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Fahrlehrer zu hoher Durchfaller-Quote: "Überall gibt es den gleichen Prozentsatz von Pfeifen"

Fahrlehrer zu hoher Durchfaller-Quote : "Überall gibt es den gleichen Prozentsatz von Pfeifen"

Die vielen ausländischen Fahrschüler seien der Grund für steigenden Durchfaller-Zahlen bei der Führerscheinprüfung, sagt der Fahrlehrer-Dachverband. Quatsch, sagt Heinz Krupp. Der erfahrene Fahrlehrer glaubt nicht, dass Talent zum Autofahren mit der Nationalität zu tun hat.

Die vielen ausländischen Fahrschüler seien der Grund für steigende Durchfaller-Zahlen bei der Führerscheinprüfung, sagt der Fahrlehrer-Dachverband. Quatsch, sagt Heinz Krupp. Der erfahrene Fahrlehrer glaubt nicht, dass Talent zum Autofahren mit der Nationalität zu tun hat.

35 Prozent Durchfaller-Quote in der Theorieprüfung, knapp 29 Prozent in der Praxis - offenbar ist es nicht ganz leicht, in NRW den Führerschein zu machen. Zum vierten beziehungsweise dritten Mal in Folge stiegen die Zahlen.

Doch mit der Erklärung der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände für diese Zahlen sind nicht alle Fahrlehrer einverstanden. Deren Vorsitzender führt die Steigerung auf den größeren Anteil nicht-deutschsprachiger Bewerber zurück.

Ana Wiegandt (21) bei ihrer ersten Fahrstunde mit Fahrlehrer Heinz Krupp. Mit Fleiß und ausreichender Vorbereitung könne jeder die Prüfungen bestehen, sagt er. Foto: Ana Wiegandt

Heinz Krupp ist anderer Ansicht. Der 68-Jährige arbeitet seit 42 Jahren als Fahrlehrer, seit 37 Jahren betreibt er seine Fahrschule in den Stadtteilen Oberbilk und Friedrichstadt.

Herr Krupp, was halten Sie von der Ansicht der Bundesvereinigung, dass Ausländern die Theorieprüfung besonders schwer falle?

Krupp Da würde ich widersprechen. Schon alleine, weil man die theoretische Prüfung in allen europäischen Sprachen plus Arabisch ablegen kann. Außerdem gibt es mittlerweile Fahrlehrer bei uns, die aus Marokko oder der Türkei stammen und dementsprechend auch in dieser Sprache unterrichten können. Das kann also nicht der Grund sein.

Die Bundesvereinigung der Fahrlehrer sagt, dass Nicht-Deutsche mit einer anderen Verkehrskultur aufgewachsen seien und deshalb größere Schwierigkeiten hätten.

Krupp Auch das würde ich so nicht sehen. Den Fahrschülern mit Migrationshintergrund wird ja zu Hause nicht gesagt: Alle Regeln in Deutschland sind zu missachten. Meiner Beobachtung nach gibt es in jedem sozialen System ungefähr den gleichen Prozentsatz von Pfeifen. Dazu kommt, dass in Deutschland insgesamt die Regelkultur nachgelassen hat. Man sieht beispielsweise immer mehr Mütter und Väter, die mit ihren Kindern bei Rot über die Straße gehen. Das hat aber nichts mit der Nationalität zu tun.

Woran liegt es dann, dass so viele Fahrschüler die Prüfungen nicht schaffen?

Krupp Ein Drittel der Bevölkerung hat Zahnfleischbluten und ein Drittel der Fahrschüler fällt durch. Das war vor 30 Jahren genauso wie heute.

Und woran liegt das?

Krupp Es liegt daran, dass es immer Fahrschüler gibt, die nicht ausreichend vorbereitet in die Prüfung gehen. Nehmen Sie die Theorieprüfung: Manche Leute sind gut im Lernen und haben eine schnelle Auffassungsgabe. Wer nicht gut lernen und schnell begreifen kann, muss das durch Fleiß kompensieren. Wie viel nötig ist, ist bei jedem anders. Genauso in der Praxis: Wer weniger Talent zum Fahren hat, muss eben mehr üben.

Es ist natürlich etwas erwartbar, dass Sie als Fahrlehrer sagen: Die Leute müssen halt mehr Fahrstunden nehmen.

Krupp Das sage ich aber auch nicht. Es muss eben ein bestimmtes Level erreicht werden, damit man die Prüfung besteht. Für mich als Fahrlehrer ist es aber wirtschaftlich gar nicht sinnvoll, wenn jemand endlos viele Fahrstunden nimmt. Die Grundgebühr bekomme ich ja nur ein Mal. Wenn jemand weniger Fahrstunden braucht, ist das dementsprechend sogar günstiger für mich.

Wieviele Ihrer Fahrschüler sind Migranten der ersten oder zweiten Generation?

Krupp Unsere Fahrschule befindet sich in Friedrichstadt und Oberbilk - dementsprechend sind es etwa 50 Prozent. Und das schon seit ewigen Zeiten.

(hpaw)