Wehrhahn-Linie: U-Bahn: Bau des Eistunnels beginnt

Wehrhahn-Linie : U-Bahn: Bau des Eistunnels beginnt

Die dritte Röhre der Wehrhahn-Linie wird von der Kö zur Heinrich-Heine-Allee gegraben. Deshalb entsteht unter dem Kaufhof ein 2,50 Meter dicker Eispanzer, der die Bagger schützt. Die dafür erforderliche Anlage leistet so viel wie 2000 Kühlschränke.

Düsseldorf lernt in diesen Tagen einen neuen Weg kennen, einen U-Bahn-Tunnel zu graben. Nach dem offenen Tagebau in den Anfangstagen und dem Schildvortrieb unter der Erde in jüngster Vergangenheit setzt die Stadt nun auf Vereisung. Unter dem denkmalgeschützten Kaufhof-Gebäude an der Königsallee entsteht in diesen Tagen das Kühlsystem, das für einen 2,50 Meter dicken Eispanzer sorgt. In dessen Schutz graben die Bagger von der Kö zur Heinrich-Heine-Allee. Der Durchstich soll im März oder April erfolgen. Die Kosten für das Eis-Projekt liegen bei rund 20 Millionen Euro, für den gesamten neuen U-Bahn-Bau investiert die Stadt 748,1 Millionen Euro.

Mit dieser dritten Röhre wird der Tunnel der Wehrhahn-Linie vollendet. 2010 hatte das zuständige Unternehmen Bilfinger Berger die Röhre vom Bahnhof Bilk bis zur Kasernenstraße gegraben, im vergangenen Jahr folgte der Schacht von der Königsallee bis zum Wehrhahn. Unter dem Carsch-Haus liegt bereits seit den 1980er-Jahren ein bisher ungenutztes Stück Tunnel. Der Eistunnel verknüpft diese alte Röhre mit der, die bis zum Wehrhahn führt. Parallel dazu graben die Bagger auch zwischen dem bisherigen Tunnel-Ende an der Kasernenstraße und der alten Röhre.

Obwohl die Vereisung noch vor ihnen liegt, sprechen die Ingenieure bereits jetzt von einem Meilenstein des Baus. Damit meinen sie die Arbeit an den Rohren des Kühlsystems, denn 122 Rohre müssen jeweils 75 Meter tief in die Wand gebohrt werden. Sie bilden nachher einen geschlossenen Ring, durch den die Kühlflüssigkeit mit minus 35 Grad Celsius läuft. Das System, das dafür sorgt, dass die Temperatur so niedrig bleibt, leistet so viele wie 2000 Kühlschränke.

Je länger die Kühlflüssigkeit rotiert, desto dicker wird der Eisring. Wenn er nach gut 60 Tagen zweieinhalb Meter dick ist, beginnen die Bagger aus der Mitte des Rings des ungefrorenen Boden abzutragen. Das Eis stabilisiert bei diesen Arbeiten den Boden und hält vor dem Grundwasser dicht. Den Hohlraum, der durch die Bagger innerhalb des Eisrings entsteht, schützt eine Betonschale.

Neben den Gefrierrohren laufen Rohre, die für die Sicherheit entcheidend sind. Darin sind 500 Temperatur-Fühler angebracht, die ermitteln, wie dicht und dick der Eispanzer gerade ist. Im Untergeschoss des Kaufhof gibt es 152 Sensoren, die jede Bewegung des Bodens registrieren und melden. Laser, die mit Prismen an der Fassade des Kaufhof verbunden sind, ergänzen das Kontrollsystem. Für den Fall, dass sich das Gebäude bewegt, weil Hohlräume im Erdreich entstanden sind, liegen zwischen Eispanzer und Kaufhof Rohre, durch die Erde gepumpt werden kann.

Der jetzige Startschacht für die Vereisung wird später einer der beiden Zugänge zum neuen Teil des Bahnhofs Heinrich-Heine-Allee sein, der unter der bisherigen Station gebaut wird. Der zweite Zugang dorthin erfolgt über Rolltreppen und Aufzüge aus der Heinrich-Heine-Passage. Die Station wird dadurch noch stärker als bisher zum Drehkreuz des Düsseldorfer U-Bahn-Netzes.

Die neue Station an der Heinrich-Heine-Allee wird als letzte fertiggestellt. An anderen Stellen sind die Arbeiter schon wesentlich weiter. Für den künftigen Bahnhof am Graf-Adolf-Platz steht der Rohbau voraussichtlich im September, der Rohbau am Kirchplatz soll bis Ende des Jahres fertig sein. Dort beginnt anschließend schon der Gleisbau, während in den übrigen Stationen (Benrather Straße, Schadowstraße, Jacobistraße) bis Ende 2013 der Rohbau vollendet wird.

Wenn alles nach Plan läuft, werden die Landeshauptstädter in der zweiten Jahreshälfte 2015 erstmals mit der U-Bahn durch die Röhre fahren, die mal ein Eistunnel war.

(ila/jco/ahem/top)
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