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Thomas Kellein: Ich war Helge Achenbachs Sekundant

Essen : Kunstexperte Kellein im Gericht: "Ich war Achenbachs Sekundant"

Er habe sich "geehrt gefühlt", als Helge Achenbach ihm im Mai 2012 eine Zusammenarbeit vorschlug, sagte Thomas Kellein, der gestern mit seiner Anwältin im Zeugenstand der Großen Strafkammer in Essen Platz nahm. "Positiv" und "warmherzig" habe sich der "respektable Kunstberater" ihm genähert, ein "freundschaftliches Hofieren" sei es gewesen, das den gerade aus den USA zurückgekehrten Kunsthistoriker bewogen habe, bei Achenbach einzusteigen.

Der Mann, dem Kellein diese netten Adjektive zuschreibt, blickte kaum einmal von der Anklagebank zu seinem einstigen Fachberater. "Was hast du getan? - Ich bin fassungslos", soll Helge Achenbach in seinem letzten Telefonat mit Kellein im Juli 2013 gesagt haben. Auch da sei er noch freundlich gewesen, obwohl er doch gerade durch Kellein seinen Job bei der Kunstberatung der Berenberg Bank verloren hatte.

Kellein, damals Chief Curator der Berenberg Art Advice, hatte die Bank über hohe Aufschläge informiert, die Achenbach dem Pharmaunternehmer Christian Boehringer in Rechnung stellte. Der Kunsthistoriker berichtete, wie er ("Ich war naiv und glücklich") zunächst für einen Tagessatz von 3000 Euro tätig wurde, dann für ein Monatshonorar von 10 000, von Oktober bis Dezember 2012 habe er so 45 000 Euro verdient. Plus ein Drittel der 630 000 Dollar, die Achenbach für die Vermittlung von fünf Lawrence-Weiner-Werken bei Boehringer kassierte. "Wir verkaufen das dem Christian teurer, mach dir keine Sorgen, der ist sehr, sehr glücklich", soll Achenbach gesagt haben. "Und ich habe mit meinem kleinen Gehirn nicht darüber nachgedacht."

Das sei erst nach drei weiteren Geschäften mit hohen Aufschlägen geschehen. Er habe ein "immer schlechteres Gefühl" gehabt, sagte Kellein, der sich als "so etwas wie ein Sekundant" verstand, der fachkundige Empfehlungen aussprach, aber nichts mit den Geschäften zu tun hatte, die er erst nach und nach ein wenig durchschaute. Er sei bereits entschlossen gewesen, "die Beziehung nicht fortzuführen", als er entdeckte, dass Achenbach plante, ein Baselitz-Werk mit einem 400 000-Euro-Aufschlag zu verkaufen. " Da habe ich begriffen, dass ich Teil von etwas war, das ich nicht mittragen kann." Kellein informierte die Bank-Leitung, überwies seinen Anteil aus dem ersten Geschäft zurück. Anteile an den anderen Deals seien ihm versprochen, aber nie überwiesen und auch das vereinbarte Monatssalär zuletzt nur schleppend gezahlt worden.

Nachdem die Bank sich von Achenbach getrennt und ihre Kunstsparte aufgelöst hatte, waren auch Unregelmäßigkeiten bei Achenbachs Geschäften mit dem verstorbenen Aldi-Erben Berthold Albrecht entdeckt worden, die letztlich das Strafverfahren gegen ihn in Gang brachten.

(RP)