Die Woche in Düsseldorf: Thomas Geisel: Lerneffekte für einen neuen OB

Die Woche in Düsseldorf: Thomas Geisel: Lerneffekte für einen neuen OB

Er wusste offenbar nicht so richtig, wo er auftritt, und auch nicht, welche Erwartungshaltung seine Zuhörer haben: Der neue Oberbürgermeister Thomas Geisel erstaunte auf der Immobilienmesse Expo Real mit einer Rede, die sich auf preiswerten Wohnraum konzentrierte. Zur Vermarktung der Stadt gehört jedoch mehr.

Die Rede des Düsseldorfer Oberbürgermeisters auf der Immobilienmesse Expo Real zieht alljährlich mehr als 300 Zuhörer an. Die Stadt ist für die Branche interessant, sie wächst und ist seit Jahren im Aufschwung, wegen ihrer zentralen Lage und der vielen Unternehmen, die hier residieren oder sich ansiedeln. Eine Erfolgsgeschichte also, die fortgesetzt gehört. Davon hat Thomas Geisel bei seinem ersten Auftritt in München nahezu nichts erzählt.

Als hätte er Wohnungspolitiker und wichtige Branchenvertreter zu einem Treffen ins Rathaus eingeladen, schwörte er bei seiner mit Spannung erwarteten Expo-Premiere die Zuhörer allein auf sein Top-Thema ein: den Bau preiswerten Wohnraums, vor allem von Sozialwohnungen, er sprach von sozialen Brennpunkten und Stadtteilen, die abzurutschen drohen. Geisel bot einen Deal an, es soll schnelle Genehmigungen für Projekte geben, die sich mit den wohnungspolitischen Zielen der Stadt verbinden.

Nun wird niemand sagen, dass dies nicht eine wichtige Aufgabe und dass es richtig ist, hier mehr zu tun. Seit mehr als 20 Jahren sinkt die Zahl der Sozialwohnungen, die Stadtregierungen, seien sie rot-grün oder schwarz-gelb gewesen, haben den Trend nicht stoppen können oder wollen. Die Gründe sind vielschichtig - die SPD und Geisel haben das Thema erkannt und zu einem Wahlkampfschlager gemacht.

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Nun aber ist die politische Schlacht vorbei. Geisel, offenbar im Vorfeld der Messe nicht gut beraten, hat weiter im Wahlkampfmodus agiert und die Stärken der Stadt bei dieser Leistungsschau nicht hervorgekehrt. Es verwundert nicht, dass bei der Rede die Mienen der meisten Zuhörer geradezu versteinerten -damit hatten sie nicht gerechnet. Auch dass Geisel den Ampel-Koalitionsvertrag ignorierte und auf einer Quote von 30 Prozent Sozialwohnungen beharrte, zog Widerspruch auf sich. Irritation also bei den Experten aus der Wirtschaft und den politischen Partnern, von denen gerad eine Kooperation beschlossen werden soll.

Nicht die erste Begebenheit, bei der Geisel vor allem schnell und willensstark handelt - wie ankommt, was er macht, ob sich die Menschen mitgenommen fühlen, steht auf einem anderen Blatt. Auf jeden Fall stellen sich die ersten Lerneffekte für alle Beteiligten ein, und die große Frage ist, welche Schlüsse der neue OB aus diesen Reibungen zieht.

(RP)
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