Düsseldorf: Trauer um Flughafen-Chef Christoph Blume

Düsseldorf: Trauer um Flughafen-Chef Christoph Blume

Christoph Blume (61), Sprecher der Flughafen-Geschäftsführung, ist am Sonntag am plötzlichen Herztod verstorben. 2001 kam der damalige Baudezernent in die Führung des Airports – und erntete bald allseits Anerkennung auf diesem heiklen Posten.

Christoph Blume (61), Sprecher der Flughafen-Geschäftsführung, ist am Sonntag am plötzlichen Herztod verstorben. 2001 kam der damalige Baudezernent in die Führung des Airports — und erntete bald allseits Anerkennung auf diesem heiklen Posten.

Klaus Pacher (Baufirma Züblin, l.), OB Joachim Erwin, Christoph Blume und Achim Hunold (damals Air Berlin) bei der Grundsteinlegung einer neuen Halle für Air Berlin. Foto: dpa

Wer dem damaligen Stadtdirektor Düsseldorfs, Christoph Blume (geboren 1952 in Essen), damals, Ende der 90er Jahre, prophezeit hätte, er werde einmal der Chef des Flughafen der Landeshauptstadt werden, der hätte vermutlich das ihm eigene, verschmitzte Grinsen gesehen, kombiniert mit einem leichten Kopfschütteln. Blume, ein SPD-Mann mit hohem Ansehen in seiner Partei, war gerade sehr entspannt dabei, Karriere als Wahlbeamter zu machen. Marlies Smeets, seinerzeit Oberbürgermeisterin Düsseldorfs, schätzte den jungen Mann sehr und baute für die Zukunft auf seine Hilfe im Rathaus. Bis zum Stadtdirektor war der Diplom-Ingenieur und Stadtplaner nach Stationen in Essen, Bielefeld und Köln immerhin schon gekommen, und das in einer Stadt wie Düsseldorf. Der ging es damals nicht so gut wie heute, aber man war dabei, die Weichen zu stellen für spätere Erfolge.

Christoph Blume im Terminal seines Flughafens, dessen Entwicklung er seit 2005 entscheidend prägt. Foto: Thomas Busskamp

Blume war daran beteiligt, er prägte die Stadtentwicklung mit, weil er einen Blick nach vorn wagte. Gewöhnt war er das als leidenschaftlicher Segler sowieso, aber es gelang ihm auch bei seiner Arbeit. Beispielsweise beim Projekt Medienhafen. Das erntete anfangs viel Skepsis, weil kaum einer sich vorstellen konnte, was möglich sein würde in dieser Ansammlung von Brachen und Industrie-Ruinen. Blume konnte es, hatte in Köln ähnliche Ideen entwickelt — und später hat er gerne über diese Zeiten gesprochen, als man Visionen hatte und sah, wie sie Realität wurden.

Christoph Blume ist am Sonntag unerwartet gestorben. Foto: Bretz, Andreas (abr)

Dass er dann im Jahr 1999 einen völlig neuen und anders tickenden Chef bekommen würde, hatte Blume vermutlich nicht erwartet. Die CDU eroberte nicht nur im Revier, sondern auch in Düsseldorf die Macht, und ein nach der neuen Gemeindeordnung sehr mächtiger Oberbürgermeister namens Joachim Erwin griff sich das Ruder. Blume dürfte das zumindest verunsichert haben. Als Stadtdirektor und SPD-Mann bewegte er sich ab da in einer Sphäre, in der die Luft dünn werden konnte — zumal mit einem Manager-Typ wie Erwin. Dass die beiden konfliktfrei miteinander klarkommen würden, war kaum zu erwarten. Doch die Entwicklung war eine andere. Freunde wurden sie nie, aber hohen Respekt hatten sie voreinander.

Und das führte dann zu einer kuriosen Entwicklung: Als der Flughafen Verstärkung brauchte in der Geschäftsführung, sorgte Erwin dafür, dass Blume vom Schreibtisch im Baudezernat nach Lohausen wechselte. Für den Techniker Blume (neben dem Segeln waren schon immer alte Autos seine Leidenschaft!) ein völlig neues Feld. Das ihn aber sofort faszinierte. Schnell arbeitete er sich ein, erntete Anerkennung von allen Seiten. Mit der damals noch in Düsseldorf agierenden Nr. 1 am Flughafen, Rainer Schwarz, kam er bestenfalls auf einer rein sachlichen Ebene klar. Als Schwarz dann nach Berlin abwanderte (und dort, wie man heute weiß, am Ende scheiterte), sorgte Erwin dafür, dass Blume nachrückte. Obwohl die Stadt Düsseldorf nur 50 Prozent der Flughafen-Anteile hatte und die andere Hälfte bei einem privaten Investor lag, wurde Blume 2006 der Sprecher der Geschäftsführer, woraus er die de-facto-Führung machte — und den Flughafen nach vorne brachte. In seine Amtszeit fiel der Bau der Airport-City, Düsseldorf wurde zum Drehkreuz für Lufthansa und Air Berlin, die Passagierzahlen knackten die 20-Millionen-Grenze. Blume, der Ex-Beamte, war zum international anerkannten Fachmann für die Luftfahrt geworden.

Dass Erwin damals seinen Stadtdirektor Richtung Flughafen (be)förderte, geschah womöglich auch aus politischem Kalkül: Der Christdemokrat erkannte in Blume durchaus die Fähigkeit zu noch größeren Aufgaben und hielt es für denkbar, dass die SPD auf den Gedanken hätte kommen können, Blume zum Gegenkandidaten aufzubauen. Ob das so war, ist nie bestätigt worden — und Blume will solche Ambitionen nie gehabt haben. Wer ihn näher kannte, wird das glauben. Denn der Mann war ein Pragmatiker und Pflichtmensch. Die Repräsentation, der Rote Teppich, der Small Talk auf glattem Parkett — alles das beherrschte er zwar, aber er mochte es nicht sonderlich.

Stattdessen bevorzugte er es, in einem seiner Oldtimer mit den beiden Söhnen durch die Lande zu fahren, im Mittelmeer mit Ehefrau Renate Kölbel von der italienischen Küste Richtung Korsika zu segeln oder auf Sylt die Nordsee zu schnuppern. Für die Zeit nach dem Job an der Airport-Spitze und Verbandsaufgaben in der Luftfahrt wollte er diese Dinge mehr genießen. Bis dahin jedoch standen große Aufgaben an, in seinem letzten Interview, das er vor wenigen Tagen mit der RP führte, sprach er von weiteren Ausweitungen der Kapazität — wissend, wie stark der Protest der Anlieger sein würde. Abgehalten hat es ihn nicht, er war sicher, eine Lösung zu finden.

Das müssen nun andere schaffen: Christoph Blume ist am Sonntag im Alter von 61 Jahren plötzlich gestorben, offensichtlich an einem Herzinfarkt.

Aktuelle Information: Die für die kommenden Tage geplanten Informationsveranstaltungen des Düsseldorfer Airports zum angestrebten Verfahren zur Kapazitätserweiterung in Ratingen (9. Oktober), Düsseldorf (10. Oktober), Essen (14. Oktober), Kaarst (15. Oktober), Meerbusch (17. Oktober) und Duisburg (11. November) müssen aufgrund des plötzlichen Todes von Christoph Blume kurzfristig bis auf Weiteres entfallen. Der Flughafen bittet hierfür um Verständnis. Zu gegebener Zeit sollen neue Termine mit den Städten vereinbart werden.

(ila)
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