Uni-Klinik Düsseldorf: Tumor während Schwangerschaft - Frau bringt Baby nach OP zur Welt

In Düsseldorfer Klinik : Erst kommt die Tumor-Operation – dann das gesunde Baby

Daniela Schiavano bekam in der Schwangerschaft plötzlich Schmerzen. Diagnose: ein Tumor im Unterbauch. Erst kam die Operation, am Donnerstag dann ihr Sohn nach einem Kaiserschnitt in der Uniklinik Düsseldorf zur Welt.

Daniela Schiavano (40) war gerade in der 29. Schwangerschaftswoche, als sie starke Schmerzen in der Seite bekam. Im Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD) wurde daraufhin ein Tumor am Eierstock festgestellt. Die 40-Jährige musste operiert werden – trotz bestehender Schwangerschaft. Am letzten Donnerstag hat die Benratherin im UKD einen gesunden Jungen zur Welt gebracht. Anderen werdenden Müttern möchte sie Mut machen. „Man darf nie aufgeben und muss daran glauben, dass alles gut wird“, sagt sie.

Daniela Schiavanos Schwangerschaft war bis Mitte Januar ohne Komplikationen verlaufen. „Am 15. Januar habe ich morgens Schmerzen bekommen. Ich habe gespürt, dass ich sofort zum Arzt muss“, erzählt die Sozialpädagogin, für die es bereits die zweite Schwangerschaft war. Ihre Frauenärztin stellte Flüssigkeit im Bauchraum fest. Die 40-Jährige wurde daraufhin ins UKD gebracht. Nach mehreren Untersuchungen wurde ein Tumor an einem Eierstock der werdenden Mutter festgestellt.

„Eine onkologische Diagnose bedeutet nicht automatisch, dass die Frau die Schwangerschaft aufgeben muss oder die Prognose sich verschlechtert“, sagt Klinikleiterin Tanja Fehm, Expertin für Gynäkologische Onkologie. Bei der Behandlung komme es auf den Individualfall an. „Aber es ist schade, wenn Frauen die Schwangerschaft aus Angst aufgeben.“

Chemotherapien oder die Einnahme von Antibiotika seien beispielsweise auch während der Schwangerschaft möglich, sagt Fehm. Die Chemotherapie werde häufig bei schwangeren Brustkrebspatientinnen eingesetzt. Bei Daniela Schiavano war sie jedoch nicht notwendig. Der Großteil des Tumors wurden bei ihr in der 32. Schwangerschaftswoche operativ entfernt.

„Auch bei schwangeren Patientinnen ist ein Bauchschnitt möglich“, sagt Anne Kathrin Volkmer, Oberärtzin am UKD und Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe. Bauchoperationen bei Schwangeren kämen zwar selten vor, seien aber wie im Fall von Daniela Schiavano oder beispielsweise bei Blinddarmentzündungen unumgänglich. Manchmal reichten minimalinvasive Eingriffe aus. „Bei Frau Schiavano war das aufgrund der weit fortgeschrittenen Schwangerschaft nicht mehr möglich, da die Gebärmutter dafür schon zu groß geworden war“, sagt Volkmer.

Die Operation wurde so lange wie möglich hinausgezögert, um die Überlebenschance des Ungeborenen zu steigern. Außerdem wurde mit Hormonen das Lungenwachstum beschleunigt. „Damit wir das Ungeborene bei Komplikationen notfalls hätten holen können“, erklärt Volkmer.

Die OP wurde unter Vollnarkose durchgeführt. Dazu wurde der Bauch mit einem Längsschnitt oberhalb des Bauchnabels geöffnet. Da bei Schwangeren der Blutkreislauf anders ist als normal, mussten die Narkotisierung und der anschließende Eingriff in Seitenlage der Patientin vorgenommen werden. „Die Narkose schadet dem Ungeborenen nicht, es schläft während der OP und wird weiter versorgt“, erklärt Volkmer. Zur Sicherheit wurde das Baby während des etwa zweieinhalbstündigen Eingriffs via Ultraschall überwacht.

Bei dem Tumor handelte es sich um einen Borderline-Tumor. „Das kann man sich vorstellen wie die Vorstufe zu einem bösartigen Tumor“, sagt Volkmer. Ein zweiter Eingriff, um den kompletten Tumor zu entfernen, war notwendig. Er wurde mit der Kaiserschnittgeburt in der 39. Schwangerschaftswoche kombiniert, weshalb auch dieses Mal ein Längsschnitt notwendig war. Am vergangenen Donnerstag wurde das Kind während einer Lokalanästhesie auf die Welt geholt.

Mutter und Sohn geht es gut, diese Woche dürfen sie schon nach Hause. Angst habe sie zu keinem Zeitpunkt gehabt, sagt die junge Mutter. „Ich habe mich im UKD immer gut aufgehoben gefühlt und positiv nach vorne gesehen.“

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