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Düsseldorf: Umweltzone verärgert Handwerksbetriebe

Düsseldorf : Umweltzone verärgert Handwerksbetriebe

Seit gestern sind Autos und LKW mit gelber Plakette in Düsseldorf nicht mehr zugelassen. Viele Handwerksbetriebe müssen kostspielig aufrüsten oder sich vom TÜV eine Sondererlaubnis ausstellen lassen.

Es ist vor allem Verunsicherung, die derzeit viele Handwerksbetriebe, aber auch Privatleute plagt: Seit gestern ist es nur noch Autos und LKW mit grüner Plakette erlaubt, durch Düsseldorf zu fahren, die Umweltzone wurde zum 1. Juli ausgeweitet. Vor allem Betriebe mit Spezialfahrzeugen wie etwa Abschleppwagen müssen deshalb zum Teil hohe Aufrüstungskosten auf sich nehmen. Wessen Wagen so veraltet ist, dass er nicht mehr mit einem modernen Katalysator zur Vermeidung von Feinstaub ausgestattet werden kann, braucht hingegen eine Sondergenehmigung, die durch den TÜV ausgestellt wird. Hauptkritik vieler: Die Umrüstung ist zu teuer, das Verfahren für die Sondererlaubnis zu undurchsichtig.

"Ich habe Personalverantwortung für 120 Mitarbeiter und habe alleine zehn Abschleppwagen. Die musste ich jetzt alle umrüsten lassen und insgesamt 70 000 Euro dafür in die Hand nehmen", sagt Heinz-Josef Winkler. Er ist Inhaber einer KFZ-Werkstatt und unterhält zudem den für Düsseldorf vom ADAC beauftragten Abschleppdienst. "Natürlich wussten wir, dass irgendwann die Umweltzone erweitert wird. Aber wie es halt im laufenden Betrieb ist, ist die ganze Sache untergegangen und erst vor ein paar Wochen wieder in unsere Aufmerksamkeit gerückt. Und dann mussten wir ziemlich schnell handeln", sagt Winkler. Die Stadt hätte bei Unternehmen und Privatpersonen offensiver für die Ausweitung der Zone werben müssen, findet er.

Ein Vorwurf, den das Düsseldorfer Straßenverkehrsamt nicht verstehen kann: "Es ist genug geworben worden", sagt Amtsleiter Peter Keulertz. Dennoch sind auch bei ihm im Amt vor allem in den vergangenen Wochen insgesamt 200 Anträge auf Sondergenehmigungen für Düsseldorfer Fahrzeuge mit gelber Plakette eingegangen. Stattgegeben wurden allerdings nur 30 von ihnen. "Die meisten Fälle sind Autos, die nicht nachgerüstet werden können. Da erteilen aber nicht wir die Ausnahmegenehmigung, sondern TÜV oder Dekra. Und wer dann eine solche Bescheinigung hat, darf sie auch uneingeschränkt nutzen."

Für Bernd Hönig gilt dies nicht. Denn der Abschleppwagen seiner Werkstatt ist bereits so alt, dass er gar keine Plakette hat. Zwar hatte auch er bisher eine Sondergenehmigung, doch mit Ausweitung der Umweltzone ist diese nun abgelaufen. Die Alternative: die Anschaffung eines neuen Fahrzeugs für rund 80 000 Euro. Für den Selbstständigen ein Preis, den er nicht so leichtfertig aufbringen kann und auch nicht zahlen will. "Wir fahren insgesamt 3000 bis 4000 Kilometer mit dem Wagen pro Jahr. Es rechnet sich deshalb nicht, ein neues Fahrzeug anzuschaffen", sagt er. Vor allem, da er auch nicht glaube, dass gerade er mit seinem Wagen maßgeblich zur Feinstaubbelastung beitrage. Und verglichen mit dem Preis für einen neuen Wagen sei die Strafe von 80 Euro für das Nicht-Einhalten der Regeln noch verschmerzbar.

Die Handwerkskammer kritisiert derweil vor allem die bürokratische Belastung für ihre Mitglieder: "Es ist wieder eine Bescheinigung, die die Handwerker besorgen müssen. Mit der ganzen Bürokratie muss auch mal Schluss sein", sagt Kammersprecher Alexander Konrad.

(RP)