Ehemaliges Gefängnisareal: Ulmer Höh': Wohnen mit Erinnerung

Ehemaliges Gefängnisareal : Ulmer Höh': Wohnen mit Erinnerung

Das niederländische Architekturbüro BDP Khandekar hat den Wettbewerb zur Planung neuer Wohnquartiere auf dem Gelände des ehemaligen Gefängnisses gewonnen. Mittelpunkt ist ein Park mit Fußabdrücken der Geschichte. Der Entwurf ist Grundlage für Verhandlungen mit Investoren.

Die Spuren des Gefängnisses Ulmer Höh' werden in den geplanten neuen Wohnquartieren sichtbar bleiben. Das Gebäude mit der Gefängniskapelle bleibt erhalten, und die Umrisse der kreuzförmigen Gefängnistrakte sind im Boden sichtbar und werden zum Mittelpunkt eines Parks. Das sieht der Entwurf des niederländischen Architekturbüros BDP Khandekar vor, der von einer Jury als beste Arbeit in einem Gutachterverfahren mit insgesamt sechs Architektenteams ausgewählt wurde.

Sechs Monate lang hatten die Teams an der städtebaulichen Planung für das etwa fünf Hektar große Gebiet gearbeitet, das nach dem Umzug der Justizvollzugsanstalt Ulmer Höh' neu genutzt werden kann und zu einem Wohngebiet werden soll. Dem Land NRW, in dessen Auftrag der Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) NRW das Planungsverfahren federführend betreibt, gehört der größte Teil der Fläche, auch die Awista, sowie der Sozialdienst katholischer Frauen und Männer (SKFM) sind Eigentümer von Flächen des Plangebietes. Während des Verfahrens hatten bereits mehrere Bürgergruppen ihre Wünsche angemeldet. Sie wollen beispielsweise bezahlbare Wohnungen auch für Senioren, Wohnen mit aktiver Nachbarschaft, die Kapelle als Treffpunkt oder als Zentrum für Kunstaktionen nutzen.

Die Chancen dafür stehen gut. Denn das Architekturbüro Khandekar will die Kapelle erhalten. "Auf dem Gelände soll ein Fußabdruck der Ulmer Höh' als Erinnerung der Geschichte zu sehen sein", hatte Beate Begon vom Architekturbüro bei der Vorstellung ihrer Ideen auf einem Bürgerabend erklärt. Neben der Kapelle wird der Fußabdruck die gepflasterte Fläche in Kreuzform sein, die den Grundriss der Gefängnisbauten nachzeichnet. "Diese andere Denkweise für eine Nutzung des Grundstücks, deren Qualität bei genauem Hinsehen deutlich wird, hat zur Wahl des Entwurfs beigetragen", sagte BLB-Chef Hans-Gerd Böhme. Die sichtbare Erinnerung an die Vorgeschichte trage zur Identifikation des Geländes bei.

Die Erinnerung ist aber nicht bedrohlich, sondern fröhlich. Das Kreuz ist Mittelpunkt eines großzügigen Parks, der für Bürger-Aktionen offen ist. "Der Park ist zugleich eine wichtige Verbindung zwischen den Wohngebieten im Westen und Osten und passt gut in die Stadtstruktur", sagte Düsseldorfs Planungsdezernent Gregor Bonin. Um diese Grünflächen seien die einzelnen Gebäude gut angeordnet. 350 Wohnungen sieht der Entwurf vor, fünf bis zehn Prozent sollen sozialer Wohnungsbau sein. "Aber die Zahl der Wohnungen kann noch auf 500 — wie verlangt worden war — erhöht werden", sagte Böhme.

Inwieweit die Wohnungen preiswert sind, hänge laut Böhme auch von den Verkaufspreisen und von den Investoren ab, die für das Areal gesucht werden. Die Bürgergruppen, die dort einziehen wollen, sollen bei der Diskussion über die Nutzung beteiligt werden. "Es werden sicherlich Möglichkeiten gefunden, die Wünsche zu Investoren hin zu kanalisieren", versprach Bonin.

(RP)
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