdogan-Universität" umzubenennen.

Lesen Sie hier den Kommentar von Uwe-Jens Ruhnau.

(ujr)
Mehr von RP ONLINE