Düsseldorf: Über die Barmherzigkeit

Düsseldorf : Über die Barmherzigkeit

Bibelnacht in der Kirche Heilige Familie ruft dazu auf, sich anderen zuzuwenden, sie anzunehmen und ihnen zu verzeihen.

Der Pfarrsaal der Kirche Heilige Familie an der Carl-Sonnenschein-Straße ist mit Gestecken und Tannengrün geschmückt, Kerzen spenden ein wenig Licht. Im Halbkreis sitzen die Besucher um das Wort Barmherzigkeit, die einzelnen Buchstaben aus Teelichten gebildet. Und obwohl das Heilige Jahr der Barmherzigkeit, ausgerufen von Papst Franziskus, bereits am 20. November endete, rief der Ökumenische Arbeitskreis der Gemeinde noch einmal dazu auf, sich dem Anderen zuzuwenden, den Nächsten anzunehmen, zu vergeben und zu verzeihen.

Nach der Premiere im vergangenen Jahr organisierte der Ökumenekreis auch in der aktuellen Adventszeit eine Bibelnacht, die sich erneut gezielt einem Bibeltext widmete. Hin und wieder von Fotos, die an die Wand des Gemeindezentrums projiziert wurden, begleitet, lasen acht Personen des ökumenischen Arbeitskreises den alttestamentarischen Text Tobit. "Auch die zweite Bibelnacht haben wir in der Vorweihnachtszeit bewusst ruhig angelegt", erklärt Klaus-Peter Vogel (63), Leiter des Ortsausschusses. "Es soll in der mitunter hektischen Vorweihnachtszeit eine Einladung sein, den Text bewusst zu hören, aber auch ein wenig Ruhe zu finden und sich im Rahmen des entspannten Abends eigene Gedanken über das Thema machen zu können." Weil der Text aufwendig mit verteilten Rollen gelesen wurde, bereitete sich der Arbeitskreis um Vogel bereits seit Mai dieses Jahres auf den aktuellen Bibelabend vor. Nicht nur, weil Textpassagen den einzelnen Charakteren zugeordnet werden mussten, der ökumenische Arbeitskreis arbeitete auch Gesänge und Gebete in den Text ein.

Und nicht nur die Zuhörer konnten so den Inhalt des Textes hörspielgleich auf sich wirken lassen: "Über das intensive Studium des Textes profitierten wir inhaltlich enorm von dieser gemeinsamen Arbeit", sagt Pastor Markus Wasserfuhr (51), der die Lesung aktiv begleitete. Und auch Christiane Hanemann (72), die an diesem Abend die Rolle der Erzählerin übernommen hatte, ist begeistert: "Bei der gezielten Vorbereitung habe ich sehr viel Neues über den Bibeltext erfahren", sagt sie. "Insbesondere die im Text beschriebenen historischen Sitten und Gebräuche haben mich dabei fasziniert." Mit der Bibelnacht erprobt die Gemeinde neben des intensiven Textstudiums auch neue Formen der Begegnung. Und damit auch Alternativen zu klassischen Gottesdiensten: "In der Gemeindearbeit sind wir als Laien immer mehr gefordert", sagt Vogel. "Als Gemeinde müssen wir uns auf den Weg machen zu akzeptieren, dass auch andere Modelle der gemeinschaftlichen Begegnung wichtig sind." Die Besucher des Abends wurden nach Vortrag des Textes zu einer Diskussion eingeladen. Ein Abendgebet beendete schließlich die zweite Bibelnacht. "Ich begrüße es sehr, dass die Gemeinde solche Abende anbietet", sagte ein Besucher. "Eine wunderbare Form zeitgemäßer und lebendiger Kirchenarbeit."

(RP)