Ungewöhnliche und skurrile Straßennamen in Düsseldorf

Heimat-Serie : Straßen, ihre Namen und Geschichten

In Düsseldorf kann man durchaus auf dem Holzweg sein. Eine Auswahl von ungewöhnlichen Straßennamen.

Benrodestraße in Benrath: Die Benrodestraße ist eine etwa einen Kilometer lange Straße, an der unter anderem das Benrather Rathaus liegt. Benannt ist die Straße nach dem Rittergeschlecht Benrode, das erstmals 1222, also noch vor der Stadtwerdung Düsseldorfs, urkundlich erwähnt wird. Die Burg der Ritter von Benrode, die auf dem Gebiet des heutigen Schlossparks stand, ging im 14. Jahrhundert in den Besitz der Herzöge von Berg über.

Nach mehreren Um- und Neubauten der Residenz entstand schließlich ab 1755 das heutige Schloss Benrath. Wie so häufig im Mittelalter entstanden Siedlungen rund um Adelssitze, und so erinnert noch heute die Benrodestraße an das Rittergeschlecht, auf das der Stadtteil Benrath zurückgeht.

Auf den Steinen in Hamm: In diesem Jahr feiert der ländlich geprägte Stadtteil Hamm sein 625-jähriges Bestehen. Was wenige außerhalb von „Wirsing-City“, wie die Hammer ihr Dorf halb spöttisch selbst nennen, wissen: Der Stadtteil bestand ursprünglich aus zwei Siedlungen, Hamm und Auf den Steinen, mit der Fährstraße als Grenze. Mit der zunehmenden Besiedlung – wenn auch nie so dicht wie in anderen Vierteln – wuchsen die beiden Bauernschaften zusammen und bilden heute den Stadtteil Düsseldorf Hamm.

Hilarius-Gilges-Platz in der Altstadt: Der Hilarius-Gilges-Platz zwischen Ritter- und Eiskellerstraße erinnert an das erste Opfer des Nationalsozialismus in Düsseldorf. Der farbige Schauspieler und Kommunist Hilarius Gilges, Sohn einer Textilarbeiterin und, so wird vermutet, eines afrikanischen Rheinschiffers, gehörte zu den ersten Afrodeutschen, die vor dem Ersten Weltkrieg in Düsseldorf geboren wurden.

Nach einem handgreiflichen Streit mit einem Stahlhelm-Mitglied wurde Gilges in der Nacht zum 20. Juni 1933 von SA- und SS-Männern aus seiner Wohnung in der Altstadt entführt und am Rheinufer brutal ermordet. Er wurde nur 24 Jahre alt, und auf das Verbrechen folgten noch zwölf Jahre NS-Terror in Düsseldorf. Die Täter wurden nie gerichtlich verurteilt.

Internetstraße im Hafen: Noch ist nichts entschieden, aber es könnte bald in Düsseldorf eine Internetstraße geben. Auf Initiative von SPD-Politiker Philipp Tacer könnte eine Straße – zum Beispiel im Hafen, wo viele Betriebe der IT-Branche angesiedelt sind – nach dem weltweiten Kommunikationssystem benannt werden. Tacer und die Befürworter der Idee argumentieren, dass das Internet eine ähnlich bedeutende Rolle in der Gesellschaft einnehme wie früher die Poststationen oder Marktplätze – und Post- und Marktstraßen gebe es überall.

Holzweg in Hellerhof: Der Holzweg markiert die Grenze zwischen dem Stadtteil Hellerhof und Baumberg und ist damit Düsseldorfs südlichste Straße. Eine spannende Geschichte verbirgt sich wohl nicht hinter dem kleinen Pfad – dafür aber eine Fülle von Wortspielen.

Helmutstraße in Rath: Nicht einmal alle Anwohner wissen, welcher Helmut hier geehrt wird. Tatsächlich erinnert die Helmutstraße an einen Politiker, aber nicht an die Bundeskanzler dieses Namens, sondern an den preußischen Generalfeldmarschall Helmuth von Moltke. Die Helmutstraße hieß bis 1909, bis zur Eingemeindung Raths nach Düsseldorf, tatsächlich Moltkestraße. Um eine Dopplung mit der gleichnamigen Straße in Pempelfort zu vermeiden, mussten die Rather einen neuen Namen wählen, wollten die Widmung jedoch beibehalten und entschieden sich für den Vornamen des Politikers. Genauso verfuhr man auch mit der Friedrichstraße, die im Gedenken an Prinz Eitel Friedrich von Preußen in Eitelstraße umbenannt wurde, und der heutigen Kanzlerstraße, die bis 1909 Bismarkstraße hieß. Mit der Eingemeindung wurde die Hälfte der Straßennamen in Rath ausgetauscht.

An der Piwipp Viele Straßennamen, die sich für die Menschen skuril anhören, basieren tatsälich auf der Mundart. So ist es wahrscheinlich auch mit der Straße An der Piwipp. Bis zur Eingemeindung von Rath 1909 verlief die Stadtgrenze an dieser Stelle – höchstwahrscheinlich mit einem Schlagbaum, einer „Wippe“, wie der Düsseldorfer sagt. So könnte im Laufe der Jahre aus „Bi de Wippe“ der heutige Name An der Piwipp entstanden sein. Ähnliche Erklärungen gibt es unter anderem für die Straße In den Blamüsen, die auf ein ehemaliges, dreckiges Gelände an dieser Stelle und folglich Mäusen mit schmutzigem, blau-grauem Fell hinweist.

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