Reserviert für Busse, Räder und Taxis: Umweltspuren starten in den Osterferien

Reserviert für Busse, Räder und Taxis : Umweltspuren starten in den Osterferien

Bis zum Herbst will die Stadt die Auswirkungen des Experiments auf zwei Hauptstraßen messen. Autofahrern droht beim verbotswidrigen Befahren nur eine geringe Strafe.

Die Pläne für die ersten beiden Umweltspuren nehmen Form an. In den Osterferien soll eine Firma die Markierung auf der Merowingerstraße und der Prinz-Georg-Straße aufbringen. Auf den Straßen ist dann jeweils eine Fahrspur nicht mehr für Autos vorgesehen, sondern nur noch für Busse, Fahrräder, E-Autos und Taxis. Dazu könnten Fahrgemeinschaften mit drei oder mehr Passagieren im Auto kommen, wenn das rechtlich zulässig ist. Was schon feststeht – und was noch unklar ist:

Wo entstehen die Spuren? Die Stadt hat zwei wichtige Pendler-Strecken ausgewählt. Beide werden täglich von mehr als 20.000 Autos befahren – und sind mit einer Stickoxidkonzentration deutlich über dem Grenzwert belastet. Auf der Merowingerstraße in Bilk soll die Spur vom Südring bis zum Bahnhof Bilk eingerichtet werden, allerdings nur stadteinwärts. Geprüft wird noch, ob schon eine der beiden Abbiegespuren vom Südring einbezogen wird, damit sich der Verkehr besser einfädelt. Stadtauswärts wird vorerst auf die Umweltspur verzichtet. Denn dort läge der Start, vor dem der Autoverkehr ins Stocken geraten dürfte, in einem Wohngebiet – das dadurch höher belastet würde. In der Prinz-Georg-Straße (Pempelfort) wird die Umweltspur in beide Richtungen angelegt. Eine dritte, erheblich längere Spur könnte im Sommer von Witzel- über Cornelius- bis Kaiserstraße folgen. Die Politik hatte im Januar zugestimmt, die CDU war dagegen.

Wie sehen die Spuren aus? Das wird noch geklärt. Eine Umweltspur mit dieser Definition ist eine Düsseldorfer Erfindung, die erstmals erprobt wird. Die Spuren werden wohl durch Rad- und Buspiktogramme und eigene Schilder markiert. Die Spur wird nicht durch rote Farbe herausgehoben.

Wer hat die Spuren veranlasst? Erarbeitet wird das Projekt im Verkehrsdezernat im Rathaus. Die Stadt sah sich aber „gedrängt“ von NRW-Verkehrsministerium und Bezirksregierung – die offenbar Zweifel haben, ob ihr im Herbst vorgestellter Luftreinhalteplan gegen die Klage der Umwelthilfe besteht. Die Umweltspuren, die auf Hauptstraßen eine schnelle Luftverbesserung ohne Fahrverbote versprechen, könnten Punkte bei den Richtern des Oberverwaltungsgerichts Münster bringen. Wann die ihre Entscheidung fällen, ist ungewiss.

Welche Auswirkungen auf den Verkehr werden erwartet? Dazu gibt es bislang keine detaillierten Berechnungen, erst der Praxistest soll Klarheit bringen. Die Stadt lässt derzeit die bisherigen Verkehrsströme zählen, bis September wird dann überwacht, wie sich der Verkehr neu verteilt. Viele Autofahrer dürften auf Parallelachsen ausweichen, die Buslinien dürften hingegen Zeit gewinnen. Das grundsätzliche Ziel des Experiments ist es, die Alternativen zum Auto attraktiver zu machen und Menschen zum Umstieg auf Rad und ÖPNV zu bewegen. Das ist auch im Sinne des Ampel-Bündnisses aus SPD, Grünen und FDP, das wegen der überlasteten Straßen eine Verkehrswende vorantreiben will. Der Versuch ist zunächst auf ein Jahr begrenzt.

Wie werden die Umweltspuren kontrolliert? Das ist Sache der Polizei. Polizeipräsident Norbert Wesseler sagte am Mittwoch, man unterstütze gern durch Kontrollen bei Verkehrsversuchen, da diese für Düsseldorf nötig seien. Die Strafe für Autofahrer, die verbotenerweise die Umweltspur befahren, liegt nach Angaben aus dem Rathaus bei nur 15 Euro.

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