Düsseldorf: Torjäger Lukas bei den Special Olympics

Düsseldorf : Torjäger Lukas bei den Special Olympics

Lukas Pietron (19) besucht die Mosaik-Schule und wird mit der Fußball-AG an den Sommerspielen teilnehmen. Nebenbei kickt er auch bei Wersten 04. Der Verein setzt sich für Inklusion im Sport ein.

Wenn Lukas Pietron (19) beim Fußball-Training mit dem Ball den Hütchen-Parcours meistern soll, muss er sich ganz besonders konzentrieren. Eine kleine Ablenkung — und der Weg ist vergessen. Lukas besucht die Mosaik-Schule. Eine geistige Behinderung konnte bei ihm zwar nicht genau diagnostiziert werden, "aber er hat große Schwierigkeiten bei der Orientierung", sagt der stellvertretende Schulleiter der Mosaik-Schule, Jürgen Paust-Nondorf. Je komplizierter der Parcours also ist, umso schwieriger wird es für Lukas. Für den Stürmer ist das aber gar nicht so wichtig.

Für ihn gibt es ohnehin nur ein Ziel: das Tor. Und das will er bei den Sommerspielen der Special Olympics Deutschland, die im Mai in Düsseldorf stattfinden, so oft wie möglich treffen. Mit der Fußball-AG der drei Förderschulen Franz-Marc-Schule, Theodor-Andresen-Schule und Mosaik-Schule nimmt Lukas an dem Sportereignis für Menschen mit geistiger Behinderung teil, dafür trainiert er regelmäßig. Und weil Lukas so gern kickt, spielt er neben der AG auch noch im Verein — bei Wersten 04. "Dadurch werde ich besser", sagt er.

Selbstverständlich ist die Kooperation zwischen dem Verein und der Mosaik-Schule nicht. "Es gab schon vor vielen Jahren mal eine Anfrage der Schule, aber der damalige Vorstand stellte sich quer", sagt Frank Junius, der seit 23 Jahren Trainer bei Wersten 04 ist und inzwischen selbst Mitglied im Vorstand. 2011 schließlich wurde die Mannschaft für Kinder und Jugendliche mit geistiger Behinderung gegründet. Zwar ist es noch kein richtiges Unified Team, in dem Kinder mit und ohne Behinderung spielen, "aber es ist ein guter Anfang", findet Junius. Insgesamt hinke die Stadt Düsseldorf mit dem Angebot im Behindertensport hinterher. Deswegen setzt der Wersten-Trainer auf die Special Olympics, damit die Stadt auch nach den Sommerspielen Vereine weiterhin motiviert, Inklusions-Mannschaften zu gründen.

Bald geht es für Lukas und sein Team wieder auf die Anlage, "dann machen wir oft Spiele gegen die E-Jugend", sagt Junius. Übrigens: Sein Sohn Jannik ist bei jedem Training dabei. Der Neunjährige spielt in der E-Jugend von Wersten 04, und er nimmt seinen Teamkollegen die Berührungsängste, die es zumindest am Anfang sehr oft gebe. "Genau das ist unser Ziel", sagt Jürgen Paust-Nondorf. "Unsere Schüler leben nicht isoliert, man sieht sich beim Einkaufen, in der Nachbarschaft. So können wir den Kontakt herstellen." Und auch die Kinder und Jugendlichen mit geistiger Behinderung sollen durch das Training lernen. "Sie sollen sich besser einschätzen können und ein Gefühl fürs Leben bekommen", sagt Paust-Nondorf. Am besten gehe das eben im Vergleich, mit Samthandschuhen müsse keiner seiner Schüler angefasst werden.

Der stellvertretende Leiter der Mosaik-Schule weiß aber auch, dass die Aufgabe, ein solches Team zu trainieren, nicht leicht ist. "Manche Kinder sprechen nicht mal. Da müssen wir mit Zeichen kommunizieren", sagt er. Aber das Training unterscheide sich kaum von anderen. "Ich muss die Übungen nur genauer vormachen und öfter wiederholen", sagt Frank Junius. Größere Schwierigkeiten gibt es dafür beim Bringen und Abholen. Allein mit Bus und Bahn können die Schüler nicht zum Fußball. "Von der Schule aus haben wir einen Fahrdienst zum Trainingsgelände eingerichtet", sagt Paust-Nondorf. Das Abholen hänge dann aber an den Eltern, in seltenen Fällen übernehmen das freiwillige Helfer wie die Bufdis. Deswegen gibt es viele Kinder, die nicht im Verein spielen können. Bei Lukas ist das anders. Er hat einen großen Bruder, der ihn oft vom Sport abholt. Oder seine Mutter übernimmt die Tour. In den Ferien fährt Lukas übrigens mit seinem Bruder nach Spanien. Und natürlich wird er einen Fußball einpacken. Damit er auch am Strand für die Special Olympics trainiert kann.

(esc)