Galerie fifty-fifty: Trubel um Immendorff-Grafiken

Galerie fifty-fifty : Trubel um Immendorff-Grafiken

Beinahe hätte es einen handfesten Streit gegeben. Objekt der Begierde der beiden Streithähne war eine Druckgrafik des kürzlich verstorbenen Künstlers Jörg Immendorff. Die Galerie fifty-fifty hatte eingeladen zur Verkaufsausstellung einiger zwischenzeitlich vergriffener Werke Immendorffs - und die beiden Kunstfreunde hatten sich in dasselbe Werk verguckt. Es gab einige heftige Wortgefechte, schließlich aber schienen die Streithähne sich geeinigt zu haben, und einer zog glücklich mit dem Werk von dannen.

Glücklich waren auch die Kunden, denen die die Galerie eine Immendorff-Grafik schenkte. Ursula Schmitz etwa, die erst nach dem Urlaub vom Tod des Künstlers erfahren hatte und die Gelegenheit nutzen wollte, sich einige Werke Immendorffs noch einmal anzuschauen. Ebenso Ulla Kohnen: Sie habe zu Hause eigentlich eher Bilder von Hundertwasser und Rosina Wachtmeister, erzählt sie. Dennoch ist sie begeistert von der Grafik: "Dafür werde ich jetzt gleich mal einen schönen Platz suchen."

Drei Stunden vorher da gewesen

Drei Stunden vor Öffnung der Galerie war eine ältere Dame zur Galerie gekommen, um eine Grafik zu ergattern, war dann aber enttäuscht: "Die sind ja gar nicht originalsigniert." Die zwölfjährige Julia Mertsch freute sich trotzdem über das unverhoffte Geschenk. "Ich hatte vorhin in der Schlange vor der Tür die Wartenden gezählt war sicher, dass ich keine bekomme." Noch lieber hätte sie indes eine der Farbserigraphien erstanden. "Aber die übersteigen mein Taschengeld", so die Schülerin zerknirscht.

Auch Michael Schmitz und Sohn Max nutzten die Chance, einige Bilder Immendorffs noch mal unter die Lupe zu nehmen. "Man kann sie sich Stunden lang anschauen", so Schmitz, "und entdeckt immer wieder etwas Neues. Immendorff lässt mit seinen Werken Bilder im Kopf entstehen." Ein besonderes Verhältnis zu Jörg Immendorff hatten Lutz und Marion Hilgers. "Wir waren früher oft mit ihm im Ratinger Hof und wollen jetzt einige seiner Werke sammeln." Wenn es nach ihnen, aber auch nach Josef Schöber ginge, sollte die Stadt eine Straße oder einen Platz nach dem Künstler benennen. "Er hat so viel für Düsseldorf getan und die Stadt so wenig für ihn. Dabei ist er einer ihrer berühmtesten Söhne."

(RP)
Mehr von RP ONLINE