Uber statt Taxi - der Selbsttest

Unternehmen seit Freitag in Düsseldorf aktiv : Uber statt Taxi - der Selbsttest

Am Freitag ist der neue Taxidienst in Düsseldorf gestartet. Über das Handy können private Fahrer bestellt werden. Der Praxistest zeigt: Ist der Fahrer erst einmal da, ist es unkompliziert. Die Technik macht allerdings noch Probleme.

Uwe (Name geändert) öffnet die Beifahrertür seines Multivans, streckt mir seine Hand entgegen und grinst mich an. Ein Mittvierziger mit Halbglatze in einem blauen Businesshemd. "Darf ich Du sagen?", fragt er direkt, nachdem ich mich angeschnallt habe. Ich nicke. Uwe macht einen netten Eindruck. Auf der Rückbank gibt es einen Kindersitz. "Von unserem Kleinen", sagt er.

Ich bin Uwes erster Fahrgast. Der Familienvater aus Düsseldorf fährt zum ersten Mal nebenberuflich für die ursprünglich kalifornische Taxi-App "Uber Pop", die gestern um 12 Uhr auch in Düsseldorf an den Start ging. Das deutsche Wort "Uber" setzen die Amerikaner gerne vor das Wörtchen "cool". "Ubercool" ist dann noch cooler als cool. Privatleute nehmen bei dem Fahrdienst Fahrgäste in ihren privaten Autos mit, der Fahrweg und -preis wird mithilfe eines GPS-Systems berechnet. Die Bezahlung funktioniert über Kreditkarte.

Einige Stunden bevor ich in Uwes Auto einsteige, habe ich die App auf meinem Handy installiert. Der erste Versuch mit meinem eigenen, drei Jahre alten Android-Smartphone scheitert. Das Gerät kommt mit dem hohen Datenvolumen wohl nicht klar, die App hängt, macht minutenlang gar nichts. Schließlich leihe ich mir das iPhone einer Kollegin. Damit läuft auf den ersten Blick alles reibungslos.

Ich registriere mich mit meinem Namen und meiner Handynummer. Dann muss ich doch etwas schlucken. Ich soll meine Kreditkartennummer angeben, mit Prüfziffer und Ablaufdatum. Augen zu und durch. Etwas mulmig ist mir dabei schon, dem Unternehmen einfach so diese sensiblen Daten zu überlassen. Selbst, wenn ich die App hinterher wieder deinstalliere, die Daten sind bei Uber. Kein gutes Gefühl.

Auf dem Startbildschirm wird mir auf einer Karte angezeigt, wo ich bin: an der Königsallee in der Innenstadt. Die Uber-Fahrer sind als kleine, schwarze Autos eingezeichnet. Ich drücke auf "Abholung an diese Adresse bestellen" und warte. Im Minutentakt wird jetzt runtergezählt, wann Uwe bei mir sein wird. Sein Profil mit Foto kann ich auch sehen. In drei Minuten soll er da sein. Ich verfolge auf dem Bildschirm, wie sich das Auto auf mich zubewegt. Dann ist Uwe da. Er erkennt mich sofort, wie ich da so mit meinem Handy am Straßenrand stehe. Sein Auto ist sehr sauber und gepflegt.

Aus privatem Interesse habe er sich bei Uber beworben, erzählt Uwe. Die Aufnahme sei einfach gewesen: Mitarbeiter von Uber haben sein Auto inspiziert und seinen Führerschein. Außerdem habe er ein polizeiliches Führungszeugnis einreichen müssen.

Die App zeigt an, wie lange es noch dauert, bis das angeforderte Fahrzeug am vereinbarten Treffpunkt ist. Foto: Endermann, Andreas (end)

Bei leise dudelnder Radiomusik fahren wir durch die Stadt, ich lasse mich zu einem Hotel am Medienhafen fahren. Uwe fährt sehr ruhig. Doch was ist, wenn doch mal was passiert? Uwe sieht das realistisch. "Noch würde wohl meine private Haftpflicht dafür aufkommen. Aber wenn ich viele gewerbliche Fahrten mache, könnte das zum Problem werden", sagt er. Wir kommen an, Uwe drückt auf sein Handy, um die Fahrt zu beenden und kann mich nun als Fahrgast bewerten. "Ich gebe dir fünf Sterne, weil du so nett warst", sagt er. Sekunden später vibriert mein Handy. Ich akzeptiere die Abbuchung von sieben Euro von meiner Kreditkarte und gebe Uwe auch fünf Sterne.

Die Taxifahrer, die am Hotel stehen, frage ich, was ich bei ihnen für die Fahrt bezahlt hätte. Zehn bis elf Euro, sagen sie. Ich erzähle ihnen von Uber und sie winken direkt ab. "Die machen uns kaputt, es sind schon so zu viele Taxen in Düsseldorf unterwegs", sagt Fahrer Hakan Dogan. Dann zählt er die Vorteile eines Taxis auf: "Sie müssen nicht umständlich mit dem Handy buchen, die Autos sind registriert. Falls Sie Ihre Handtasche im Wagen liegenlassen, ist unsere Zentrale sofort erreichbar. Und: Wir haben einen Personenbeförderungsschein und Ortskenntnis." Den Schein haben die Uber-Fahrer nicht.

Für die Rückfahrt buche ich Thomas (Name geändert). Er findet mich erst nicht. Die App hatte ihm nicht meinen richtigen Standort übermittelt. Thomas ruft mich an, und so finden wir uns dann doch. Er ist etwa Ende 30, trägt ein rosa Shirt und ist braun gebrannt. Wir siezen uns, diesmal sitze ich auf der Rückbank. Auch sein Auto ist blitzblank.

Ich spreche ihn auf den Ärger der Taxifahrer an. Thomas reagiert genervt. "In meinem Beruf gibt es verstärkt Konkurrenz von den Chinesen. Jeder hat eben Wettbewerber", sagt er. Und zu der Sache mit dem Beförderungsschein: "Ich bin in Afrika und Asien gefahren, ich habe bestimmt eine Million Kilometer auf dem Buckel. Diese Erfahrung übertrifft kein Schein", sagt er. Für Uber fährt er nur "hobbymäßig".

Als ich aussteige, frage ich mich, ob ich auch im Zeitalter des digitalen Bezahlens ein Trinkgeld hätte geben müssen.

(RP)