2013 abgesagt: Unesco-Gala - Düsseldorfs glamourösestes Event

2013 abgesagt : Unesco-Gala - Düsseldorfs glamourösestes Event

Ob es den Ball nochmals geben wird, ist nicht klar. Düsseldorf verliert damit sein glamourösestes Event - das aber auch umstritten war.

Als Ute Henriette Ohoven vor 25 Jahren zum ersten Mal zu einem Ball lud, da nannte man das Motiv noch Wohltätigkeit. Ein Begriff namens Charity war den Deutschen damals noch fremd. Keiner der Gäste konnte seinerzeit ahnen, die Mutter aller Charity-Galas zu erleben. Was folgte, war eine in jeder Beziehung beispiellose Auftritt-Serie unzähliger Global Player aus dem Fach reich, schön, wichtig, beeindruckend: Der Dalai Lama war da, aber auch Waffenhändler Adnan Kashoggi und Jassir Arafat, die Begum kam mit - saalsprengendem - 80-Kopf-Gefolge, Jennifer Lopez wurde bestaunt, Shirley Bassey sang, Shakira auch. Die Liste der berühmten Gäste ist schier endlos: Prinzessin Haya von Jordanien, Dionne Warwick, Paul Anka, Sir Peter Ustinov, Kanzler a.D.. Helmut Kohl, Franz Beckenbauer, Liz Mohn, H.I.M Farah Diba Pahlavi, Lionel Richie, Sienna Miller, Dianne Kruger, Jane Fonda, Donatella Versace, Goldie Hawn, Dame Helen Mirren, Montserrat Caballé, Placido Domingo, Tommy Hilfiger, Phil Collins, Bob Geldof, Eros Ramazzotti.

Das Ganze wurde inszeniert, um Geld zu sammeln. Geld, das weltweit Kindern in Not zugute kommen sollte, um ihr Überleben und eine bessere Bildung zu sichern. Ute Ohoven reiste in die Länder der Dritten Welt, ließ sich ablichten auf Müllkippen in Manila und in Elendsvierteln Brasiliens.

Dass sie dabei stets schick gekleidet war und sich nicht scheute, mit dem Chanel-Kostüm vor all dem Elend zu posieren, warfen ihr viele vor. Sie schien davon unberührt. Ob sie es wirklich war, sagte sie nie. Ihr Sprecher, Thomas Goesmann, sagte am Dienstag, in der gesamten Zeit seien 35 Millionen Euro zusammengekommen für verschiedene Projekte weltweit.

Die Zahl ist ebenso oft überprüft wie bezweifelt worden, aber unter dem Strich dürften tatsächlich etliche Millionen geflossen sein. Wenn Ute Ohoven nun ankündigt, die 2013-Gala ausfallen zu lassen und über neue Projekte nachdenken zu wollen, werden sich ihre Kritiker bestätigt fühlen. Schließlich wird schon lange unterstellt, die Gala sei auf dem absteigenden Ast, es falle immer schwerer, Sponsoren und interessante - zahlende - Gäste zu finden.

Fest steht, dass große Teile von Düsseldorfs Gesellschaft das Event zuletzt eher mieden. Auch bei den Sponsoren wuchs Zurückhaltung - so stieg Mercedes schon vor Jahren aus, angeblich hatte es hinter den Kulissen heftigen Streit um die Rückgabe von Autos, Beschädigungen und verloren gegangene Papiere gegeben. Beide Seiten haben das nie bestätigt, aber Mercedes ist nicht mehr dabei.

Andere Vorkommnisse waren fast schon Folklore: Beispielsweise entpuppte sich in einem Jahr einer der Geschäftsführer der Veranstaltung als per Haftbefehl gesuchter Hochstapler. Oder die Begum sprengte fast den Ball, weil sie plötzlich mit einer 80-köpfigen Delegation vor dem Saal stand und darauf bestand, alle mitbringen zu dürfen. Daraufhin wurde es eng an den Tischen.

Nicht totzukriegen auch das Ondit, wonach Ohoven-Gatte Mario Verkäufer seiner Finanzdienstleister-Firmen in den Saal geschleust haben soll, sich von jedem eine Art Provision zahlen ließ, um dabei sein zu dürfen und womöglich zahlungskräftige Kunden kennenlernen zu können.

Heftig dementiert wird auch, dass die internationalen und nationalen Stars keinesfalls ohne Entgelt kamen, sondern sich den Auftritt bezahlen ließen (mit Geld, First-Class-Flügen, Luxus-Hotelzimmern) oder eben auch von der enormen Medienpräsenz angelockt wurden. Fest steht, dass Mario Ohoven - ein in der Szene durchaus umstrittener Vertreter der Zunft der Finanzdienstleister - ohne das Engagement seiner Frau nicht so bekannt geworden wäre.

Nun also ist das vorbei, Ute Ohoven tritt ab - auf dem Zenit, wie sie es sagt. Ohoven: "Ich bin zu diesem Entschluss gekommen, da dies nicht mehr zu toppen ist und die beiden letzten Galas ein solch hohes Ranking erreichten, mit Stars und Persönlichkeiten wie Präsident a.D. Michail Gorbatschow, Forest Whitaker, Jet Lee, Clive Owen, Naomi Campbell, Shah Rukh Khan, Iris Berben, Mario Adorf, Eva Herzigová. Es gibt ein sehr schönes Sprichwort: 'Auf dem Zenit deines Erfolges sollst du eine andere Herausforderung suchen.' Ich bin momentan dabei, ein neues Konzept zu entwickeln und möchte auch da wieder Pionierin sein. Es gibt heute viele Nachahmer, die gute Benefiz-Veranstaltungen in Deutschland durchführen, darüber bin ich sehr glücklich und stolz."

Düsseldorf verliert damit seine einzige echte Glamour-Veranstaltung. Es gab hier andere Bälle, der Prinzenball im Karneval ist ein gesellschaftliches Ereignis - aber eine solche Zahl von echten Promis aus der ganzen Welt hat kein anderer an den Rhein gebracht. Bambi vielleicht ausgenommen - aber auch dessen Glanz schwindet, wie man zuletzt in Düsseldorf erlebte.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Gorbatschow, Naomi Campbell und Shah Rukh Khan in Düsseldorf

(anch)
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