Betreiber will Preise senken: Tiefgarage Oberkassel: Offen, aber leer

Betreiber will Preise senken : Tiefgarage Oberkassel: Offen, aber leer

Vor exakt einem Monat wurde sie eröffnet, aber augenscheinlich hat sich das noch nicht herumgesprochen. Auf den neun Parkebenen steht kaum ein Auto. Nun überlegt der Betreiber, "Park one" aus München, die Preise zu senken.

Parkplatzknappheit in Oberkassel? Ja, würde wohl jeder Anwohner sagen. Aber dann dieses Bild: Eine riesige Tiefgarage mitten im Quartier, aber kaum einer fährt rein - Hunderte freier Parkplätze, keinen Steinwurf von Saitta und Muggel entfernt, direkt an der Einkaufsmeile Luegallee.

Der Betreiber des Parkhauses, die Münchner Firma "Park one", beobachtet das, reagierte aber nach außen gelassen. "Das dauert oft zwei bis drei Jahre, bis so eine Garage wirklich angenommen wird und läuft," sagte Andreas Mahnert-Lueg von "Park one". Besorgt sei man nicht, sondern habe solche Erfahrungen häufiger gemacht.

Das Unternehmen betreibt eine ganze Reihe von Tiefgaragen und Parkhäusern in Deutschland. Man werde aber in den nächsten Tagen und Wochen zusätzliche Hinweise installieren, hieß es. Womöglich sei vielen nicht bewusst, dass es dort eine Tiefgarage gebe. An die Baustelle hätten sich die Leute nach über zweijähriger Bauzeit gewohnt, aber dass diese Phase vorbei ist, Plätze zur Verfügung stehen, sei nicht im Bewusstsein der Kunden. Und das in einem Viertel, in dem die Abstellfläche für Autos seit vielen Jahren immer knapper werden und Immobilien nur noch zu verkaufen sind, wenn ein Parkplatz (oder mehrere) dazu gehören.

Dies hatte man im Blick, als man vor Jahren beschloss, diese Tiefgarage zu bauen. Die Quartiersgarage mit knapp 400 Plätzen sollte die Parkplatznot zumindest ein bisschen lindern. Das könnte sie auch, aber sie wird - noch - nicht wirklich angenommen. Das hat aus Sicht von Beobachtern und Kennern der Oberkasseler Szene zahlreiche verschiedene Gründe.

Luegallee Diese zentrale Achse des Viertels ist die Einkaufsmeile der im Stadtteil lebenden Menschen mit Bäckereien, Supermarkt und kleinen Geschäften. Einen legalen Parkplatz zu finden, ist hier schwer, jedoch nicht unmöglich. Es gibt eine hohe Fluktuation, also wird man mit ein bisschen Geduld fündig. Kunden mit Ortskenntnis weichen zudem in benachbarte Straßen aus, die allerdings meist wenig Parkraum bieten.

Gastronomie Muggel, Saitta, Carissima - die Restaurants und Lokale des Stadtteils locken viele Gäste an, aber entweder kommen diese aus dem Viertel oder sie wissen, wo man abends parken kann. Zudem ist die Zahl jener, für die das sichtbare Vorfahren unabdingbar ist, nicht zu unterschätzen.

Die Preise Der Anbieter des Parkhauses bietet derzeit an, dass man für die erste halbe Stunde nur einen Euro zahlt. Das reicht, um an den Markständen vor der Antonius-Kirche oder auf dem Markt des Barbarossaplatzes kurz einzukaufen. Aber dann kostet jede angefangene Stunde 2,80 Euro - da ist man schnell auf über fünf Euro, und das scheint den meisten zu viel zu sein. "Park one" kündigt daher an, demnächst über die Preise nachdenken zu wollen. Mit anderen Worten: Wenn sich die Frequenz nicht bald deutlich erhöht, wird man mit den Preisen runter gehen.

Dauerparker Es gebe großes Interesse an Dauerstellplätzen, sagt ein Sprecher des Betreibers. Aber er sagt nicht, wie viele der Flächen bereits fest vergeben sind und was das Parken für sie kostet. Dass man für einen Platz mehr als 200 Euro kassieren könnte (pro Monat), scheint derzeit schwer vorstellbar, meinen Kenner der Örtlichkeit.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Bauarbeiten an der Tiefgarage Oberkassel

(ho)
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