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Unser Autor hat es ausprobiert: Thalys – einmal Paris und zurück

Unser Autor hat es ausprobiert : Thalys – einmal Paris und zurück

Der Schnellzug fährt jetzt einmal täglich von Düsseldorf in die französische Hauptstadt. Wer am selben Tag zurückkehrt, hat dort acht Stunden Aufenthalt. Die reichen für eine schnelle Runde durch die berühmten Sehenswürdigkeiten der Metropole – und eine Menge Urlaubsgefühl.

Der Schnellzug fährt jetzt einmal täglich von Düsseldorf in die französische Hauptstadt. Wer am selben Tag zurückkehrt, hat dort acht Stunden Aufenthalt. Die reichen für eine schnelle Runde durch die berühmten Sehenswürdigkeiten der Metropole — und eine Menge Urlaubsgefühl.

 Andrea Schmidt-Krafczyk reiste mit ihren Söhnen Hendrik (12) und Jonas (4) nach Paris.
Andrea Schmidt-Krafczyk reiste mit ihren Söhnen Hendrik (12) und Jonas (4) nach Paris. Foto: Arne Lieb

Die Zugtüren öffnen sich, und sofort ist man mittendrin in der Hektik der Metropole. Massen schieben sich über den Gare du Nord, den Pariser Fernbahnhof. Schwarzhändler und Taxifahrer sprechen unermüdlich die Touristen an, die ein Ticket für die Metro ziehen wollen und an den unverständlichen Automaten scheitern. Hinten in der Schlange beschweren sich derweil Einheimische, dass sie so lange warten müssen. Wer es schließlich in die Metro-Station im Keller des Bahnhofs geschafft hat, dem liegt dann aber die Stadt zu Füßen. Vom Bahnhof erreicht man schnell die großen Sehenswürdigkeiten und kann sofort mit dem Stadtbummel loslegen.

Es ist erst 10 Uhr morgens — und bis der Thalys um 18.01 Uhr zurück nach Düsseldorf geht, bleibt ein ganzer Tag. Der Schnellzug, der seit dieser Woche einmal täglich in Düsseldorf abfährt, macht auch Kurzausflüge in die französische Hauptstadt attraktiv. Mal schauen, wie viel Paris sich in acht Stunden erleben lässt.

Die Reise hat früh begonnen. Um 5.45 Uhr ist der Zug am Düsseldorfer Hauptbahnhof abgefahren. Wer in Essen und Duisburg zugestiegen ist, wo der Thalys nun auch hält, musste noch früher aufstehen. Der Zug ist aber gut gefüllt. In der ersten Klasse arbeiten Geschäftsleute bereits am Laptop, in der zweiten Klasse versuchen Urlauber noch ein bisschen zu schlafen. Viele haben Kinder dabei.

Lija Grauberger ist in Düsseldorf zugestiegen. Sie will um 8.30 Uhr in Brüssel bei der Arbeit sein. Die 25-jährige Düsseldorferin studiert dort Wirtschaftsrecht und absolviert derzeit ein Praktikum. Bislang musste sie immer in Köln umsteigen, jetzt kann sie sitzenbleiben. Ewald Schulz aus Neuss freut sich mit Ehefrau Agnes und den Töchtern Nicole (13) und Claudia (10) auf einen Kurzurlaub in Paris, inklusive Eiffelturm und Stadtbummel. Schulz wollte unbedingt sofort die neue Thalys-Verbindung ausprobieren — schließlich sammelt er Modelleisenbahnen und hat eine Miniatur des Zuges in der Vitrine stehen. Andrea Schmidt-Krafczyk will ihren Söhnen Hendrik (12) und Jonas (4) die Stadt und vor allem die berühmten Museen zeigen. Sie hat sich drei Tage Zeit genommen.

In Köln bleibt der Zug länger stehen. Auch die neue Strecke über Düsseldorf führt über den wichtigsten deutschen Thalys-Bahnhof — leider mit rund 30 Minuten Aufenthalt. Erst als es von dort weitergeht, öffnet das Bistro. Wer in der zweiten Klasse reist, kommt erst jetzt wieder an Kaffee. Die Nachfrage ist groß.

Die Landschaft schießt vorbei, der Zug beschleunigt auf 300 Stundenkilometer. Die Strecke durch Belgien und Frankreich wirkt, als hätten die Planer ein Lineal auf die Karte gelegt und eine Gerade durch die Länder gezeichnet. Mit Stopps in Aachen, Liège und Brüssel braucht der Zug rund vier Stunden für die etwa 500 Kilometer bis zum Gare du Nord.

Was schafft man in acht Stunden Paris? Gar nicht so wenig. Man fährt zum Beispiel vom Nordbahnhof zu dem beeindruckenden unterirdischen Einkaufszentrum Les Halles und läuft nach einem Bummel durch die Geschäfte zum Centre Pompidou. Dort schaut man sich in Ruhe die Ausstellung moderner Kunst mit Meisterwerken von Picasso bis Kandinsky an. Vom Museum ist man schnell an der Seine und Notre Dame, wo man einen Blick auf die Wasserspeier und die Touristenmassen wirft. Ein Besuch in der Kathedrale scheidet genauso aus, wie ein Blick auf die Mona Lisa im Louvre — die Schlange ist zu lang.

Nach dem Mittagessen folgt ein Abstecher zu der Prachtmeile Champs Elysées und dem Triumphbogen. Dann bleibt noch Zeit für einen Spaziergang durch Montmartre mit einem Besuch des Friedhofs, wo sich auch das Grab von Heinrich Heine befindet, und einem Kaffee in dem Szene-Viertel, das trotz der Touristen immer noch Treffpunkt für junge Pariser ist.

Von Montmartre aus ist man schnell zurück am Gare du Nord, wo man um 18 Uhr in den Zugsitz fällt — und das Gefühl hat, in wenig Zeit eine Menge Pariser Atmosphäre mitbekommen zu haben. Der Tag war lang. Kurz nach der Abfahrt sind viele Reisende bereits eingeschlafen. Nun versteht man noch einmal neu den Vorteil der neuen Verbindung: Man kann bis Düsseldorf sitzenbleiben.

(RP)