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Tierklinik in Düsseldorf verlangt 26.000 Euro von Hundehalterin

Halterin vor Gericht : Düsseldorfer Tierklinik verlangt 26.000 Euro von Hundehalterin

Weil der Hund mit dem Eichenprozessionsspinner in Kontakt kam, wurde der Podenco schwer krank. Die Verletzungen erinnern im fortgeschrittenen Stadium an Verätzungen. Eine Tierklinik behandelte den Rüden und stellte eine enorme Summe in Rechnung. Nun traf man sich vor Gericht wieder.

Ein Stich von einer Raupe des Prozessionsspinners in die Brust von Podenco-Rüde Rufus (7) hat dessen unbeschwertes Hundeleben im Frühjahr 2020 schlagartig beendet – und seinem Frauchen (70) danach eine Tierarztrechnung von rund 26.000 Euro beschert. Weil sie einen Teil davon nicht zahlen konnte, wurde sie am Donnerstag von der Tierklinik auf Restzahlung verklagt.

Immerhin konnte sie sich vor dem Landgericht mit der Klinik auf einen Kompromiss einigen. „Aber gesund wird Rufus nicht mehr“, stellte die Hundehalterin seufzend fest. Dabei sei der Hund für ihre behinderte Tochter, die im Rollstuhl sitzt, „das Ein und Alles“. Womöglich hätte die Rentnerin den schwarz-dunkelbraunen Rüden ja im April 2020 direkt nach dem Stich einschläfern lassen – wenn sie das ganze Ausmaß der nötigen Tierarztbehandlung geahnt hätte. Das gab die verklagte Hundehalterin jetzt in der Gerichtsverhandlung zu. Und ließ dabei außer Acht, welche zentrale Rolle Rufus von Anfang an im Leben ihrer Tochter spielte: „Er läuft ganz geduldig neben ihrem Rollstuhl her“ – und er beschütze die behinderte Tochter auf jedem gemeinsamen Ausflug. Und eigentlich habe die Rentnerin nach dem Insektenstich in die Brust von Rufus noch große Hoffnung auf eine schnelle Heilung des Rüden gehabt.

 Die Hundehalterin wurde von Jens Koppelmann vertreten.
Die Hundehalterin wurde von Jens Koppelmann vertreten. Foto: wuk
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Doch zunächst musste sie den Hund bei der Tierklinik lassen, durfte coronabedingt dann erst drei Wochen später wieder zu ihm – und sei über dessen Zustand entsetzt gewesen. Trotz Sofortoperation und pfleglicher Versorgung trug er großflächige, entzündliche Veränderungen im Brustbereich davon und dort habe eine große offene Wunde geklafft. „Das war kein Klacks“, so der Richter im Prozess. Laut Klage soll die 70-Jährige der Klinik versichert haben, „Geld spielt keine Rolle, man solle alles tun, damit der Hund wieder gesund wird“. Tatsächlich musste Rufus aber sieben Monate lang tierärztlich behandelt werden, drei Monate davon blieb er sogar stationär in der Klinik. „Nach und nach“, so die Hundehalterin, habe sie über Darlehen von Freunden und Familie dann der Tierklinik rund 16.000 Euro für die Rufus-Behandlung gezahlt. Denn ihre Tierkrankenversicherung habe sich  lediglich mit 2700 Euro an den horrenden Kosten beteiligt. Dass es die 70-Jährige allerdings einen Gesamtbetrag von 26.000 Euro kosten würde, ihren Hund behandeln zu lassen, sei ihr nicht klar gewesen – und so von der Tierklinik auch nicht eindeutig gesagt worden.

Unterm Strich sind jedenfalls noch rund 8000 Euro offen. Per Vergleich, zu dem das Geicht beiden Parteien jetzt „dringend“ geraten hat, akzeptierten die Hundehalterin und auch die Klinik-Anwältin am Donnerstag eine Restzahlung von 6000 Euro, zahlbar in 250 –Euro-Raten. Das kann die Rentnerin nach eigener Darstellung gerade so aufbringen. Denn Rufus sei noch längst nicht wieder fit. Starke Narbenbildung im Brustbereich würde sich nämlich weiterhin auf seine Bewegungsabläufe auswirken, er brauche aktuell sogar Physiotherapie und Akupunktur, um schmerzfrei laufen zu können. Und die Tochter der Rentnerin dann bei deren Ausflügen zu begleiten.