Spatenstisch auf dem Gelände der Uni-Klinik Ein Leuchtturmprojekt für den Kinderschutz

Düsseldorf · Auf dem Campus der Uniklinik entsteht ein spendenfinanziertes Zentrum für Kinderschutz und für die interdisziplinäre Versorgung gewaltbetroffener Menschen. Das Trube-Becker-Haus will Kompetenzen bündeln und die Forschung zu diesem Thema unterstützen. In zwei Jahren soll es stehen.

 v.l.: Frank Schneider, Stephan Keller, Stefanie Ritz, Ertan Mayatepek und Christiane Wiedow-Zillig (Projektmanagerin) nahmen den Spatenstich vor.

v.l.: Frank Schneider, Stephan Keller, Stefanie Ritz, Ertan Mayatepek und Christiane Wiedow-Zillig (Projektmanagerin) nahmen den Spatenstich vor.

Foto: Uniklinik Düsseldorf

Es waren erschütternde Zahlen, an die der Direktor der Kinderklinik, Ertan Mayatepek, anlässlich des Baubeginns für das Kinderschutz-Zentrum Trube-Becker-Haus erinnerte: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehe davon aus, dass „bis zu eine Million Kinder und Jugendliche in Deutschland bereits sexuelle Gewalt durch Erwachsene erfahren mussten oder erfahren“ – das seien ein bis zwei Kinder pro Schulklasse. Allein 2022 seien deutschlandweit rund 15.500 Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch angezeigt worden. Vom Dunkelfeld ganz zu schweigen. „Auch das ist Alltag hierzulande“, sagte der Kinderarzt, der sich jahrelang maßgeblich für die Realisierung des Projektes „Trube-Becker-Haus“ einsetzte.

Insgesamt waren es 12,5 Millionen Euro, die von der Düsseldorfer Bürgerschaft für das „europaweite Leuchtturmprojekt“, wie es Oberbürgermeister Stephan Keller nannte, zusammengetragen wurden. Noch sind es eine große Grube, mehrere Sandhaufen und zahlreiche Betonschachtringe, die davon zeugen, dass auf dem Uniklinik-Gelände bald etwas neues Bedeutendes entstehen wird. Mit dem zu Ehren der medizinischen Pionierin Elisabeth Trube-Becker benannten Institut soll ein neues Zentrum für den Kinderschutz und die interdisziplinäre Versorgung gewaltbetroffener Menschen entstehen.

Beim ersten symbolischen Spatenstich betonten alle Redner den hohen Stellenwert der zwischen dem Rechtsmedizinischen Institut, der Kinderklinik und dem Elternhaus entstehenden Einrichtung.

Der Standort für das „Herzensprojekt“ sei dabei essenziell, wie die sichtlich gerührte und ebenfalls maßgeblich verantwortliche Direktorin des Rechtsmedizinischen Institutes, Stefanie Ritz, hervorhob. Denn das Trube-Becker-Haus soll ganz neue Möglichkeiten für die Versorgung gewaltbetroffener Menschen schaffen, sowohl in Praxis als auch in der Forschung. Die Wege sollen kurz, der interdisziplinäre Austausch hingegen eng gehalten werden – einzig zum Wohle derjenigen, die häuslicher oder sexualisierter Gewalt ausgesetzt waren.

Zukünftig sollen die Rechtsmedizinische Ambulanz für Gewaltopfer des Institutes für Rechtsmedizin, das Sozialpädiatrische Zentrum der UKD-Kinderklinik und das Childhood-Haus Düsseldorf unter einem Dach vereint sein. Es gehe darum, „eine niederschwellige und kompetente Anlaufstelle im Gesundheitswesen für Betroffene zu etablieren“, so Ritz.

Die bereits jetzt eng zusammen arbeitenden Einrichtungen können im neuen Institut künftig noch enger räumlich und personell zusammenwachsen. Durch Synergien werde eine ganzheitliche, interprofessionelle Versorgung sichergestellt. Da im Haus gleichzeitig zu dem Thema geforscht werden soll, könnten auch neue Wege für Prävention und Nachsorge entwickelt werden.

Dieses „einzigartige Projekt“ soll laut Mayatepek auch durch den an der HHU neu errichteten Lehrstuhl „Versorgungsforschung im Kindes- und Jugendalter“ unter Professorin Freia De Bock weitere Unterstützung erfahren. An einem universitäts-medizinischen Standort müsse man „immer einen Schritt voraus sein für die Opfer und Angehörigen“, sagte Frank Schneider, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums.

Eine Gesellschaft werde auch daran gemessen, wie sie mit den Schwächsten umgehe, erklärte Düsseldorfs Oberbürgermeister in Anlehnung an ein Gustav Heinemann zugeschriebenes Zitat. „Dazu gehören auch diejenigen, die sexuelle, körperliche oder schwere verbale Gewalt erfahren haben“, sagte Keller.

In diesem Sinne sei er angesichts der großen Spendenfreude der Düsseldorfer Zivilgesellschaft „dankbar, demütig und auch stolz auf die Bürgerschaft unserer Stadt“.

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