Töchter vom Heiligen Kreuz verlasen Düsseldorf

Der Konvent der Töchter vom Heiligen Kreuz verlässt Düsseldorf : Die Töchter vom Heiligen Kreuz verlassen die Stadt

Die letzten Schwestern ziehen ins Mutterhaus in Aspel. Damit wird der Konvent in Düsseldorf aufgelöst.

Das war ein historisch denkwürdiger Augenblick: Schwester Hedwig Marie, Schwester Hildegard, Schwester Marie Regina, Schwester Maria Beate und Schwester Eva Maria vom Heiligen Kreuz versammeln sich für ein letztes gemeinsames Foto an dem Ort, an dem sie und ihre Weggefährtinnen so lange Zeit gewirkt haben. Aus Gesundheits- und Altersgründen verlassen sie im Januar Düsseldorf, wo sie 1852 mit ihrer ersten Oberin Schwester Emilie Schneider ihren Dienst begonnen und lange Zeit im Theresienhospital und zuletzt noch an St. Lambertus segensreich gewirkt haben. Damit wird der Konvent hier in Düsseldorf aufgelöst. Sie werden am Sonntag (13. Januar) um 17 Uhr in der Heiligen Messe mit Weihbischof Rolf Steinhäuser verabschiedet. Eine Ära geht zu Ende.

Dort, wo Düsseldorf am ältesten ist, liegt das ehemalige Theresienhospital. Dass es hier, im Schatten der Basilika St. Lambertus, zum Wohle der Stadt und ihrer Bürger seine Pforten öffnete, war keine Berechnung, sondern mehr als einmal ein Zufall der Geschichte. Etwa dort, wo heute die Ritterstraße an die Rheinpromenade stößt, explodierte im Sommer 1634 ein Pulverturm. Auf den Trümmern wurden einfache Behausungen errichtet, die ab 1643 von Karmelitessen erworben und 1687 zu einem Kloster zusammengefasst wurden. In Gegenwart der kurfürstlichen Familie wurde 1712 der erste Stein zum Bau einer Klosterkirche gelegt. Die in Kreuzesform mit Vierungskuppel und Dachreiter errichtete Backsteinkirche gilt bis heute als Juwel barocker Baukunst. Ihre Benediktion erfolgte 1716 zu Ehren des heiligen Joseph. Wenig später konnte ein neues Klostergebäude seiner Bestimmung übergeben werden.

Nach 1803 wurden im Herzogtum Berg alle Klöster und Stifte mit Ausnahme jener Genossenschaften, die sich der Krankenpflege oder dem Unterricht widmeten, aufgelöst. Aus leicht durchschaubaren Gründen entging der Karmel als einziger beschaulicher Orden in Düsseldorf einer Aufhebung. Da das Kloster über keine nennenswerten Rücklagen verfügte, beließ die Regierung der Kommunität die Vermögensverwaltung. Die Schwestern blieben in den Konventsgebäuden, waren aber zum Aussterben verurteilt, da keine Novizinnen mehr aufgenommen werden durften. Als 1826 nur noch drei ältere Schwestern in der ausgedehnten Klosteranlage lebten, versuchte der angesehene Schulrat Johann Vinzenz Bracht, die leerstehenden Räume des Karmels einem neuen Verwendungszweck zuzuführen. Nutznießer sollten die seit 1690 in Düsseldorf ansässigen Cellitinnen sein, die als Krankenwärterinnen von der allgemeinen Klosteraufhebung ausgenommen waren.

1831 übertrug König Friedrich Wilhelm das Klostergebäude der Karmelitessen, ihre Kirche und das vorhandene Vermögen dem Cellitenorden. Die Schenkung war mit der Auflage verbunden, dass die Schwestern neben ambulanter in Zukunft auch stationäre Krankenpflege ausübten. Nach einigen baulichen Veränderungen eröffneten die Cellitinnen zu Beginn des Jahres 1832 gegenüber der Lambertuskirche die „Heilanstalt für weibliche Kranken im Elisabethen-Kloster“.

Da die Cellitinnen überaltert und mit der Arbeit überfordert waren, sank zusehends das Vertrauen der Bevölkerung in ihre Arbeit. Als die Verhältnisse immer unhaltbarer wurden, empfahlen die Düsseldorfer Geistlichen, zur Leitung der Heilanstalt eine neue Ordensgenossenschaft zu berufen. Nach mehrmonatigen Verhandlungen konnten schließlich einige Töchter vom Heiligen Kreuz gewonnen werden. Am 13. Juli 1852 übersiedelten fünf Schwestern von Aspel nach Düsseldorf, unter ihnen Emilie Schneider (1820-1859), die den kleinen Konvent leitete und als erste Oberin eingeführt wurde. Dank des aufopferungsvollen Einsatzes der neuen Schwestern gelangte das kleine Spital in der Altestadt schnell zu neuer Blüte.

Nach der Jahrhundertwende war der Krankenhausvorstand wegen der Fortschritte auf dem Gebiet der Medizin und der Hygiene gezwungen, die Gebäude des alten Karmelitessenklosters aufzugeben und eine neue Anstalt zu errichten. Im Sommer 1909 wurden mit Ausnahme der Josephskapelle sämtliche Gebäude abgerissen. Als das neue, nach Plänen des Architekten Caspar Clemens Pickel errichtete Krankenhaus bis zur Sockelhöhe fertiggestellt war, zeigte sich der Bauplatz am 31. Juli 1910 zur feierlichen Grundsteinlegung in reichem Flaggenschmuck. Bis zur endgültigen Fertigstellung und Einweihung des Krankenhauses vergingen noch zwei Jahre. Eingeweiht wurde das für etwa 150 Patienten konzipierte Hospitalgebäude am 4. Juni 1912. Im Gedenken an die Ordensstifterin Maria Theresia Haze nahm das neue Haus, das bei seiner Einweihung noch immer „Hospital der barmherzigen Schwestern, Töchter vom heiligen Kreuz“ hieß, schon bald den Namen „Theresienhospital“ an.

Der Neubau war zwei Jahre in Betrieb, als am 1. August 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach. Bereits zwei Wochen später verpflichtete sich das Theresienhospital „200 kranke und verwundete Krieger aufzunehmen und zu verpflegen, sowie das etwa noch erforderliche Pflege- und Wartepersonal unterzubringen und Beköstigung zu gewähren“. Nach der deutschen Kapitulationserklärung im Herbst 1918 konnte das Theresienhospital in kurzer Zeit seinen Betrieb wieder auf Zivilbelegung umstellen.

  • Die Kosten liegen bei mehr als 100 Millionen Euro : G 9 an allen Düsseldorfer Gymnasien
  • Pilotprojekt in Düsseldorf : Handy-Ladestationen für drei Haltestellen

Trotz Revolution 1918/19, französischer Besatzung 1921/25 und Inflation 1923 sowie Massenarbeitslosigkeit seit Beginn der 1930er Jahre nahm das Theresienhospital während der Weimarer Republik einen bemerkenswerten Aufschwung. In dieser Zeit erfolgte nicht nur eine Erweiterung und Modernisierung des Krankenhauses, sondern auch die Restaurierung der alten Karmelitessenkirche einschließlich Wiederherstellung der wertvollen Deckenmalerei. Bemerkenswert ist, daß 1926 auf Betreiben von Karl Joseph Kardinal Schulte der Seligsprechungsprozeß für Schwester Emilie Schneider eingeleitet wurde.

Als das Theresienhospital im Juni 1933 das 100-jährige Bestehen der Ordensgenossenschaft der Töchter vom Heiligen Kreuz beging, ahnte niemand, dass dies für längere Zeit die letzte große Feierlichkeit im Kloster sein sollte. Zwar gab es in der Zeit des Dritten Reiches keine schwerwiegenden Zusammenstöße zwischen dem Ordenskrankenhaus und den nationalsozialistischen Machthabern, doch machte der überall spürbare Totalitätsanspruch der NSDAP auch vor den Mauern des „Klösterkes“ nicht halt. Aus vielen Dokumenten des Ordensarchivs wird die Sorge um die Zukunft der Anstalt deutlich greifbar. Mehr als tragisch ist, dass die Angst nicht von der Düsseldorfer Gauleitung oder Gestapo ausging, sondern im Haus selbst geschürt wurde. Triebkraft der Furcht war Karl Friedrich Lönne, der dem Theresienhospital seit 1934 als Chefarzt vorstand und die vom NS-Regime ausgehende Terrorisierung der Bevölkerung ohne Skrupel zu seinem persönlichen Vorteil einsetzte. Nach Zeugenaussagen drohte Karl Friedrich Lönne „bei jeder Gelegenheit mit Anzeige bei der Partei, bei der Gauleitung, bei der Gestapo, mit Beförderung an die Front oder in die Konzentrationslager, wenn ihm irgend etwas nicht passte“.

Der Zweite Weltkrieg traf die Töchter vom Heiligen Kreuz als Orden, der mit Düsseldorf und der Altestadt so sehr verbunden ist, mit der gleichen Härte, die auch die Stadt traf. Was für das Theresienhospital immer ein Vorteil gewesen war, die Lage am Rhein und nahe der Oberkasseler Brücke, wurde dem Krankenhaus während des Zweiten Weltkrieges zu seinem Verhängnis. In der Schreckensnacht vom 11. auf den 12. Juni 1943, als in Düsseldorf etwa 1200 Menschen ums Leben kamen, wurde das Krankenhaus schwer beschädigt und die Josephskapelle als Kleinod stilreinen Kirchenbarocks unwiederbringlich zerstört.

Der Neuanfang 1945 war alles andere als leicht. Zu einer Zeit als noch niemand wusste, ob die Stadt jemals wieder aufgebaut werden würde, begannen im Theresienhospital erste Maßnahmen zur Reorganisation des Krankenhausbetriebes. Die dritte Etage musste wegen eindringenden Regens vollständig erneuert werden. Ein Sorgenkind blieb der Wiederaufbau der vierten Etage, wo früher die Zellen der Schwestern untergebracht waren. Erst 1950 konnte der lang ersehnte Ausbau begonnen und mit dem Bezug einer neuen Klausur am Fest des heiligen Joseph 1951 zum Abschluss gebracht werden. Drei Monate später konnte die bis auf die Außenmauern zerstörte Josephskapelle eingeweiht werden.

Durch den Einsatz anerkannter Ärzte und die ständige Modernisierung der medizintechnischen Anlagen gehörte das Theresienhospital in den 50er und 60er Jahren zu den ersten Krankenhäusern der Stadt. Da das Theresienhospital wegen seiner Lage in der Altestadt keine Möglichkeit zur Vergrößerung hatte, konnte es in den siebziger Jahren mit den Fortschritten der modernen Apparatemedizin nicht mehr Schritt halten. Dies hatte zur Folge, dass die Töchter vom Heiligen Kreuz das Theresienhospital schweren Herzens einem neuen Verwendungszweck zuführen mussten. Im März 1977 wurde das Hospital als Akutkrankenhaus geschlossen und nach zweijähriger Umbauzeit als Altenkrankenheim wiedereröffnet. Das Haus hatte nun 111 Pflegeplätze. Moderne therapeutische Räume, Gymnastikzimmer und eine Bäderabteilung waren angeschlossen

In den 1980er Jahren galt das Altenkrankenheim in der Altestadt als anerkannte stationäre Altenhilfeeinrichtung in Düsseldorf, die sich insbesondere auf die Betreuung psychiatrischer Alterserkrankungen spezialisiert hatte. Bis zum Auszug des letzten Gastes im Dezember 2007 wurden im Theresienhospital alte Menschen auf hohem Niveau gepflegt. Da den Töchtern vom Heiligen Kreuz der Nachwuchs fehlte, wurde das Theresienhospital 2007 abgewickelt, das Interieur versteigert. Das wuchtige Hospitalgebäude in bester Wohnlage wurde zur Kameha Residence mit 54 Lifestyle-Apartments umgebaut. Nur die Josephskapelle blieb vom Verkauf ausgenommen und wird noch heute für kirchliche Zwecke genutzt.

Mehr von RP ONLINE