Düsseldorf: U 79-Unfall: Strecke bleibt tagelang gesperrt

Düsseldorf: U 79-Unfall: Strecke bleibt tagelang gesperrt

Der Moment, in dem die Straßenbahn entgleist

Aus ungeklärter Ursache entgleiste am Südpark der vordere Teil einer Bahn der Linie 79. Der zweite Wagen krachte auf den ersten. 29 Menschen standen unter Schock. Der 51-jährige Fahrer konnte noch nicht vernommen werden. Die zufällige Video-Aufnahme eines Lesers zeigt den Moment des Unfalls.

Bei einem schweren Straßenbahn-Unglück am Südpark nahe der Universität sind gestern Vormittag zehn Menschen verletzt worden. In einer Rechtskurve geriet um kurz vor 11 Uhr der erste von zwei Teilen der U 79, die in Richtung Wittlaer unterwegs war, aus dem Gleis. Der hintere Waggon riss aus der Kupplung, fuhr auf den verunglückten Teil der Bahn auf und beschädigte ihn zusätzlich. Eine Frau schwebte nach Angaben eines Feuerwehrsprechers kurzzeitig in Lebensgefahr, ihr Zustand besserte sich aber im Laufe des Tages. Drei weitere Menschen wurden schwer verletzt, sechs weitere leicht. Insgesamt sollen 29 Frauen und Männer in der Bahn gewesen sein. Rund 40 Minuten dauerte es, bis der letzte Fahrgast aus der Tram geborgen wurde. Notfallseelsorger betreuten die Betroffenen. Die Feuerwehr war mit bis zu 90 Kräften im Einsatz.

"In meinen zwölf Jahren im Vorstand der Rheinbahn habe ich einen Unfall ohne Beteiligung anderer Fahrzeuge mit solchen Folgen noch nicht erlebt", sagt Rheinbahn-Chef Dirk Biesenbach am Unfallort. Warum die Bahn aus dem Gleis geriet, blieb unklar. Ein Polizeisprecher hatte am Mittag überhöhte Geschwindigkeit als eine Möglichkeit genannt. Das wollte die Rheinbahn nicht bestätigen. "Ein Defekt der Weiche kommt ebenso in Frage wie eine Schwäche des Fahrers oder ein Fremdkörper im Gleis", sagte Sprecherin Heike Schuster am Abend. Dass ein Fahrtenschreiber für Aufklärung sorgen kann, ist unterdessen unwahrscheinlich. Laut Schuster gehört der Unglückszug zu einer Serie ohne Fahrtenschreiber. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen.

Die meisten Betroffenen hätten gefasst reagiert, berichtete Notfall-Seelsorger Olaf Schaper am Unfallort. "Wir konnten gut deeskalieren, weil das Geschehen zwar dramatisch war, aber unter dem Strich doch unter Kontrolle blieb." Einige der Verunglückten hätten einfach nur rasch nach Hause gewollt. Sie wurden mit Sonderfahrzeugen der Feuerwehr unter anderem zum Hauptbahnhof gebracht.

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Die Bergungsarbeiten dauerten bis zum Abend. "Es ist komplizierter als gedacht", sagte Schuster. Aufgrund weiträumiger Absperrungen kam es vor allem rund um die Universität und in Bilk zu großen Verkehrsbehinderungen. Auch im öffentlichen Nahverkehr gab es massive Störungen.

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(RP)
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