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Düsseldorf: Trauer um Farbmagier Gotthard Graubner

Düsseldorf : Trauer um Farbmagier Gotthard Graubner

82-jährig ist der große Düsseldorfer Maler und frühere Akademie-Professor nach langer Krankheit gestorben. Fast bis zuletzt brachte er auf der Insel Hombroich neue Werke hervor. Berühmt wurde er durch seine Farbkissenbilder.

Seine sogenannten Farbraumkörper hängen im Berliner Reichstagsgebäude ebenso wie in Schloss Bellevue und in zahlreichen Museen: Der Düsseldorfer Maler Gotthard Graubner, der jetzt 82-jährig gestorben ist, zählt seit Jahrzehnten zu den Großen der Gegenwartskunst, und wer ihn zuletzt in seinem Atelier auf der Neusser Kunst-Insel Hombroich besuchte, traf dort einen Mann, der trotz angeschlagener Gesundheit noch einmal aufdrehte.

Im NRW-Landtag richtete er vor zwei Jahren mit Bildern einen "Raum der Stille" ein, im Bottroper Albers-Museum versetzte er die Besucher mit seinen Farbkissen in imaginäre Schwingungen, und im Leverkusener Museum Morsbroich stellte er seine filigranen Aktzeichnungen vor. Als Christian Wulff vor zwei Jahren eine persönliche Erklärung zu den Vorgängen um seinen Privatkredit verlas, wählte er als Kulisse ein seinerzeit von Richard von Weizsäcker ausgewähltes Gemälde von Graubner — und bewies damit zumindest Kunstgeschmack.

Raum und Körperlichkeit bildeten für Graubner eine Einheit. Der menschliche Körper, so schwärmte er, ist eines der bestfunktionierenden organischen Bauwerke. Und Körper bedeutet zugleich Raum. Körperhaft, räumlich sind auch die Farbkissen, deshalb von Graubner als Farbraumkörper bezeichnet: sich wölbende Leinwände, auf denen Töne einer Farbe changieren.

Graubner betrachtete sich als "absoluten Maler", als einen, der Bilder "ohne literarischen Anlass" herstellte. Er hatte zunächst an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin studiert, dann an der Dresdner Kunstakademie und war beide Male "rausgeflogen", weil er nicht gewillt war, sich an die Vorgaben der DDR-Kulturpolitik zu halten: "Ich wollte keine in Stein gehauene Propaganda und keine gemalten Leitartikel." Deshalb verließ er 1954 die DDR und nahm ein Studium an der Düsseldorfer Akademie auf.

Fragte man Graubner, woran er sich künstlerisch orientierte, nannte er drei Namen: "Rembrandt, Cézanne, Tizian — das sind meine Maler." An deren Werken interessierten ihn weniger die Motive als vielmehr übergreifende Kategorien wie Zeit und Raum, warm und kalt. Seine eigenen, ungegenständlichen Werke stützen sich ausschließlich darauf: In seinen seit 1962 entstandenen Kissen suchte Graubner aus Farbe eine räumliche Wirkung zu kitzeln — und eine geistige dazu: "Malerei ist für mich nicht nur Peinture, sondern hat auch eine geistige Dimension." Solch ein Farbraumkörper ist am Ende eine Verdichtung des Lebens.

In mehr als 20 Jahren — von 1976 bis 1998 — hat Graubner als Professor an der Düsseldorfer Akademie zahlreiche Künstler ausgebildet, darunter Dorothee von Windheim und Hubert Kiecol. Am wichtigsten war ihm dabei, "dass sich die Studenten selbst finden". Auch auf die Beherrschung handwerklicher Techniken, so fügte er hinzu, habe er Wert gelegt, doch dürfe das Handwerk den künstlerischen Akt nicht überwuchern. Undenkbar war für ihn ein Künstlertum ohne Zeichnen: "Da bin ich altmodisch: Zeichnen gehört für mich bei jedem Künstler dazu." Auch er selbst zeichnete fast bis zuletzt.

Ob Graubners Bilder in die Gefilde der Metaphysik führen sollten? Lapidar merkte der Künstler dazu an: "Das will ich nicht ausschließen." Wichtig sei ihm aber vor allem, dass der Betrachter sich im Bild aufgehoben fühle, dass er durch das Bild zu sich selbst finde.

Gotthard Graubner hat sich nicht nur in die Kunstgeschichte eingeschrieben, sondern auch ins Gedächtnis derer, die ihn kannten. Seine Warmherzigkeit, seine Zugewandtheit bleiben unvergesslich.

(RP/url/top)