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Thomas Geisel: Dank an seine Unterstützer

Kolumne "Rund ums Rathaus" : Geisels Dank an seine Unterstützer

Es waren viele, aber nicht nur Parteifreunde, die Thomas Geisel (SPD) in seinem mehr als ein Jahr dauernden OB-Wahlkampf mit Rat und Tat begleitet haben. Frisch im Amt folgt die Belohnung des Rathaus-Chefs: Posten, Aufträge und Nettigkeiten.

Das Phänomen ist bei jedem Machtwechsel zu beobachten, unabhängig von der politischen Ebene: Der neue Machthaber entledigt sich, einem Löwen-Männchen gleich, der Vertrauten seines Vorgängers. Zum Spiel gehört auch, sich bei den fleißigen Unterstützern, die zum Sieg verholfen haben, angemessen zu revanchieren. Mancher lässt sich damit Zeit, mancher will seine Rechnung möglichst rasch begleichen.

Thomas Geisel, der neue Chef im Düsseldorfer Rathaus, gehört offenbar zu Letzteren. Eines der ersten Gespräche nach seinem 60-Prozent-Sieg bei der Stichwahl gegen Amtsinhaber Dirk Elbers (CDU) soll Geisel mit Messe-Chef Werner M. Dornscheidt geführt haben. Beide Männer, das ist allgemein bekannt, standen sich zum Zeitpunkt des Treffens nicht sehr nahe - auch wegen Dornscheidts Nähe zu Elbers.

In dem Gespräch soll es um eine pikante Personalie gegangen sein: Geisel wollte seine Parteifreundin Gudrun Hock, die ihn im Wahlkampf eng begleitet hatte, im Bereich der Messe auf einen Geschäftsführerposten bringen. Auch, weil er das Bürgermeisteramt mit einer anderen Genossin, Klaudia Zepuntke, besetzen wollte.

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Es ging hin und her, schließlich fand man eine Lösung, mit der offenbar Geisel, Hock und Dornscheidt leben konnten: In der erst vor einigen Monaten fusionierten Gesellschaft Düsseldorf Congress, Sport und Events wurde für Hock die Stelle einer dritten Geschäftsführerin geschaffen - vergütet mit 150 000 Euro plus Erfolgsprämie. Dass die Stadt Essen, Hocks frühere Arbeitgeberin, davon einen Teil über Pensionsansprüche ausgleicht, mag den mittelbaren Effekt auf den Düsseldorfer Etat mildern, Steuerzahlergeld bleibt es. Ein teures Dankeschön für die Wahlkampfhilfe (oder für das geräuschlose Räumen des Bürgermeisteramts).

Auch im OB-Büro finden sich ein Großteil von Geisels Wahlkampfteam, verdiente Genossen und Unterstützer wieder: Wahlkampfmanagerin Jessica Dedic (deren Professionalität selbst in CDU-Kreisen angesehen ist), der ehemalige Vize-Chefredakteur der NRZ Dieter Schneider (als Geisels Sprecher), der frühere Regierungspräsident Jürgen Büssow (Beauftragter für Regionales), als persönlicher Referent Fabian Zachel (der Sozialdemokrat hat im Wahlkampf eine tragende Rolle gespielt). Auch die neue Stadtsprecherin, Kerstin Jäckel-Engstfeld, gehört in diese Reihe. Die Journalistin hatte Geisel im Wahlkampf bei der Bild-Zeitung wohlwollend begleitet und ist mit einem Grünen-Landtagsabgeordneten verheiratet.

OB-Büroleiter ist Jochen Wirtz, der als bisheriger Geschäftsführer der SPD-Fraktion und ehemaliger Referent von Hock sowie der Ex-Personaldezernentin Ulrike Löhr reichlich Verwaltungserfahrung mitbringt, aber auch - wenn nötig - das kritische Wort gegenüber seinem Chef nicht scheut. Weitere Vertraute sollen im OB-Büro folgen. Weil aber die alten Mitarbeiter noch da sind, die neuen aber auch schon, soll das Büro bereits räumlich an seine Grenzen stoßen. Man darf gespannt sein, ob auch das Versprechen, den Stab des Rathaus-Chefs zu verkleinern, gehalten wird. Denn Unterstützer Geisels gab es viele, allein auf seiner Homepage sind an die 100 aufgeführt.

Und es sind nicht nur SPD-Mitglieder, deren Hilfe Geisel honoriert. Sein Versprechen an die Familie, den verstorbenen CDU-OB Joachim Erwin mit einer Platzbenennung zu ehren, wollte Geisel so schnell erfüllen, dass er ganz vergaß, die Politik mitzunehmen. Jetzt liegt das Vorhaben vorerst auf Eis. Mal wieder. Der frühere Stadtsprecher Kai Schumacher, enger Vertrauter Erwins und von Elbers geschasst, ist nun mit dem Runden Tisch und dem Sammeln von Spenden für die Wiederaufforstung nach dem Pfingstorkan beauftragt. Zum engen Kreis um Geisel gehört auch der frühere Sparkassen-Vorstand Andreas Goßmann. Offizieller Berater ist er nicht.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Der erste Tag von Oberbürgermeister Geisel