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Düsseldorf: Thomas Ruff erfindet das Fotogramm neu

Düsseldorf : Thomas Ruff erfindet das Fotogramm neu

Europapremiere: Der in Düsseldorf lebende international geschätzte Künstler stellt bei Konrad Fischer aus.

Er gilt als der innovativste unter den Fotografen seiner Generation. Alle zwei, drei Jahre drängt es Thomas Ruff gleich einem wissenschaftlichen Forscher zu neuen Arbeiten, zu neuartigen Techniken. Die Zeit, dass einer wie er mit der Kamera loszieht und abdrückt, um ein Kunstwerk zu gewinnen, ist lange vorbei. "Bilder entstehen aus Ideen", sagt Ruff.

Er gilt als Pionier der stellaren Fotografie, hat sehr früh schon für seine Serien "Nudes" Thumbnails aus dem Internet gezogen und verarbeitet. Er hat schließlich in seiner Serie "Zycles" gar keine fotografische Referenz mehr gebraucht, sondern diese als Fotos präsentierten Werke ohne Kamera mit Hilfe von mathematischen Formeln konstruiert.

Was im Frühjahr dieses Jahres in New York bei David Zwirner erstmals gezeigt wurde, erlebt jetzt seine Europapremiere bei Konrad Fischer in Düsseldorf. Fotogramme sind es, allerdings nicht die, die man kennt — jene berühmten von Altmeistern wie Laszlo Moholy-Nagy, von Man Ray oder Christian Schad.

Jene entstanden nach der Technik der Luminographie, durch direkte Belichtung von lichtempfindlichem Material wie Film oder Fotopapier. Ruffs neuartige Fotogramme kommen aus der virtuellen Dunkelkammer. Der Fotograf schätzt den Computer schon lange als Baustein seiner Arbeit.

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Nun hat er die seit Fox Talbot und Bayard bekannte Technik für Fotogramme weiterentwickelt, sie vom analogen ins digitale Stadium überführt: Nicht reale, sondern gerenderte Objekte werden im vieldimensionalen virtuellen Raum platziert, die Belichtung kann aus verschiedenen Perspektiv-Winkeln erfolgen.

Die Wellen-, Kristall-, Spiralen-, Linsen- oder Schablonen-Motive seiner abstrakten Computer-Fotografien erinnern nur noch entfernt an die Klassiker des Fotogramms; sie stellen eine wirkliche Neuerfindung innerhalb des Genres dar, in dem doch scheinbar schon alles erfunden und gezeigt worden ist.

Das Fotogramm lebt vom Kontrast, vom Spiel mit Licht und Schatten. Die Auslotung von Reflexionen am rechten Ort überließen seine Vorgänger noch dem Zufall, Ruff hingegen kontrolliert jeden Moment, jede Pixelverschiebung. Er kann Daten subtrahieren und addieren. Kalkulierte Simulation ist das, wenn aus Daten Kunst entsteht. Ein Bild ist 2,40 mal 185 Meter groß, der Rechner muss für einen Druck einen Tag lang rechnen.

"Als ich 1979 anfing, da lebten wir noch in einer total analogen Welt,", sagt Ruff, "die Entwicklung zur digitalen Welt war ein Riesenschritt. Ich dachte, es wäre nur ein Werkzeug!" Trotz allen technischen Fortschritts bleibt die Bildfindung bei diesem besonderen, der Fotografie verpflichteten Künstler bildnerisch, mitunter malerisch, obwohl die neuesten Ma.r.s.-Fotos — der Erde ähnliche, naturalistische Landschaftsausschnitte der Marsoberfläche — treffende Informationen über Wirkliches vortäuschen. Die Strukturen, die diese fünf Planetenbilder überziehen, fügen sich zu geologisch faszinierenden Formationen, die bis heute nicht entschlüsselt sind. Wir benennen sie mit unseren Worten, mit Wüste, Schlucht und kosmischer Nacht. Alle Analogien sind möglich. Ruff hat wieder Schwarzweiß-Material aus dem NASA-Archiv verwendet und weiterentwickelt, auch koloriert. Er hat indes leicht den Bildwinkel verschoben, so als befände sich der draufschauende Mensch im Anflug auf den fernen Planeten.

Mit Hilfe moderner Technik schafft Thomas Ruff Bilder von Bildern der Realität, die ihrerseits trügerisch sind. Die digitale Kamera funktioniert dem Auge vergleichbar. "Wir sehen nicht mit den Augen, wir sehen mit dem Gehirn", davon ist der Künstler überzeugt. Die Kamera funktioniert wie eine Art Gehirn der apparativen Wahrnehmung.

(RP)